Entlassung: Bloßstellen, überfordern, versetzen: Wie Unternehmen ihre Manager absägen – und was sich dagegen tun lässt
Unternehmen trennen sich gerade verstärkt von Führungskräften – nicht immer auf die feine Art.
Foto: Matt Kenyon/Ikon Images/F1onlineDüsseldorf. Der Bereichsdirektor einer Versicherung fühlte sich vorgeführt: Während er die Erfolge seiner Abteilung im Beisein der Kollegen präsentierte, unterbrach ihn der Bereichsvorstand mit kritischen Fragen zu Details, die der Manager zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten konnte. Was der Versicherungsmanager zunächst mit „Schlechter Tag“ abtat, erwies sich als Auftakt gezielter Demontage: Als Nächstes verlor der Leiter des Rechnungswesens seinen Titel – für jeden sichtbar an der Bürotür und in der E-Mail-Signatur.
Später hagelte es sogar Abmahnungen: Er habe beispielsweise die Firmenkreditkarte privat genutzt, obwohl er nur die Karten beim Bezahlen einer Taxirechnung verwechselt und den Betrag sofort erstattet hatte. Als ihn dann noch Gerüchte über „seine Unfähigkeit“ und dass „er sei in Ungnade gefallen“ sei erreichten, erkannte der Versicherungsmanager: „Die Geschäftsführung will mich loswerden.“
Ob Daimler, Continental, RWE oder Commerzbank – deutsche Unternehmen trennen sich gerade von vielen Führungskräften. Vor allem Team-, Abteilungs- und Bereichsleiter sorgen sich um ihren Arbeitsplatz – wie eine Befragung der Personalberatung Odgers Berndtson von 1500 Führungskräften von 2020 zeigte: Bis zu einem Viertel des Führungskreises unterhalb der Chefetage bangte da schon um den Job.