Umfrage: Fondsmanager sind so optimistisch wie lange nicht
Der Bulle ist an der Börse ein Symbol für steigende Aktienkurse.
Foto: HandelsblattFrankfurt. Wenig Bargeld, mehr Anlagen in Aktien: Das ist das Ergebnis der wichtigsten monatlichen Umfrage der Bank of America (BofA) unter internationalen Fondsmanagern. Die Bargeldquote in den Portfolios der rund 190 Investoren, die diesmal bei der Umfrage mitmachten, ist auf vier Prozent gesunken. So niedrig war sie zuletzt vor siebeneinhalb Jahren.
Das ist nicht ungefährlich. Eine Bargeldquote von vier Prozent oder weniger sendet laut BofA ein Verkaufssignal an die Aktienmärkte. Der Grund: Wenn die Investoren schon so stark investiert sind, haben sie wenig Geld übrig, um nachzukaufen. Im Umkehrschluss müssen sie sich von Beständen in ihren Portfolios trennen, sobald Anleger Geld aus ihren Fonds abziehen.
Dramatisch ist das Verkaufssignal indes nicht: In der Vergangenheit verlor der US-Leitindex S&P 500 binnen eines Monats gut drei Prozent, wenn die Cash-Quoten bei maximal vier Prozent lagen.
Der Optimismus der Investoren zeigt sich auch in der Antwort auf die Frage, ob sie weiter „Risk on“ sind. „Risk on“ bedeutet, dass Investoren risikoreicheren Anlagen wie Aktien oder auch Industrierohstoffen den Vorzug geben. Netto gaben 69 Prozent der Befragten an, dass sie risikobehaftete Anlagen favorisieren.
Netto heißt in der Terminologie der Umfrage, dass es 69 Prozent mehr risikofreudige Investoren gibt als Investoren, die Risiken in ihren Portfolios neutral oder untergewichten. Bei netto 69 Prozent lag der „Risk on“-Wert zuletzt im Februar 2011.
Impfstoff-Hoffnung macht risikofreudig
Grund für die Zuversicht ist vor allem die Hoffnung auf die Impfungen gegen das Coronavirus. 42 Prozent der Befragten erwarten, dass die Impfungen ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres ihre positive Wirkung auf die Wirtschaft entfalten werden, 28 Prozent rechnen damit schon im ersten Quartal und 19 Prozent erst im dritten Quartal des kommenden Jahres.
Da die Börsen positive Entwicklungen vorwegnehmen, investieren die Portfoliomanager schon jetzt stärker in Aktien – obwohl sich diese seit dem vergangenen März schon wieder sehr deutlich erholt haben. Die US-Börsen markieren längst schon wieder neue Allzeithochs, der Dax nähert sich seinem Rekordstand vom Februar dieses Jahres immerhin wieder an.
Die größten Chancen sehen die Investoren in den Schwellenländern, die – bis auf Ausnahmen wie China – noch deutlich unter ihren Hochs liegen. 55 Prozent der Befragten, und damit so viele wie seit gut zehn Jahren nicht, gaben an, die Emerging Markets in ihren Portfolios überzugewichten.
Übergewichten bedeutet, dass die Portfoliomanager mehr Aktien der Schwellenländer halten, als es die Vergleichsindizes für ihre jeweiligen Häuser insgesamt vorgeben. Binnen eines Monats ist die Übergewichtung von Schwellenländern um 19 Prozentpunkte und damit sehr deutlich gestiegen.
Europäische Aktien gefragter als amerikanische
US-Aktien verlieren dagegen etwas in der Gunst der Investoren. Hier sind nur noch 15 Prozent übergewichtet, im November waren es noch 23 Prozent. Aktien der Euro-Zone sind dagegen noch beliebter geworden. Ein Viertel der Investoren hält jetzt mehr Aktien des gemeinsamen Währungsraums als üblich, vor einem Monat waren es 18 Prozent.
Dass Fondsmanager aktuell Aktien aus den Schwellenländern und der Euro-Zone bevorzugen, ist ebenfalls ein Zeichen für ihre Zuversicht. In beiden Regionen gibt es mehr zyklische, also konjunkturabhängige Aktien als in den USA. Und bei einer sich verbessernden Wirtschaft legen diese Aktien in der Regel überdurchschnittlich zu.
Allerdings sollten Anleger nicht zu optimistisch sein. Die Wirtschaft wird sich auch laut Ökonomen zwar im nächsten Jahr vom Coronaschock erholen, aber das Vorkrisenniveau wohl noch nicht erreichen. Das bedeutet, dass die Wirtschaft letztlich nur relativ schwach wächst, wie es auch schon vor der Krise der Fall war. In diesem Umfeld empfehlen sich laut Strategen auch weiterhin die Aktien von Unternehmen zum Beispiel aus der Technologiebranche, die unabhängiger von der Konjunkturentwicklung Gewinne erzielen.