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KommentarEigene Chips machen Amazon, Apple und Google noch mächtiger

Selbst entwickelte Halbleiter verschaffen den US-Tech-Riesen einen gewaltigen Vorteil. Kleinere Konkurrenten sind zum Zuschauen verdammt.Joachim Hofer 21.09.2021 - 15:01 Uhr Artikel anhören

Große Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services entwickeln immer häufiger eigene Chips. Damit hängen sie weniger finanzkräftige Konkurrenten noch weiter ab.

Foto: Reuters

Chips zu entwickeln ist teuer und hochkomplex. Wer derzeit in das Geschäft einsteigen will, muss nicht nur viel Geduld, sondern auch mindestens 20 Millionen Euro, besser aber 30 Millionen Euro aufbringen. Das reicht auch nur für einen Prototyp. Ein serienreifes Bauteil kann locker einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen. Kein Wunder, dass die meisten Tech-Konzerne in den vergangenen Jahrzehnten keine eigenen Chips entwickelt haben. Das Geschäft lag stattdessen bei großen, hochspezialisierten Halbleiterherstellern.

Mittlerweile aber können sich hochprofitable Tech-Firmen wie Amazon Web Services, Facebook, Google und Microsoft die aufwendige Entwicklung der Bauelemente für Chips locker leisten. Daher bauen sie das nötige Know-how in den eigenen Reihen auf und entwickeln Chips für diverse Bereiche, vor allem für Rechenzentren. Schließlich hat der Vorreiter Apple mit seinen selbst entwickelten Bauteilen für seine Smartphones und Notebooks bewiesen, dass sich solch eine Investition auszahlt.

Für kleinere, häufig regionale Konkurrenten ist das bedrohlich. Zwar lassen sich brauchbare Halbleiter dank hochautomatisierter Software zunehmend günstiger designen, und auch günstige Produktionspartner dürften sich in den nächsten zwei, drei Jahren leichter finden lassen, da die Auftragsfertiger der Chipbranche, die sogenannten Foundries, derzeit in Asien und Amerika in großem Stil neue Fabriken bauen.

Doch gleichzeitig wachsen auch die Anforderungen an moderne Halbleiter. Es braucht deshalb weiterhin Chipspezialisten, die weltweit begehrt und entsprechend gut bezahlt sind. Dazu kommt: Verbundmaterialien ersetzen immer häufiger das bisher vorherrschende Silizium, was wiederum die Chipentwicklung und die Produktion komplizierter macht.

Lokale oder auch nur auf Europa beschränkte Anbieter von Rechenzentren müssen daher weiterhin auf die Chips von der Stange zurückgreifen, wie sie AMD, Intel oder Nvidia anbieten. Das heißt: Sie können sich kaum von den Wettbewerbern absetzen und sind auf das Innovationstempo ihrer Zulieferer angewiesen.

Die ohnehin schon vor Kraft strotzenden US-Konzerne hingegen werden mit den eigenen Halbleitern noch viel mächtiger. Sie können mehr Leistung bei gleichzeitig niedrigeren Kosten anbieten, indem sie genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Chips mit maßgeschneiderter Software in ihre Netzwerkrechner, die sogenannten Server, einbauen.

Es spricht daher viel dafür, dass die amerikanischen Tech-Riesen ihre ohnehin bestehende Vormachtstellung mit eigenen Chips zementieren. Das mag die Kunden anfangs nicht weiter stören, im Gegenteil: Ihnen eröffnen sich womöglich technologische Möglichkeiten, die sie bislang nicht hatten. Und das alles zumindest für eine gewisse Zeit zu attraktiven Preisen. Langfristig aber dürften die Abnehmer kräftig zur Kasse gebeten werden, wenn bestimmte Angebote nur bei den US-Konzernen zu bekommen sind.

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