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Flottenmanagement

Automarkt Dienstwagen-Geschäft widersteht der Pandemie – Elektroauto-Nachfrage stabilisiert den Markt

Corona hat den Automarkt im Frühjahr einbrechen lassen. Bei Dienstwagen fällt das Minus aber geringer aus. Vor allem Plug-in-Hybride sind gefragt.
01.12.2020 - 13:53 Uhr Kommentieren
Audi und BMW, die typischen Dienstwagen-Marken in Deutschland. Außerdem kommt noch Mercedes dazu. Corona hat die Nachfrage nicht einbrechen lassen. Quelle: dpa
Dienstwagen-Markt ist vergleichsweise stabil geblieben

Audi und BMW, die typischen Dienstwagen-Marken in Deutschland. Außerdem kommt noch Mercedes dazu. Corona hat die Nachfrage nicht einbrechen lassen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Coronakrise hat die Automobilbranche im Frühjahr in einen kaum gekannten Schockzustand versetzt. Weil niemand wusste, welche Folgen die Pandemie nach sich ziehen würde, kam es auf dem deutschen Automarkt zu einem Nachfrageeinbruch ungekannten Ausmaßes.

Vor allem bei Privatkunden kam es zu einem regelrechten Käuferstreik. Im ersten Halbjahr legten gerade einmal 425.000 Menschen privat ein eigenes Auto zu. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von mehr als 36 Prozent.

Doch es gibt noch andere wichtige Kunden auf dem Automarkt. Allen voran die Unternehmen, die für ihre Mitarbeiter Dienstwagen bei Volkswagen, BMW und Mercedes bestellen. Und trotz des Corona-Schocks erwies sich diese Flottennachfrage als Hort relativer Stabilität.

Bis zur Jahresmitte wurden gut 340.000 neue Firmen-Pkw in Deutschland zugelassen. Der Rückgang dort ist mit rund 25 Prozent immer noch stark – aber doch deutlich geringer als bei privaten Käufern. Diese stabilere Nachfrage hat auch im Rest des Jahres angehalten.

Wegen der anfänglichen Unsicherheit hätten zwar auch viele Firmen im Frühjahr keine Neuwagen mehr geordert. „Doch das Flottengeschäft hat sich relativ schnell wieder erholt“, sagt Benjamin Kibies vom Frankfurter Marktforschungsunternehmen Dataforce, das sich auf diesen Markt spezialisiert hat. Bis zum August habe sich die Nachfrage der Unternehmen nach Fahrzeugen für die eigenen Mitarbeiter bei etwa 90 Prozent des Normalniveaus eingependelt.

Dass der Flottenmarkt gerade im Frühjahr nach dem ersten Pandemie-Schock stabiler als das Privatkundengeschäft geblieben ist, führt Kibies auf die vertraglichen Rahmenbedingungen zurück. „Bei Dienstwagen können die Firmen die Leasingverträge nicht von heute auf morgen umstellen“, sagt er. Privatkunden würden den geplanten Kauf eines neuen Autos hingegen einfach verschieben.

Dienstwagen seien zudem fester Bestandteil von Anstellungsverträgen, die sich ebenfalls nicht sofort umstellen ließen. Lockdown und Reisebeschränkungen haben dazu geführt, dass Dienstwagen deutlich seltener bewegt worden sind. Kibies schätzt, dass die durchschnittliche Laufleistung eines Dienstwagens Corona-bedingt zwischen 20 und 25 Prozent zurückgegangen ist.

Laufleistung der Dienstwagen nimmt deutlich ab

Es gibt allerdings auch Firmen, die ihre Flottenfahrzeuge selbst kaufen und nicht bei einem Leasingunternehmen bestellen. Der badische Software-Riese SAP ist eine solche Ausnahme. Das IT-Unternehmen führt im eigenen Fuhrpark etwa 17.000 Dienstwagen, das ist eine der größten Firmenflotten in Deutschland.

Auch SAP konnte im Frühjahr nur schwer einschätzen, wie sich die Pandemie auswirken wird. Auf der Suche nach möglichen Sparzielen fiel der Blick schnell auf die Dienstwagen. Mitarbeiter wurden gebeten, ihr Auto wegen der bestehenden Unsicherheit einfach ein Jahr länger zu fahren.

Der Appell zeigte Wirkung. „Etwa zwei Drittel der Betroffenen sind unserer Aufforderung nachgekommen“, berichtet Steffen Krautwasser, Fuhrparkleiter des Dax-Konzerns. Von dieser großen Bereitschaft sei das Unternehmen selbst überrascht gewesen.

In der Regel werden bei SAP durchschnittlich 4000 Dienstwagen pro Jahr erneuert. Die Mitarbeiter sind gehalten, ihre Autos für vier Jahre zu fahren. Auch bei SAP habe die Laufleistung in diesem Jahr deutlich abgenommen, ergänzt Krautwasser.

Inzwischen rechnet SAP jedoch mit einer wirtschaftlichen Erholung. „2021 können die vom Unternehmen bereitgestellten Autos wieder nach den üblichen vier Jahren getauscht werden“, kündigt Krautwasser an.

In den vergangenen Wochen hätten die firmeninternen Bestellungen schon wieder leicht zugenommen. Die jetzt bestellten Autos würden erst im neuen Jahr ausgeliefert, Cash-Abflüsse gebe es dann auch erst 2021.

Nachfrage nach Plug-in-Hybriden steigt um 300 Prozent

Dass die Nachfrage nach Dienstwagen im Corona-Jahr vergleichsweise stabil geblieben ist, geht auch auf das stark steigende Interesse an Elektroautos zurück. Beim Kauf eines elektrischen Dienstwagens, auch als Plug-in-Hybrid, gibt es gleich zweimal Geld vom Staat.

Zunächst profitiert das Unternehmen von bis zu 9000 Euro Kaufprämie. Der Fahrer profitiert, weil er nur 0,5 Prozent des Listenpreises monatlich für ein Plug-in-Modell versteuern muss. Beim reinen E-Auto sind es sogar nur 0,25 Prozent. Bei einem Verbrennermodell mit Diesel- oder Benzinmotor gilt ein Steuersatz von einem Prozent.

Entsprechend sind die Zulassungszahlen gestiegen. Bei Plug-in-Hybriden wurden bis Ende September auf dem gesamten deutschen Automarkt – also mit privaten und Flottenkunden – rund 105.000 Neuwagen zugelassen, eine Steigerung von 300 Prozent. Bei den reinen E-Autos sind es gut 98.000 Neuzulassungen, die Steigerungsrate liegt bei 105 Prozent.

Zwischen Privat- und Dienstwagen gibt es in Sachen Elektro allerdings einen wesentlichen Unterschied. Unternehmen leasen oder kaufen in viel stärkerem Umfang Plug-in-Modelle. Im Flottenmarkt liegt der Zuwachs in diesem Jahr bis Ende September mit 388 Prozent deutlich über dem Marktdurchschnitt von 300 Prozent. Bei reinen E-Autos liegt der Zuwachs in den Flotten hingegen nur bei rund 50 Prozent – bei privaten Kunden ist das Interesse an vollelektrischen Fahrzeugen also wesentlich stärker ausgeprägt.

Dort hat auch die seit Anfang Juli reduzierte Mehrwertsteuer zur stärkeren Nachfrage geführt. „Allein im zweiten Halbjahr legte der Privatmarkt bislang um sechs Prozent zu und liegt über dem durchschnittlichen Niveau der letzten zehn Jahre“, sagt Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK). Die privaten Käufer seien im zweiten Halbjahr die treibende Kraft am gesamten Automarkt.

Dataforce-Manager Kibies führt die Unterschiede derweil auf das Modellangebot zurück. Ein Plug-in-Hybrid erfülle viel eher die Anforderungen eines Dienstwagens, der sowohl auf kurzen Distanzen in der Stadt als auch auf der Langstrecke eingesetzt werde. „Es sind noch nicht genügend Ladepunkte eingerichtet worden, das ist ein schwieriger Prozess“, sagt Kibies mit Blick auf die Vollstromer. 5er-BMW, Audi A6 und Mercedes E-Klasse – allesamt typische Dienstwagen in Deutschland – gebe es zudem noch nicht in einer rein elektrischen Variante.

Firmenprämie für reines Elektroauto

Die Aussagen für den deutschen Dienstwagenmarkt gelten auch für das Beispiel SAP. In der aktuellen SAP-Flotte stehen 2170 Plug-in-Hybriden gerade einmal 470 rein elektrische Autos gegenüber. Fuhrparkmanager Krautwasser ist sich allerdings sicher, dass sich dieses Verhältnis in den kommenden Jahren umdrehen wird.

Dafür macht er das größer werdende Angebot bei vollelektrischen Autos verantwortlich, was automatisch zu einem Wandel bei den Zulassungszahlen in der Konzernflotte führen werde. Außerdem würden sich immer mehr Unternehmen zum Klimawandel bekennen. „SAP will bis 2025 kohlendioxidneutral werden“, sagt Krautwasser. Die Umstellung der Dienstwagenflotte spiele dabei eine wesentliche Rolle. Die Klimaziele seien mit einem rein elektrischen Auto eher zu erreichen.

Plug-in-Hybride waren zuletzt in die Kritik geraten, weil sie nur auf den ersten Blick umweltfreundlich sind. Denn allzu viele Autofahrer sind mit ihnen nur per Verbrennungsmotor unterwegs. Gerade bei Dienstwagen liegt das Ladekabel häufiger originalverpackt im Kofferraum.

SAP will seine Mitarbeiter nicht zwingen, Plug-in-Hybride regelmäßig zu laden und rein elektrisch zu fahren. „Zwang ist nicht Teil der SAP-Unternehmenskultur“, so Krautwasser. Der Softwarekonzern wolle vielmehr Anreizsysteme schaffen, mit denen die Dienstwagenfahrer ihr Verhalten ändern.

Beim Kauf eines reinen E-Autos gebe das Unternehmen beispielsweise 10.000 Euro dazu. SAP übernehme zudem die Kosten für die Anschaffung einer Wallbox, um das Laden des E-Autos in Privathaushalten zu erleichtern. „Geofencing“ lehne SAP aus datenschutzrechtlichen Gründen ab.

Zulassungszahlen elektrisch angetriebener Dienstwagen wird weiter zunehmen

Die Methode sorgt dafür, dass in bestimmten Zonen wie Stadtzentren nur der Elektromotor zum Einsatz kommt. Weil damit aber zugleich auch der Standort des Dienstwagens ermittelt werden kann, wird damit aus SAP-Sicht ein Instrument zur dauerhaften Überwachung der eigenen Mitarbeiter geschaffen.

Unternehmen wie SAP sind zuversichtlich, dass sich der Streit um das Laden von Plug-in-Hybriden auf absehbare Zeit von allein löst. „Wir sehen Plug-in-Hybride als Brückentechnologie – auch weil die Reichweiten reiner E-Autos immer höher werden“, glaubt Fuhrpark-Manager Krautwasser.

2021 werden die Zulassungszahlen elektrisch angetriebener Dienstwagen jedenfalls weiter zunehmen, davon sind Experten wie Krautwasser und Dataforce-Manager Kibies überzeugt. Einzig die Corona-Pandemie sorgt noch für eine gewisse Unsicherheit.

Etliche Unternehmen profitierten im Moment noch von staatlichen Überbrückungshilfen. Doch im nächsten Jahr, wenn die Hilfen ausgelaufen sind, drohe die „Stunde der Wahrheit“ – auch bei Dienstwagen. „Die echten wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie werden erst 2021 sichtbar“, erklärt Benjamin Kibies.

Eines scheint sicher: Wenn im nächsten Jahr in den Unternehmen doch noch gespart werden muss, dann am ehesten bei den konventionellen Modellen mit Benzin- und Dieselmotor. Der Staat hat seine Prämienleistungen für E-Autos gerade erst bis 2025 verlängert. Das wird sich auch in den Dienstwagenflotten vieler Unternehmen widerspiegeln.

Mehr: Laden der Firmenflotte: „Es ist schon mal eine Rechnung über 1000 Euro eingegangen – für eine Stunde Laden"

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