Fondsbank: Gewinn der Dekabank bricht ein – Flugzeugfinanzierung belastet
Vorstandschef Georg Stocker äußerte sich verhalten zu einem Zusammenschluss mit der Helaba. „Wir schauen jetzt, dass wir unser Institut in diesen Zeiten gut weiterentwickeln. Die anderen Fragen werden dann zu gegebener Zeit vom Eigentümer beantwortet werden.“
Foto: imago stock&peopleFrankfurt. Die Dekabank hat trotz eines boomenden Fondsabsatzes im Coronajahr 2020 einen Gewinneinbruch erlitten. Das wirtschaftliche Ergebnis sank um mehr als ein Drittel auf 269 Millionen Euro, wie das Wertpapierhaus der Sparkassen am Dienstag mitteilte.
Verantwortlich für den Gewinnrückgang war die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite, die von elf auf 178 Millionen Euro nach oben schnellte. Besonders viel Geld legte das Institut dabei für drohende Belastungen bei Einzelhandelsimmobilien und Flugzeugfinanzierungen zurück.
Vorstandschef Georg Stocker deutete an, dass die Deka die Ausrichtung ihres Kreditgeschäfts nach den Erfahrungen in der Coronakrise anpassen könnte. „Wir werden die ein oder andere Asset-Klasse überprüfen.“
Die Deka vergibt keine Kredite an Unternehmen und Privatpersonen, sondern konzentriert sich auf Immobilien- und Spezialfinanzierungen. Dazu zählen unter anderem Infrastrukturprojekte und Transportmittelfinanzierung. In Flugzeuge hat die Bank dabei 2,9 Milliarden Euro investiert, in Schiffe eine Milliarde Euro.
Stocker zeigte sich angesichts des schwierigen Umfelds mit dem Ergebnis zufrieden: „Wir liegen operativ über Vorjahr, und mit der kräftigen Erhöhung der Risikovorsorge haben wir für potenzielle Ausfälle bei einer fortschreitenden Coronakrise auskömmlich vorgesorgt.“
Für das laufende Jahr erwartet der Vorstandschefs ein wirtschaftliches Ergebnis von rund 400 Millionen, was in etwa dem Durchschnittsniveau der vergangenen fünf Jahre entspricht.
Deka profitiert vom Aktien-Boom
Sehr erfreut ist Stocker darüber, dass sich die Anleger im Gegensatz zur vorangegangenen Krise in der Corona-Pandemie nicht vom Aktienmarkt verabschiedet, sondern stattdessen verstärkt investiert haben. Bei der Deka stieg der Absatz von Fonds und Zertifikaten um rund 80 Prozent auf 32 Milliarden Euro. Die Zahl der Wertpapiersparpläne hat sich in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt.
„Angesichts der auf viele Jahre hinaus einbetonierten Niedrigzinsen sind diese Zahlen eine gute Nachricht für die Wertpapierkultur in Deutschland“, sagte Stocker. Die Entwicklung dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass weite Teile der Bevölkerung nach wie vor nicht an den Kapitalmärkten investiert seien und somit nicht vom Aufschwung an den Börsen profitierten.
Stocker mauert bei Fragen zur Helaba-Fusion
Verhalten äußerte sich der Chef der Deka, die den deutschen Sparkassen gehört, zu einer möglichen Fusion mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Wir schauen jetzt, dass wir unser Institut in diesen Zeiten gut weiterentwickeln“, sagte Stocker. „Die anderen Fragen werden dann zu gegebener Zeit vom Eigentümer beantwortet werden.“
Fusionsgespräche zwischen Deka und Helaba waren im vergangenen Frühjahr wegen der Coronakrise auf Eis gelegt worden. Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis hat eine Wiederaufnahme in Aussicht gestellt, wenn die Risiken aus der Corona-Pandemie abschätzbar sind.
Stocker verwies auf die Aussagen von Schleweis. Die Frage, ob die Deka-Spitze nach wie vor für einen Zusammenschluss mit der Helaba sei, beantwortet er auch auf mehrmalige Nachfrage nicht. „Wir können jetzt fünfmal noch um den Baum laufen, Sie werden keine anderen Aussagen von mir heute hören“, sagte Stocker.
Schleweis sieht einen Zusammenschluss von Helaba und Deka als Ausgangspunkt für weitere Zusammenschlüsse. Perspektivisch sollen sich nach seinen Vorstellungen an einem Zentralinstitut der Sparkassen auch die NordLB aus Hannover, die BayernLB aus München, die LBBW aus Stuttgart und der Immobilienfinanzierer Berlin Hyp beteiligen.
Innerhalb der Sparkassen-Gruppe gab es gegen diese Pläne allerdings schon vor dem Ausbruch der Coronakrise an vielen Ecken Widerstand. Kompliziert sind Zusammenschlüsse im öffentlich-rechtlichen Sektor unter anderem deshalb, weil mehrere Bundesländer unterschiedlich stark an einzelnen Landesbanken beteiligt sind.