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InvestmentbankingDie Deutsche Bank dürfte wieder mehr Boni zahlen

Der Bonuspool des Instituts könnte auf rund 1,8 Milliarden Euro steigen. Die Höhe der variablen Vergütung war auch ein Thema für die Europäische Zentralbank.Yasmin Osman 19.01.2021 - 16:18 Uhr Artikel anhören

Das Geldhaus dürfte vor allem seinen Wertpapierhändlern für das vergangene Jahr höhere Boni zahlen.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Investmentbanker der Deutschen Bank dürfen sich freuen. Da die Geschäfte im Corona-Sonderjahr gut liefen, dürfte der Bonuspool des Geldhauses vor allem in dieser Sparte deutlich größer als im Vorjahr ausfallen. Auch insgesamt wird die Bank für das Jahr 2020 mehr Geld für die variable Vergütung ihrer Mitarbeiter zurücklegen als noch im Vorjahr. Die Bank peilt einen Bonustopf im Umfang von 1,8 Milliarden Euro an, wie das Handelsblatt von zwei mit dem Sachverhalt vertrauten Personen erfahren hat.

Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine deutliche Steigerung, denn für 2019 hatte Deutschlands größtes Geldhaus den Bonuspool mit 1,5 Milliarden Euro befüllt. Hinzu kamen damals allerdings noch Halte- und Neueinstellungsprämien in Höhe von 242 Millionen Euro, die knapp zur Hälfte den Investmentbankern zugutekamen, heißt es im Geschäftsbericht.

Wie deutlich sich das Bonusvolumen insgesamt verändert hat, hängt also auch davon ab, ob und wie hoch die Bank den Posten „andere variable Vergütungen“ für das Jahr 2020 dotiert, in den die Halte- und Neueinstellungsprämien fallen. Diese Halte- und Neueinstellungsprämien sind ein Extra-Bonus-Posten, der erstmals im Geschäftsbericht 2017 des Instituts auftaucht – damals noch mit 113 Millionen Euro dotiert – und seither Jahr für Jahr gestiegen ist. Die Deutsche Bank wollte sich zum Umfang ihres Bonustopfs für 2020 auf Anfrage nicht äußern.

Das Frankfurter Geldhaus hatte bereits bei Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal durchblicken lassen, dass es die variable Vergütung – zumindest für Mitarbeiter mit sehr guter Leistung – erhöhen will. „Ein Unternehmen wie unseres muss in der Lage sein, konkurrenzfähige Performance zu honorieren“, sagte Finanzvorstand James von Moltke damals in einem Interview mit Bloomberg Television. „Zum Schutz des Geschäfts ist es sinnvoll, in der Lage zu sein, unsere Mitarbeiter entsprechend unserer Performance zu bezahlen.“ 

Die Bonuszahlungen der Deutschen Bank sind ein Politikum, da die Europäische Zentralbank (EZB) die von ihr kontrollierten Institute eigentlich zu maximaler Zurückhaltung bei Dividenden und bei Boni aufgefordert hatte. Die Höhe der variablen Vergütung sei ein Diskussionsthema zwischen den Bankenaufsehern und dem Institut gewesen, bestätigten mehrere Insider dem Handelsblatt. Zumindest die ersten Vorschläge des Instituts soll die Notenbank kritisiert haben. Weder die EZB noch die Bank wollten sich dazu äußern.

EZB warnt vor zu hohen variablen Gehältern

Die Bankenaufseher der EZB hatten allerdings schon Mitte Dezember angekündigt, die Gehaltspraxis der Institute in den regulären Aufsichtsgesprächen genau unter die Lupe zu nehmen. Chefaufseher Andrea Enria hatte damals in einem Brief an die größten europäischen Geldhäuser geschrieben: „Wir erwarten von Ihrem Institut, dass Sie prüfen, in welchem Ausmaß Sie die variable Vergütung begrenzen können.“ Falls eine Begrenzung der Bonuszahlungen nicht umsetzbar sei, sollten Banken in Betracht ziehen, einen größeren Teil der Vergütung für eine längere Zeit aufzuschieben. 

Ob die Deutsche Bank diesen Vorstellungen gefolgt ist, dürfte erst der Geschäftsbericht zeigen, der die Gehaltsbestandteile der Mitarbeiter im Vergütungskapitel aufschlüsselt. In den vergangenen Jahren hatte die Bank den Anteil der aufgeschobenen Boni merklich gesenkt. Bis 2015 erhielten Mitarbeiter meist etwa die Hälfte ihrer variablen Vergütung sofort und den Rest später. Doch in den Jahren 2018 und 2019 hielt das Institut nur noch knapp 40 Prozent der Gehalt-Extras zurück.

Der EZB geht es nicht allein darum zu verhindern, dass Boni die Kreditinstitute in Krisenzeiten schwächen. Die Institute sollten nicht unterschätzen, wie sehr eine überzogene Vergütungspraxis in Krisenzeiten ihren Ruf beschädigen könnte, warnte die Notenbank in ihrem Schreiben.

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Bankintern dürfte vor allem die Bonusaufteilung für große Aufmerksamkeit sorgen. Klar scheint zu sein, dass vor allem die Anleihehändler des Instituts profitieren werden. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte im Dezember unter Berufung auf Insider berichtet, dass diese Gruppe sich auf eine Anhebung der Boni um etwa zehn Prozent freuen darf. 

Nicht jedem Mitarbeiter dürfte das gefallen. Kritische Geister in dem Institut argumentieren, dass die Investmentbanking-Sparte auch deshalb so gut dastehe, weil die Bank viele Altlasten der Investmentbanker im Sommer 2019 in ihre interne Bad Bank geschoben habe. Dazu zählen auch erhebliche Anteile der jährlich fälligen Bankenabgabe, wie am Dienstag der Blog „Finanz-Szene“ und die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hatten.

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