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Autohersteller Mehr Elektroautos für Europa: „Green Deal“ zwingt Toyota zur Strategieanpassung

In Japan favorisiert der Autobauer den Wasserstoff-Antrieb. In Europa setzt Toyota künftig verstärkt auf Batterieautos. Wie Europa-Chef Johan van Zyl jetzt gegensteuern will.
09.12.2020 - 04:00 Uhr 2 Kommentare
Ein wasserstoff-betriebenes Auto, produziert in Japan, das in Europa auf absehbare Zeit eine Randerscheinung bleiben wird. Der zweitgrößte Autohersteller der Welt braucht in der EU vor allem Elektroautos. Quelle: Reuters
Der Toyota Mirai

Ein wasserstoff-betriebenes Auto, produziert in Japan, das in Europa auf absehbare Zeit eine Randerscheinung bleiben wird. Der zweitgrößte Autohersteller der Welt braucht in der EU vor allem Elektroautos.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Toyota gilt als ein Autokonzern, der bei neuen technologischen Entwicklungen meist vorn mit dabei ist. Schon vor mehr als 20 Jahren, als noch niemand so recht an den Durchbruch der teilelektrischen Autos glauben wollte, brachten die Japaner mit dem Prius ihren ersten Hybrid-Pkw auf den Markt.

Auch bei der Brennstoffzelle war Toyota der Konkurrenz voraus: Seit fünf Jahren ist der wasserstoffbetriebene Mirai rund um den Globus auf den Straßen unterwegs.

Bei den rein elektrisch angetriebenen Autos dagegen hat sich der zweitgrößte Autohersteller der Welt Zeit gelassen. So sieht es auch Volkswagen, die Nummer eins und der global größte Toyota-Konkurrent. „Das ansonsten sehr profitable und innovative Unternehmen Toyota ist bei der Elektrifizierung deutlich später dran als wir“, sagte VW-Konzernchef Herbert Diess in der vergangenen Woche in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“.

Toyota hat inzwischen reagiert und will sich nicht mehr nur auf die teilelektrischen Hybride und den Brennstoffzellenantrieb verlassen, vor allem mit Blick auf den europäischen Markt. Im nächsten Jahr startet der japanische Autohersteller in Europa mit dem Verkauf seines ersten eigenen vollelektrischen Modells. „Wir brauchen den Mix aus Hybrid, Plug-in-Hybriden und vollelektrischen Fahrzeugen“, sagt Toyota-Europa-Chef Johan van Zyl im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Mit Details des neuen Batterie-Autos hält sich van Zyl noch zurück. Immerhin bestätigt er, dass es ein Elektro-Geländewagen (SUV) werden wird, der in Zusammenarbeit mit der japanischen Schwestermarke Subaru entsteht.


„Wir müssen den Anteil der Plug-in-Hybride und der vollelektrischen Fahrzeuge erhöhen, wenn die Vorschläge der EU-Kommission wirklich Realität werden.“ Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
Johan van Zyl

„Wir müssen den Anteil der Plug-in-Hybride und der vollelektrischen Fahrzeuge erhöhen, wenn die Vorschläge der EU-Kommission wirklich Realität werden.“

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

Das Auto wird voraussichtlich von Japan aus nach Europa exportiert und soll von der Größe her ein typisches Familienauto werden. Später ist auch eine Fertigung dieser Fahrzeuge in den europäischen Toyota-Werken denkbar.

Toyota darf den Anschluss an die Konkurrenz nicht verlieren: Der ID.4 von Volkswagen, ein in etwa vergleichbares Modell, kann bereits bestellt werden. Bei den Premiummarken Audi und Mercedes stehen die ersten vollelektrischen SUV schon bald ein Jahr bei den Händlern.

„Der Green Deal in Europa ist der große Gamechanger“

Die EU-Kommission lässt allen Automobilherstellern – auch Toyota – keine Alternative. Die Grenzwerte bei den Kohlendioxidemissionen werden wahrscheinlich noch einmal deutlich verschärft. Bis zum Jahr 2030 sollen die aktuellen Grenzen im Rahmen des neuen „Green Deal“ der Europäischen Union voraussichtlich halbiert werden.

Damit muss der durchschnittliche Kohlendioxidausstoß eines Autos je gefahrenen Kilometer unterhalb von 50 Gramm liegen. Erreichbar ist das nur, wenn jeder Hersteller künftig deutlich mehr Elektroautos verkauft, die mit null Gramm Kohlendioxid angerechnet werden können.

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„Der Green Deal in Europa ist der große Gamechanger – auch für die Welt“, unterstreicht Toyota-Manager van Zyl. Die Auswirkungen seien genauso in der Heimat des Autoherstellers spürbar. „Die rein batterieelektrischen Fahrzeuge bekommen in Japan eine größere Bedeutung wegen ebenfalls verschärfter Kohlendioxidgrenzen“, begründet er.

Auch wenn Japan als gesamtes Land schon stärker auf eine Wasserstoff-Wirtschaft ausgerichtet sei – die Batterieautos seien unverzichtbar. „Wir müssen den Anteil der Plug-in-Hybride und der vollelektrischen Fahrzeuge erhöhen, wenn die Vorschläge der EU-Kommission wirklich Realität werden“, sagt van Zyl.

Technologisch muss Toyota aufpassen, nicht ins Hintertreffen zu geraten, vor allem gegenüber dem Hauptrivalen Volkswagen. Der VW-Konzern hatte schon vor fünf Jahren damit begonnen, eine Elektroplattform („MEB“) zu entwickeln, die ausschließlich für die Produktion vollelektrischer Fahrzeuge verwendet wird. Toyota kündigt jetzt ebenfalls ein eigenes E-Plattform-Konzept an („e-TNGA“).

„Auch Toyota hat seine Probleme“, sagt NordLB-Autoanalyst Frank Schwope zur aktuellen Entwicklung beim japanischen Hersteller. Die größte Herausforderung sei die Transformation mit Elektrifizierung und Digitalisierung. Um die hohen Entwicklungskosten zu verteilen, suche Toyota den Schulterschluss mit den Wettbewerbern aus dem eigenen Land. „Toyota arbeitet an einer Japan-AG der Autohersteller“, erläutert Schwope.

Toyota verfolgt die Weiterentwicklung von wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellenautos zwar weitaus konsequenter als die deutsche und die gesamte europäische Konkurrenz. Doch dem Management des japanischen Autoherstellers ist klar, dass dieser Antrieb über viele Jahre hinweg nur ein Nischendasein in Europa fristen wird.


In Deutschland ab 64.000 Euro zu haben. Quelle: Reuters
Toyota Mirai

In Deutschland ab 64.000 Euro zu haben.

(Foto: Reuters)

Auch der vergleichsweise hohe Preis ist ein Hinderungsrund: Toyota verkauft den Mirai in Deutschland für 64.000 Euro. „Wir sprechen dabei nicht über das Massengeschäft“, so van Zyl. Da das Auto als Null-Emissions-Fahrzeug eingeordnet wird, gibt es immerhin dieselbe staatliche Förderung wie bei reinen Batteriefahrzeugen.

Wasserstoffantrieb erst bei Lkws und Bussen in Europa

„Bis jetzt haben wir den Mirai in Europa etwa 800-mal pro Jahr verkauft. Mit dem neuen Modell der zweiten Generation wollen wir auf 1500 kommen“, verspricht der Toyota-Europachef. Zum Vergleich: Auf dem europäischen Markt verkauft der japanische Hersteller jährlich rund eine Million an Fahrzeugen.

Van Zyl glaubt, dass sich der Wasserstoffantrieb in Europa zunächst bei Lkws und Bussen durchsetzen wird. Im Transportsektor sei auch kein umfassendes Tankstellennetz wie bei privaten Autofahrern nötig. Lastwagen und Busse könnten bei Spediteuren und auf Autohöfen entlang der wichtigsten Fernstraßen Wasserstoff tanken.

„Der Aufbau einer Tankinfrastruktur beim Wasserstoff wird bei Lkws und Bussen viel schneller vonstattengehen als bei Pkws“, so Van Zyl. In Japan könnte es allerdings auch bei Pkws schneller vorangehen, das Land sei beim Wasserstoff technologisch einfach weiter. Europa habe mit dem Aufbau einer neuen Ladeinfrastruktur für Elektroautos schon genug zu tun.

In Europa dient der Wasserstoff-Pkw Mirai aus Toyotas Sicht in erster Linie dazu, dass der Konzern damit sein technologisches Know-how präsentieren kann. Als Toyota vor mehr als 20 Jahren mit dem Prius seinen ersten Hybrid vorgestellt habe, sei dieser Schritt von der Konkurrenz mitunter belächelt worden, so van Zyl. Heute zeige sich, dass Toyota mit der Elektrifizierung seiner Autos richtig gelegen habe. Eine ähnliche Entwicklung sei auch beim Wasserstoffantrieb denkbar.


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Aktuell liegt der Hybrid-Anteil bei allen von Toyota in Europa verkauften Autos bei mehr als 60 Prozent. Weil noch weitere Modelle inzwischen hybridisiert worden sind, soll der Anteil im kommenden Jahr auf 68 Prozent ansteigen. Bis 2025 will Toyota 60 neue elektrifizierte Modelle in Europa auf den Markt bringen. Zehn davon sollen ausschließlich elektrisch und nicht wie beim Hybrid halb elektrisch und halb per Verbrenner angetrieben werden.

Toyota kalkuliert damit, dass im Jahr 2025 etwa 70 Prozent aller angebotenen Modelle als einfacher Hybrid unterwegs sind. Dazu kommen dann noch etwa zehn Prozent Plug-in-Hybride (über Kabel aufladbare Hybride) und zehn Prozent vollelektrische Modelle. Auf Fahrzeuge, die ausschließlich mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, entfallen die restlichen zehn Prozent. Den Verkauf von Diesel-Pkws hatte Toyota in Europa bereits eingestellt.

Toyota muss keine Milliardenstrafen befürchten

Wegen des jetzt schon recht hohen Hybrid-Anteils hat Toyota überhaupt keine Probleme damit, die aktuellen EU-Grenzwerte beim Kohlendioxid (95 Gramm je gefahrenen Kilometer) zu erfüllen. Der japanische Konzern muss deshalb keine Strafgelder in Milliardenhöhe fürchten, die die EU-Kommission verhängen könnte.

Van Zyl kündigt eine weitere Reduzierung an: Im Zeitraum 2019 bis 2021 sollen es insgesamt zehn Prozent weniger Kohlendioxid werden. Damit sollte Toyota die für das nächste Jahr anstehende kleinere Verschärfung bestehen, die die EU schon vor geraumer Zeit außerhalb des „Green Deal“ angekündigt hatte.

Das aktuelle Coronajahr hat Toyota in Europa einigermaßen überstanden. „Von der Normalität sind wir allerdings noch weit entfernt“, betont der Toyota-Europachef. Wegen der zusätzlichen Hygiene-Vorkehrungen könne nicht unter den gewohnten Bedingungen produziert werden. Masken und Abstandsregeln machten es deutlich schwieriger, ein einzelnes Auto zu bauen. Die Kapazitäten in Europa könnten deshalb nicht vollständig ausgelastet werden. „Wir sind so effektiv wie möglich, dabei hilft auch die Digitalisierung“, sagt van Zyl.

Im vergangenen Jahr hat Toyota knapp 1,1 Millionen Fahrzeuge in Europa verkauft. Wegen der Corona-Pandemie werden es in diesem Jahr etwa zehn Prozent weniger sein, bis zum Jahresende will van Zyl bei 975.000 Autos herauskommen. Für 2021 ist er wieder optimistischer.

Eine flächendeckende Versorgung mit Impfstoffen dürfte überall für eine Normalisierung sorgen – auch im Autogeschäft. Toyota kalkuliert für 2021 mit rund 1,1 Millionen verkauften Autos. Die Corona-Pandemie habe auch an den langfristigen Planungen nichts geändert: 2025 will Toyota weiterhin 1,4 Millionen Fahrzeuge in Europa verkaufen.

Eine Sorge bleibt trotzdem: der ungeklärte Brexit. Toyota betreibt auf der britischen Insel eigene Fabriken für die Motoren- und die Fahrzeugproduktion. Der japanische Konzern würde massiv getroffen werden, wenn es keinen freien Warenverkehr mehr zwischen Großbritannien und dem europäischen Kontinent gibt.

„Natürlich hoffen wir alle auf eine Einigung. Beide Seiten werden verlieren, wenn es kein Abkommen gibt“, warnt van Zyl.

Mehr: Toyota hat die CO2-Ziele so gut wie erfüllt

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  • Der Vorwurf der Ideologie lässt mich am Verstand des ein oder anderen Kommentators zweifeln. Physik hat nichts mit Ideologie zu tun. 70% Effizienz well-to-wheel beim BEV gegen 20% bei H2O.

  • " In Japan könnte es allerdings auch bei Pkws schneller vorangehen, das Land sei beim Wasserstoff technologisch einfach weiter. Europa habe mit dem Aufbau einer neuen Ladeinfrastruktur für Elektroautos schon genug zu tun."
    Na dann, vielen Dank Frau Schulze, Herr Diess und alle anderen Batteriefans für die Einschränkungen der persönlichen Mobilität. Das wird Ihnen noch auf die Füße fallen. Oder Ihren Nachfolgern. Schade, dass die Bürger es wieder ausbaden müssen, wenn die Wasserstofftechnik verschlafen bzw. durch Ideologen absichtlich torpediert wird.

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