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DevisenRand, Krone und kanadischer Dollar profitieren von Rohstoffrally – zumindest kurzfristig

Die Währungen von Kanada, Norwegen und Südafrika haben zunächst weiteres Potenzial. Längerfristig könnte sich das ändern. Das liegt an der Klimapolitik.Jan Mallien 14.06.2021 - 13:42 Uhr Artikel anhören

Die norwegische Krone profitiert entscheidend von der Erholung der Brent-Preise.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Rohstoffpreise kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Ob Metalle wie Eisenerz und Kupfer oder der Ölpreis, sie alle haben kräftig zugelegt. Davon profitieren die Währungen wichtiger Rohstoffländer wie Norwegen, Kanada oder Südafrika.

So hat die norwegische Krone seit Jahresbeginn drei Prozent zum Dollar zugelegt, der südafrikanische Rand sogar 6,5 Prozent. Devisenexperten schätzen die Aussichten kurzfristig weiter optimistisch ein. Mittel- und langfristig aber zeichnen sich durch die globale Klimapolitik drastische Veränderungen im Rohstoffkonsum ab. Diese dürften sich auch auf dem Devisenmarkt niederschlagen.

„Durch die verstärkte Klimapolitik weltweit wird es strukturelle Veränderungen an den Märkten geben“, erwartet Elliot Hentov, Leiter der Politikforschung des Vermögensverwalters State Street. Er rechnet damit, dass die Folgen wahrscheinlich schon in etwa fünf Jahren stärker spürbar sein werden.

Kurzfristig macht sich das noch nicht bemerkbar, betont der Devisenexperte der US-Großbank Citi, Ebrahim Rahbari, in einer Analyse: „Wir bevorzugen Währungen von Rohstoffexporteuren, deren Notenbanken eine straffere Geldpolitik verfolgen und weniger anfällig für Schwankungen in China sind.“

Als Paradebeispiel nennt Rahbari die norwegische Krone. Sie gehörte 2020 zu den größten Verlierern unter den G10-Währungen, die weltweit am meisten gehandelt werden. Dieser Trend hat sich nun umgekehrt.

Krone profitiert zusätzlich von der Geldpolitik

Die Krone profitiert entscheidend davon, dass sich der Preis für die Ölsorte Brent von seinem Tiefpunkt im vergangenen Jahr von unter 20 Dollar mittlerweile deutlich erholt hat und bei über 70 Dollar liegt. Wie wichtig das für Norwegen ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Im Jahr 2019 entfiel fast die Hälfte der Exporte des Landes auf Öl und Gas.

Ökonomen erwarten, dass die norwegische Wirtschaft in diesem Jahr um etwas über drei Prozent wächst. Auffällig ist, dass die Notenbank dort als eine der ersten weltweit Zinserhöhungen noch in diesem Jahr signalisiert hat. Auf ihrer Sitzung im Mai stellte sie dies für die zweite Jahreshälfte 2021 in Aussicht. Für internationale Anleger wird es dadurch relativ gesehen attraktiver, in Zinspapiere dort zu investieren – was die Währung tendenziell stützt.

Noch stärker zugelegt als die norwegische Krone hat seit Jahresbeginn der kanadische Dollar. Er stieg gegenüber dem Dollar um fünf Prozent.

Auch dort spielt der hohe Ölpreis eine wichtige Rolle, gepaart mit einer Notenbank, die ebenfalls zu den Vorreitern bei der Straffung der Geldpolitik zählt. Laut Prognosen der Commerzbank soll die kanadische Wirtschaft in diesem Jahr um 6,5 Prozent wachsen. Bereits im April hatte die Notenbank dort entschieden, ihre wöchentlichen Anleihekäufe zu reduzieren. Eine Zinserhöhung hält sie aber frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2022 für möglich.

Haushaltslage als Risikofaktor für den Rand

Auch der südafrikanische Rand profitiert vom Rohstoffboom. Der Devisenchef der britischen Großbank HSBC, Paul Mackel, führt die Stärke des Rands auf Terms-of-Trade-Gewinne zurück: Zu Südafrikas wichtigsten Exportgütern zählen Gold, Eisenerz, Palladium und Kohle – deren Preise haben sich im Verhältnis zu den Importen erhöht. Zudem profitierte die Währung laut Mackel von einer stärkeren globalen Risikobereitschaft und einer umsichtigen Geldpolitik.

Die Inflation ist zuletzt im April auf über vier Prozent gestiegen. Die Leitzinsen sind aber im weltweiten Vergleich mit 3,5 Prozent recht hoch. Zudem hat auch die südafrikanische Notenbank für dieses Jahr zwei kleinere Zinserhöhungen angedeutet. Einen wichtigen Risikofaktor sieht Mackel in der Haushaltslage des Landes, die schon vor der Pandemie angespannt war.

Norwegische Krone, kanadischer Dollar und südafrikanischer Rand sind die deutlichsten Gewinner unter den Rohstoffwährungen in diesem Jahr. Andere Devisen großer Rohstoff-Exporteure wie der russische Rubel und der brasilianische Real legten seit Jahresbeginn ebenfalls leicht gegenüber dem Dollar zu. Dort überlagerten aber andere Faktoren die Effekte steigender Rohstoffpreise.

Brasilien litt zum Beispiel unter dem schlechten Management der Corona-Pandemie, in Russland waren es geopolitische Faktoren wie die zunehmenden Konflikte mit den USA und der EU. Der australische Dollar hatte bereits Ende vergangenen Jahres deutlich gegenüber dem US-Dollar zugelegt und entwickelte sich seit Jahresbeginn weitgehend konstant.

Experte erwartet geringere Volatilität am Devisenmarkt

Die Rohstoffpreise sind also ein wichtiger Faktor für den Devisenmarkt. In den kommenden Jahren zeichnen sich durch die globale Klimapolitik aber erhebliche Verschiebungen im Rohstoffkonsum ab. Diese dürften sich auch auf das Auf und Ab der Wechselkurse niederschlagen.

Viele Industriestaaten setzen stärker auf erneuerbare Energien. Die Nachfrage nach klimaschädlichen fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas wird daher möglicherweise sinken. Andererseits erfordern Windparks und E-Autos mehr Rohstoffe als Anlagen zur Gasförderung oder Verbrennungsmotoren. Ein wichtiger Rohstoff für Batterien von E-Autos ist zum Beispiel Lithium.

Hentov von State Street geht davon aus, dass vor allem der erste Effekt deutliche Folgen haben wird. „Die Bedeutung von Öl und Gas für die internationalen Kapitalströme und den Devisenmarkt wird abnehmen, zunächst langsam und dann schneller“, erwartet er. „Die meisten Länder werden ihren Energiebedarf künftig selbst decken. Dadurch sollte die Volatilität am Devisenmarkt zurückgehen.“

Veränderungen durch verstärkte Klimapolitik

In Ländern wie Norwegen, Kanada oder noch extremer Saudi-Arabien, wo Öl und Gas die Hauptexportgüter sind, wirken sich Schwankungen des Ölpreises momentan sehr deutlich auf die Kapitalströme des Landes und den Kurs der Währung aus. Steigt der Ölpreis, erzielen diese Länder höhere Überschüsse im Handel von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. Umgekehrt schwinden die Überschüsse, wenn der Preis fällt.

Eine geringere Ölnachfrage bedeutet aber nicht zwingend, dass auch der Ölpreis fallen muss. Die Lücke lässt sich auch durch ein geringeres Angebot auffangen. „Ähnlich wie bei der Kohle kann der Preis durchaus stabil bleiben, aber die Neuinvestitionen in die Ölförderung dürften zurückgehen“, sagt Hentov.

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Ob nun der Preis sinkt oder die Förderländer weniger Öl verkaufen, in beiden Fällen würde die Bedeutung des Öls für die internationalen Kapitalströme abnehmen. Zudem legen viele Förderländer wie zum Beispiel Saudi-Arabien ihre Überschüsse aus dem Ölexport in Dollar an, was die US-Währung derzeit stützt. „Wenn ihre Überschüsse sinken, würde das tendenziell den Dollar schwächen“, sagt Hentov.

Das Beispiel zeigt: Die Klimapolitik hat das Potenzial, den Devisenmarkt zu verändern. Derzeit sind Rohstoffwährungen insgesamt sehr gefragt. Doch manche Rohstoffe wie Öl sind langfristig mit hoher Unsicherheit behaftet.

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