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KommentarEine Stagflation ist nicht ausgeschlossen – aber unwahrscheinlich

An den Märkten wächst die Angst vor Inflation bei gleichzeitig schwachem Wachstum. Noch aber sind wir sehr weit von Schreckensszenarien der 1970er-Jahre entfernt.Michael Maisch 13.10.2021 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Deutlich steigende Energiepreise schüren die Angst vor einer Stagflation.

Foto: dpa

Autofrei, Spaß dabei – die Älteren unter uns werden sich noch an abendliche Sparziergänge auf ausgestorbenen Hauptstraßen oder lange Radtouren über die Autobahn erinnern. Möglich machten diese Ausflüge der alternativen Art die autofreien Sonntage in den 1970er-Jahren.

Damals ging es beim Kfz-Verzicht nicht um Ökologie oder Klimawandel. Grund für die Mobilitätsbremse war die Opec, die aus politischen Gründen den Ölhahn zugedreht hatte. Die Folge: Die Energiepreise schossen in die Höhe, und das Wirtschaftswachstum kollabierte. Kurz: Es herrschte Stagflation. Diese Mischung aus steigenden Preisen und sklerotischem Wachstum ist so gefährlich, weil ihr mit dem Instrumentarium der Notenbanken nur sehr schwer beizukommen ist.

Seit Kurzem taucht das hässliche Wort immer öfter auf, wenn es darum geht, die wieder heftigeren Ausschläge an den Kapitalmärkten zu begründen. Tatsächlich lässt sich eine neue Stagflation im Moment nicht ausschließen. Wahrscheinlich ist sie aber nicht – zumindest wenn man mit dem Begriff ein Schreckensszenario wie in den Siebzigerjahren meint.

Auslöser der Diskussion ist die globale wirtschaftliche Gemengelage nach der Coronakrise. Die Beschäftigung hat noch lange nicht das Niveau vor der Pandemie erreicht, die Reparatur der weltweiten Lieferketten dauert länger als von vielen erwartet, und die Energiepreise ziehen massiv an – gleichzeitig sendet die US-Notenbank Fed Signale, dass das Ende der ultralockeren Geldpolitik näher kommt.

Der Aufschwung ist nicht aufgehoben

Diese Mischung sieht tatsächlich nicht allzu freundlich aus. Auf der anderen Seite wäre es naiv zu glauben, dass die Weltwirtschaft nach einem derart brutalen Schock wie der Pandemie innerhalb weniger Monate einfach in ihren alten Rhythmus zurückfindet, zumal sich durch die Delta-Variante die erhoffte wirtschaftliche Erholung nach hinten verschoben hat.

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Aufgehoben ist der Aufschwung damit allerdings nicht. In seinem neuen Ausblick auf die Weltwirtschaft spricht der Internationale Währungsfonds zwar von hartnäckigeren Verwerfungen durch die Coronakrise. Dennoch gehen die Volkswirte für dieses Jahr noch immer von einem Wachstum von 5,9 Prozent und von 4,9 Prozent für 2022 aus. Das ist noch sehr weit entfernt von der Misere der Siebzigerjahre, als die Weltwirtschaft schrumpfte und die Arbeitslosigkeit massiv höher lag als heute.

Autofreie Sonntage wird es so schnell nicht wieder geben. Es sei denn, die pandemische Lage würde sich überraschend noch einmal deutlich verschärfen.

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