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  4. Corona-Impfstoff: Bayer und Curevac verbünden sich bei Impfstoff-Entwicklung

Kampf gegen CoronaBayer soll Curevac bei der Impfstoff-Aufholjagd helfen

Curevac aus Tübingen hat Rückstand auf die Konkurrenten. Nun soll die Allianz mit Bayer die Entwicklung und den Vertrieb des Wirkstoffs beschleunigen.Bert Fröndhoff und Siegfried Hofmann 07.01.2021 - 15:06 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Bayer soll dem Tübinger Unternehmen dabei helfen, für den Curevac-Impfstoff schnellstmöglich internationale Zulassungen beantragen zu können.

Foto: dpa

Düsseldorf, Frankfurt. Das deutsche Biotechunternehmen Curevac gründet eine Impfstoff-Allianz mit dem Pharmakonzern Bayer. Die Leverkusener werden die Tübinger Firma bei der weiteren Entwicklung ihres Mittels zum Schutz vor der Atemwegserkrankung Covid-19 unterstützen, teilten beide Unternehmen am Donnerstagmorgen mit.

Bayer soll seine Expertise bei Studien und Zulassungsfragen einbringen. Möglicherweise wird der Konzern auch die Produktion des Curevac-Mittels ergänzen.

Curevac befindet sich derzeit in der entscheidenden Phase in der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Die Firma arbeitet an einem Mittel, das ebenso wie das von Biontech und Moderna auf Basis des Botenstoffs mRNA funktioniert. Diese beiden Impfstoffe sind bereits zugelassen. Nun will Curevac den Rückstand auf die Konkurrenz schnell aufholen.

„Der Bedarf an Impfstoffen gegen Covid-19 ist enorm“, sagte Bayer-Vorstandsmitglied Stefan Oelrich am Donnerstag. Curevac-Chef Franz-Werner Haas ergänzte: „Mit seiner Expertise und Infrastruktur kann uns Bayer helfen, unseren Impfstoffkandidaten CVnCoV noch schneller für möglichst viele Menschen verfügbar zu machen.“

Die Anleger griffen nach der Nachricht zu: Die Bayer-Papiere verteuerten sich am Donnerstag um 2,5 Prozent, die Titel von Curevac stiegen um bis zu 15 Prozent.

Konkurrenz liegt bisher vorn

Am grundsätzlichen Zeitplan für den Curevac-Impfstoff hat sich durch die Bayer-Allianz indes nichts geändert. Das Unternehmen hat die Phase-3-Studie mit seinem Impfstoff-Kandidaten kurz vor Weihnachten gestartet, und damit etwa viereinhalb Monate später als die Konkurrenten Biontech und Moderna.

Man gehe davon aus, dass Ende des ersten Quartals die nötigen Daten für einen Antrag auf eine bedingte Zulassung in der EU vorliegen werden, heißt es vonseiten des Unternehmens. Somit könnte eine bedingte Zulassung in der EU theoretisch gegen Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals erfolgen.

Zu diesem Zeitpunkt könnten in der EU unter Umständen bereits vier bis fünf andere Impfstoffe zugelassen sein. Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten für ihren Impfstoff bereits Anfang Dezember eine erste Zulassung in Großbritannien erhalten. Am 11. Dezember folgte die US-Arzneimittelbehörde FDA mit einer Notfallzulassung für das Vakzin in den USA, am 21. Dezember erteilte die EU eine bedingte Zulassung.

Der Impfstoff von Moderna wurde am 18. Dezember in den USA und am 6. Januar in der EU freigegeben. Zu den Kandidaten für eine Zulassung in Europa zählt ferner das Mittel der britischen Astra-Zeneca, das in Großbritannien ebenfalls bereits eingesetzt wird, sowie ein Impfstoff-Kandidat des Konzerns Johnson & Johnson, für den Anfang Februar Daten aus einer großen Phase-3-Studie erwartet werden.

Ebenfalls im Rennen ist die amerikanische Biotechfirma Novavax, die einen proteinbasierten Impfstoff in einer großen Studie in Großbritannien testet und möglicherweise ebenfalls im Februar Daten vorlegen wird.

Nach bisherigen Plänen will Curevac in diesem Jahr 300 Millionen Einheiten herstellen. Die EU hat davon 225 Millionen Dosen bei dem Unternehmen fest bestellt. Den Erfolg soll nun die Kooperation mit Bayer garantieren.

Die Leverkusener werden zunächst die weiteren klinischen Studien sowie deren Auswertung und die Sicherheitsprüfungen begleiten. Die Pharmaexperten des Konzerns sollen Curevac zugleich in regulatorischen Fragen beraten, also in der Zusammenarbeit mit den Zulassungsbehörden und bei der Einreichung des Zulassungsantrags.

Deutschland will Impfstoffproduktion ausweiten

Später soll das Liefernetzwerk von Bayer für eine reibungslose Auslieferung des Wirkstoffs in ausgewählten Ländern, vor allem in Europa, sorgen. Da die Partnerschaft global angelegt ist, dürfte Curevac möglicherweise auch an Bayers Kapazitäten in den USA interessiert sein.

Den dortigen Markt hat Curevac bisher noch nicht im Visier, da die US-Regierung große Mengen bei anderen Herstellern geordert hat. Bayer erhält die Option, außerhalb von Europa das Curevac-Mittel unter eigenem Namen zu vertreiben.

Die Partnerschaft hat damit einen ähnlichen Charakter wie die von Biontech und dem US-Pharmakonzern Pfizer. Sie soll sicherstellen, dass das Curevac-Mittel nach einer Zulassung möglichst schnell ausgeliefert werden kann. Daran dürfte auch die Bundesregierung interessiert sein, die an Curevac beteiligt ist. Sie steht in der Kritik, nicht ausreichend Impfstoffe gegen Covid-19 beschafft zu haben.

Die Impfstoffversorgung war am Mittwoch Thema einer Sondersitzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit mehreren Ministern. Dabei ging es um Möglichkeiten, die Impfstoffproduktion kurzfristig auszuweiten. Nun sollen Gespräche mit Pharmafirmen in Deutschland geführt werden, wie die Herstellung und Logistik hochskaliert werden können.

Der Bund war im Juni 2020 über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit 23 Prozent der Anteile bei Curevac eingestiegen. Hintergrund waren damals Avancen der US-Regierung gegenüber dem Tübinger Unternehmen, das zu 50 Prozent dem SAP-Gründer Dietmar Hopp und seiner Familie gehört.

Die Bundesregierung wollte einen Einfluss der Amerikaner auf Curevac verhindern und eine eigenständige Impfstoffentwicklung in Europa sichern. Die Beteiligung der KfW hatte ein Volumen von 300 Millionen Euro. Im Sommer 2020 startete Curevac den Börsengang an der Wall Street mit der Ausgabe neuer Aktien. Seitdem hält der Bund noch 17 Prozent an der Firma.

Kurz zuvor hatte das Tübinger Unternehmen zudem eine Partnerschaft mit dem britischen Pharmariesen Glaxo-Smithkline (GSK) für die Entwicklung neuartiger mRNA-basierter Impfstoffe und Medikamente vereinbart. GSK ist der weltweit größte Impfstoffhersteller und verfügt auch über umfangreiche Produktionskapazitäten in Deutschland.

Der britische Konzern wäre insofern auch ein naheliegender Partner für das Covid-Projekt gewesen, doch hatte sich GSK damals für die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs mit der französischen Sanofi verbündet. Der Covid-Impfstoff von Curevac wurde daher bei der Allianz mit GSK eigens ausgeklammert.

Curevac erweitert Produktionsnetzwerk

Ob stattdessen Bayer im Rahmen der Kooperation nun auch als Produzent für den Covid-Impfstoff tätig wird, ist noch nicht entschieden. Dies sei eine Option für die weitere Zusammenarbeit, heißt es in Kreisen von Bayer. Allerdings ist der Konzern bisher kein Impfstoffproduzent, somit sind seine Produktionsstätten nicht in kurzer Zeit für eine solche Fertigung umrüstbar. Diese Möglichkeiten werden nun evaluiert.

Am Standort Wuppertal verfügte Bayer bis voriges Jahr über eine Biopharma-Produktionsanlage, die im Dezember 2020 an die chinesische Wuxi Biologics verkauft wurde. Wuxi hat bereits erklärt, in Wuppertal künftig unter anderem Wirkstoffe für Covid-19-Impfstoffe herstellen zu wollen.

Offen ist, um welche Art von Mitteln es sich handelt. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Anlage für das Herstellen von mRNA-Impfstoffen genutzt werden kann – zumindest müsste sie für diese Fertigung tiefgreifend umgebaut werden.

Kurzfristig hat die Allianz daher keinen Einfluss auf die Produktionskapazitäten von Curevac. Es bleibt daher auch bei den bisherigen Plänen, im laufenden Jahr 300 Millionen Einheiten zu produzieren und die Kapazität im nächsten Jahr auf 600 Millionen Dosen auszubauen.

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Curevac erweitert derzeit sein Partnernetzwerk für die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb seines Impfstoffkandidaten. Im November 2020 gab das Unternehmen bekannt, dass es dabei unter anderem mit Wacker Chemie und Fareva zusammenarbeitet.

Die Münchener Wacker Chemie wird die Produktion in einem dafür umgerüsteten größeren Werk in Amsterdam übernehmen. Der Pharma- und Kosmetikzulieferer Fareva mit Sitz in Luxemburg besitzt mehrere Produktionsstätten in Deutschland und in der Schweiz.

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