Öl, Kupfer, Edelmetalle: Rasante Rohstoff-Rally schürt Erwartungen an einen „Superzyklus“
Seit Jahresbeginn hat der Ölpreis fast 25 Prozent gewonnen.
Foto: BloombergZürich, Sao Paulo, Frankfurt. Die Weltkonjunktur zieht an, und Chinas Volkswirtschaft läuft unter Volllast. Die Folge: Die Rohstoffpreise steigen auf breiter Front. Der Ölpreis hat am Montag erstmals seit Beginn der Coronakrise die Marke von 63 Dollar überschritten. Metalle wie Kupfer oder Platin markierten erst kürzlich mehrjährige Höchststände.
Selbst bei Agrarrohstoffen wie Sojabohnen zeigt der Preis seit Monaten nur nach oben. Ein schwacher Dollar, Logistik-Engpässe und die Energiewende beflügeln die Nachfrage insbesondere nach Metallen. „Alles scheint zusammenzukommen an den Rohstoffmärkten“, sagt Michael Salden, Leiter Rohstoffe bei Vontobel.
Das schlägt zunehmend auch auf die Inflationserwartungen durch. So sagt etwa DZ-Bank-Ökonom Alexander Buhrow: „Die Marktteilnehmer sollten nicht überrascht sein, wenn die monatliche Inflationsrate im Jahresverlauf 2021 temporär die Marke von zwei Prozent überschreitet.“
Auch Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, erwartet zumindest „an der einen oder anderen Stelle gewisse vorübergehende zyklische Angebotsengpässe“.
Die Wall Street ruft bereits einen neuen Rohstoff-Superzyklus aus, also eine anhaltende Hausse, wie sie zuletzt zwischen 2003 und 2011 herrschte. „Sind wir zurück im Jahr 2006?“, fragte kürzlich etwa die Investmentbank Morgan Stanley und beantwortet die Frage in einer Studie gleich selbst: Der gegenwärtige Rohstoffzyklus werde länger laufen, als es der Konsens unter den Investoren bisher erwarten lasse.