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Amerikanische PräsidentenfamilieKontroversen um Hunter Biden – diesmal als Maler

Der Streit um den Handel mit Gemälden von Hunter Biden nimmt kein Ende. Der Sohn von Joe Biden ist die größte Schwachstelle des aktuellen US-Präsidenten.Barbara Kutscher 29.07.2021 - 16:07 Uhr Artikel anhören

Diese Papierarbeit von 2020 steht auf der Website seiner Galerie.

Foto: Georges Bergès Gallery New York

New York. Hunter Biden ist 51 Jahre alt. Die beruflichen Stationen des studierten Juristen als Bankier, Lobbyist, Investor oder Vorstandsmitglied beim größten ukrainischen Naturgasproduzenten Burisma blieben stets im Einflussbereich seines Vaters. Vor einigen Monaten aber outete er sich als hauptberuflicher Künstler.

Er sei schon in seiner Kindheit künstlerisch tätig gewesen, aber jetzt, nach Jahren des Alkohol- und Drogenmissbrauchs und zahlreichen Reha-Aufenthalten, sei Malen Therapie für ihn, sagte der Autodidakt im Jahr 2020 gegenüber der „New York Times“. „Malen hält mich geistig gesund. Jahrelang habe ich davor zurückgescheut, mich als Künstler zu bezeichnen. Es jetzt zu sagen fühlt sich gut an.“ 

Biden malt in seinem Studio in Malibu bei Los Angeles auf Holz oder Metall, manchmal auf Vorder- und Rückseiten. Gern verwendet er auch zellulosefreies, sehr glattes japanisches Yupo-Papier und verbläst darauf mit einem Strohhalm mehrere Schichten alkoholverdünnter Tinte. Seine Werke sind gefällige, stark farbige, oft psychedelische Abstraktionen.

Hin und wieder meint man, Blumen oder Fabeltiere ausmachen zu können. Jerry Saltz, der nie mundfaule Kunstkritiker und Pulitzer-Preisträger spricht ihnen als „generische dekorative Zombie-Abstraktionskunst“ künstlerischen Wert ab. 

Beobachter stören sich vor allem daran, dass Hunter nun mit seinen Werken auch Geld verdienen möchte. Im New Yorker Galeristen Georges Bergès (45) hat er einen Förderer gefunden. In den etwa drei Jahren ihrer Zusammenarbeit regte der ihn dazu an, auch poetische Texte in fotobasierte Mischtechniken einzuarbeiten. 

„Seine Kunst hat diese Authentizität, die ich in vielen Künstlern sehe, die ich persönlich mag, sei es Lucian Freud oder Francis Bacon. Viele Probleme, mit denen Hunter konfrontiert wird, lassen ihn wirklich großartige Kunst produzieren“, begeistert sich Bergès. Er verlangt für großformatige Papierarbeiten 75.000 Dollar; für Gemälde zahlen ihm Sammler angeblich bis zu einer halben Million Dollar. In einem Interview mit dem Magazin „WWD“ erklärte Bergès: „Ich wollte Bidens Leben in den Fokus nehmen.

Die impressionistisch anmutende Mischtechnik auf Papier (2020) sieht aus wie eine Stadt vom Meer aus gesehen.

Foto: Georges Bergès Gallery New York

Es ist eine uramerikanische Geschichte. Eine Geschichte von einer Wiederauferstehung.“ Für ihn sei nicht wichtig, was du verbrochen hast oder wie tief du gefallen bist. „Wichtiger ist: Was hast du richtig gemacht? Wie bist du wieder aufgestanden? Er lebt ein anständiges Leben und hat eine gute Familie. Seine Frau ist großartig. Und er trinkt nicht mehr.“ 

Um den Ruch von Bestechung zu vermeiden, reagierte das Weiße Haus mit angeblich strengen Sicherheitsvorkehrungen: Weder Hunter Biden noch irgendeiner Person in Regierungsverantwortung dürfe die Identität der Käufer mitgeteilt werden. Sollte jemand seine Erwerbung trotzdem publik machen, sollen Offizielle nicht mit dieser Person zusammenarbeiten.

Das aber reicht Mike Waltz, Kongressabgeordneter aus Florida, nicht. Der Republikaner hat diese Woche einen Gesetzesentwurf eingebracht, der aktuelle und zukünftige Regierungschefs dazu verpflichten würde, auch die Finanzen ihrer erwachsenen Kinder offenzulegen.

Ein Leinwandgemälde des First Son von 2020.

Foto: Georges Bergès Gallery New York

Dieses sogenannte Painter-Gesetz soll, wenn es durchkommt, die ethischen Standards im „Government Act“ von 1978 ergänzen. Aktuell sind Präsidenten und Vizepräsidenten dazu verpflichtet, die Finanzen ihrer minderjährigen, unterhaltsberechtigten Kinder offenzulegen.

Auch Georges Bergès kam über Umwege zur Kunst. Nach dem Studium der Klinischen Psychologie in Südkalifornien versuchte er sich erst einmal mit Pop-up-Ausstellungen. Vor etwa sechs Jahren eröffnete er dann seine New Yorker Galerie in Lauflage am West Broadway in SoHo.

Wo sich heute vor allem internationale Klamottenketten befinden, war in den 1970er- und 1980er-Jahren das Zentrum der Galerieszene. Ganz in der Nähe residierte die Händlerlegende Leo Castelli, als dessen geistiger Erbe Bergès sich gern sieht. „Ich wollte nicht noch eine weitere Galerie in Chelsea sein“, begründete er seine Wahl.

Mittlerweile vertritt Bergès eine bunte Schar von 20 internationalen Künstlern. Einige haben schon bessere Tage gesehen, wie der heute 93-jährige Maler Ben Birillo, den der Händler im New Yorker Umland aufspürte. Birillo hatte in den Sechzigerjahren mit Andy Warhol ausgestellt, tauchte dann aber irgendwann spurlos unter.

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In einem Werbevideo auf seiner Website rühmt sich Bergès, auch Talente in künstlerisch und ökonomisch noch unterbewerteten Regionen auszuspähen. Offen spricht er über seine ehrgeizigen internationalen Expansionspläne. Angeblich gibt es schon eine Berliner Niederlassung, eine Adresse wird jedoch nicht mitgeteilt.

Für den Herbst sind erste Ausstellungen von Bidens Werken in Los Angeles und New York geplant. Wie die Galerie in der Nachrichtensendung CBS News verbreiten ließ, können handverlesene potenzielle Käufer auf den Vernissagen damit rechnen, Präsident Bidens Sohn persönlich begrüßen zu dürfen. 

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Auch hier hält Jerry Saltz auf Twitter nicht hinterm Berg: „Nun stell dir einmal alle die ausländischen Strippenzieher, zwielichtigen Geschäftsleute, Lobbyisten, Politikaster vor, die Werke-&-Hinterzimmer-Deals kaufen. Das Potenzial von Interessenkonflikten ist enorm & gefährlich. Mach es einfach wie der republikanische Kriegstreiber George W. Bush. Mach deine Kunst, zeig sie in einer gemeinnützigen Organisation, keine Verkäufe.“

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