Wirtschaftsnobelpreisträger und UBS-Chefökonom: Joseph Stiglitz und Paul Donovan im Streitgespräch: „Dann ist die nächste Finanzkrise da“
Der Wirtschaftsnobelpreisträger und der Nachhaltigkeitschef der UBS sind unterschiedlicher Meinung über die Rolle der Banken im grünen Umbau.
Foto: Bernd Roselieb für HandelsblattFrankfurt. Die Sonne scheint hell in den Frankfurter Opernturm, wo die Schweizer Großbank UBS in den obersten Etagen residiert. Der Klimawandel lässt sich an diesem warmen Herbsttag bestenfalls erahnen. Aber er ist das dominierende Thema im Streitgespräch mit dem prominenten US-Gast, der extra eingeflogen ist, um später auch vor Studenten in der Mainmetropole zu sprechen: Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz.
Er kritisiert schon länger, die Banken müssten viel mehr tun, um die Wirtschaft zum klimaneutralen Umbau zu zwingen. Der Chefökonom der UBS, Paul Donovan, hält dagegen. Und: In manchen Punkten gibt es überraschend sogar Einigkeit.
Lesen Sie hier das vollständige Interview:
Herr Stiglitz, Herr Donovan, auch die Banken haben sich das Thema Klimaneutralität auf die Fahnen geschrieben – für sich selbst und als Finanzierer der Wirtschaft. Ist das glaubwürdig oder nur Imagepflege?
Joseph Stiglitz: Zunächst einmal ist es gut, dass sich die Banken in die richtige Richtung bewegen. Sie entscheiden darüber, ob sie „braunen“ oder „grünen“ Unternehmen Geld geben. Das macht da draußen einen signifikanten Unterschied. Das war nicht immer so: Früher gab es Banken, die haben bei sich im Büro Energiesparlampen angeschraubt, aber trotzdem noch Kohleförderung finanziert. Selbst wenn man alle Energiesparlampen auf der ganzen Welt zusammenzählt, macht das nicht den entscheidenden Unterschied. Es geht darum, wo das Kapital hinfließt. Über Kredite oder Anleihen.