Vodafone-Tochter: Funkmasten-Anbieter Vantage Towers hat große Pläne und will bis Ende März an die Börse
Die Deutsche Telekom und andere Netzbetreiber spalten ihr Geschäft mit Funktürmen ab und hoffen auf höhere Renditen.
Foto: dpaFrankfurt. Die britische Vodafone Group plc bringt ihre Funkturmtochter Vantage Towers AG an die Frankfurter Börse. Die Aufnahme der Notierung soll Ende März erfolgen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Geplant sei, einen beachtlichen Minderheitsanteil in Streubesitz an die Börse zu bringen, sagte Vorstandschef Vivek Badrinath in einer Telefonkonferenz.
Vor dem jetzt angekündigten Börsengang hatte die Funkturmsparte von Vodafone ihr Portfolio ausgebaut. Es seien 1400 neue Mietverträge geschlossen worden, hatte Vantage Towers Mitte Februar mitgeteilt. Badrinath verwies in einer Präsentation auf die erwarteten Wachstumsraten im europäischen Daten- und Mobilfunkgeschäft.
So soll der Anteil der 5G-Netzverbindungen bis zum Jahr 2024 auf 42 Prozent steigen, gegenüber zwei Prozent im vergangenen Jahr. Das Datenvolumen wird sich in dieser Prognose mehr als verdoppeln. Neben dem organischen Wachstum könne sich Vantage Towers auch Zukäufe vorstellen.
Die Zahl der von Vantage betriebenen Standorte liegt dem Unternehmen zufolge inzwischen bei 82.000 in zehn europäischen Märkten. Erst im Januar kam das gemeinsam mit Telefónica betriebene britische Funkmastengeschäft Cornerstone dazu.
„Wir rechnen mit großem Wachstum“, gab sich Firmenchef Badrinath zuletzt zuversichtlich. Das Initial Public Offering (IPO) sei ein wichtiger Meilenstein für die nächste Expansionsphase, sagte er am Mittwoch. Für Juli kündigte er eine Dividendensumme von 280 Millionen Euro an, die zukünftigen Ausschüttungen sollen rund 60 Prozent des freien Cash-flows entsprechen, inklusive der Dividenden aus Joint Ventures.
Hohe Nachfrage, geringe Wartungskosten
Wegen der beschleunigten Digitalisierung sowie des teuren 5G-Netzaufbaus haben Funkmasten Konjunktur. Wenn sie unabhängig von den Mobilfunkanbietern betrieben werden, können die Masten am Boden und auf Dächern an mehrere Telekomkonzerne gleichzeitig vermietet werden, was über Jahre hinweg höhere und regelmäßige Einnahmen verspricht.
Zudem gelten die Wartungskosten als relativ niedrig. Deswegen will Vantage Towers nun auch bis zu einer Milliarde Euro in die Hand nehmen, um das Geschäft mittels Investitionen auszubauen. Vantage Towers sei dabei, bis Ende März 2021 circa 550 Standorte zu errichten, in fünf Jahren sollen es 7100 weitere werden.
Das bereinigte Pro-forma-Betriebsergebnis (Ebitda) der Gruppe für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres, das am 31. März 2021 endet, belief sich auf 394 Millionen Euro. Die Marge betrug 54 Prozent. Vantage Towers könnte mit mindestens 15 bis 18 Milliarden Euro bewertet werden, sagten Beobachter im Vorfeld des Börsengangs.
Bei einem IPO-Volumen von geschätzten gut vier Milliarden Euro wäre die größte Transaktion seit dem Börsengang der Siemens-Medizintechniktochter Siemens Healthineers im März 2018. Vodafone wählte Frankfurt für die Notierung aus, da hier die meisten Funktürme stehen. Zuletzt hatte Auto1 in diesem Jahr sein milliardenschweres Börsendebüt gefeiert.
Vodafone will die Einnahmen aus dem Börsengang für den Abbau von Verbindlichkeiten nutzen. Organisiert wird der Börsengang von Bank of America, Morgan Stanley und UBS als gemeinsamen globalen Koordinatoren. Auch Barclays, Berenberg, BNP Paribas, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Jefferies sind im erweiterten Konsortium.
Vegan-Hersteller Oatly hegt ebenfalls Börsenpläne
Aktuell läuft weltweit eine regelrechte Welle an Neuemissionen. So will auch Oatly AB, der schwedische Hersteller von veganen Getränken und Nahrungsmitteln, in den USA an die Börse gehen. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte die Bewertung zehn Milliarden Dollar erreichen.
Oatly wurde 1990 von der Brüdern Richard und Bjorn Oste gegründet. Im vergangenen Jahr lief eine Finanzierungsrunde über 200 Millionen Dollar, an der auch Blackstone beteiligt war. Bekannte Persönlichkeiten wie Oprah Winfrey und Jay-Z unterstützen Oatly.
Unternehmen, die Produkte auf pflanzlicher Basis herstellen, sind bei Investoren gefragt. Die Aktie von Beyond Meat beispielsweise konnte seit dem Börsengang im Mai 2019 deutlich zulegen. In Deutschland rechnen Experten in diesem Jahr mit mindestens zehn nennenswerten IPOs.
Auch Joby Aviation, ein amerikanisches Flugtaxi-Startup, geht an die Börse. Das Unternehmen schließt sich mit einem sogenannten Spac zusammen, einer börsennotierten Mantelgesellschaft. Käufer ist Reinvent Technology Partners (RTP), eine Gesellschaft des Linkedin-Mitgründers Reid Hoffman. Durch die Transaktion wird Joby Aviation nun mit stolzen 6,6 Milliarden US-Dollar bewertet.