Klimakonferenz: Leser-Debatte: Wie lässt sich das Klima noch retten?
In Glasgow wird aktuell diskutiert, wie unsere Energieproduktion klimafreundlicher werden kann.
Foto: Imago / Jochen Eckel
Foto: HandelsblattDer Klimawandel ist so massiv, dass uns eigentlich nur noch Elon Musks Milliarden retten können. Das zumindest schreibt eine Handelsblatt-Leserin auf unsere Frage: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hebel im Kampf gegen den Klimawandel?
So vielfältig die Antworten auch waren, einig ist sich die Leserschaft vor allem in einer Hinsicht: dass die Klimarettung teuer wird, so richtig teuer. Und leider nicht nur für Milliardäre wie Musk, sondern für alle: Eine höhere Bepreisung des CO2-Ausstoßes fordern zwar einerseits viele, sie würde allerdings die gesamte Gesellschaft hart treffen.
Andere Leser sehen die Lösung des Klimaproblems in der Außenpolitik. Deutschland und Europa sollen ihre Vorreiterrolle nutzen, um klimafreundliche Technologien und Innovationen global zu exportieren und andere Länder so mitzureißen. Während Angela Merkel, Joe Biden und Narendra Modi bei der Weltklimakonferenz in Glasgow darüber diskutieren, ob und wie sich das Klima noch retten lässt, eifert ihnen die Handelsblatt-Leserschaft hierzulande nach. Dass etwas passieren muss, um den Klimawandel aufzuhalten – darüber sind sich die meisten einig.
Wie das geschehen soll ist die Frage, die unsere Leser bewegt. Aus Hunderten von E-Mails, Kommentaren und Messages haben wir die interessantesten Beiträge hier für Sie zusammengestellt.
Ziele und Fortschritte kommunizieren
„Unser Planet ist unser wichtigster Stakeholder. Nicht nur die Politik, jedes einzelne Unternehmen muss aufstehen und seine Innovations- und Transformationskraft nutzen, um eine nachhaltige Welt zu schaffen. Denn die Parameter, die auch zukünftig eine florierende Wirtschaft ermöglichen, ändern sich. Kunden basieren ihre Kaufentscheidung auf Werten wie Vertrauen und Nachhaltigkeit.
Sich über gemeinsame Ziele zu verständigen ist sicher wichtig. Es kommt aber in den nächsten Monaten und Jahren darauf an, nachzuhalten, inwieweit wir uns diesen Zielen annähern – mit messbaren Zahlen und Ergebnissen. Nur so erhalten wir eine Stellschraube, mit der wir unsere Geschäftsentscheidungen regelmäßig im Sinne des Klimaschutzes überprüfen und anpassen können.
Wenn wir nicht nur Ziele, sondern auch Fortschritte offen und transparent kommunizieren, gewinnen wir das Vertrauen unserer Kunden und Kundinnen – und Vertrauen wird auch in Zukunft der Treiber für Fortschritt, Innovation und eine florierende Wirtschaft sein.“
Stefan Höchbauer
Drastische Erhöhung der Transportkosten
„Logistik, respektive die Transportkosten müssen um den Faktor 5 bis 10 steigen.
Staaten geben Milliarden aus, um Straßen, Lkw-Parkplätze, Schienen, Schifffahrtswege, Häfen und Flughäfen zu bauen und zu betreiben. Diese Kosten sind in den an Kunden berechneten Frachtkosten bei Weitem nicht enthalten, sondern werden von der Allgemeinheit getragen.
Durch eine drastische Erhöhung der Transportkosten, am besten gekoppelt mit CO2–Relevanz des Transportmittels könnte der unsinnig hohe Warenverkehr drastisch reduziert werden. Das Ganze noch gepaart mit verpflichtenden Kosten für Rücksendungen würde unsere CO2–Bilanz entscheidend verbessern und die Produktion unnötiger Konsumware reduzieren.
Ich behaupte, die wegfallenden, beziehungsweise deutlich reduzierten Kosten für die Transportwege/ Logistikhubs/ Infrastruktur würden die Mehrkosten des Transports übersteigen und damit nicht zu einer Verteuerung der Waren führen.“
Karl Gerhardt
Agilität im Klimaschutz
„Wir brauchen viel mehr Agilität im Klimaschutz, um relevant Wirkung zu erzielen: Wenn ein Tempolimit 130 nicht durchsetzbar ist, dann fangen wir eben mit 150 an. Wenn Kurzstreckenflüge verbieten jetzt nicht geht, dann erheben wir halt erhebliche Steuern darauf. Wenn ein 365-Euro-Jahresticket für alle im ÖPNV jetzt noch nicht umsetzbar ist, dann wenigstens für Teile der Bevölkerung.
Im Agilen gilt: ‚fail fast – and learn‘ – meint: Viele kleine Entwicklungsschritte, aber vor allem schnell scheitern und bereit sein, daraus zu lernen, um im nächsten Schritt noch besser zu werden. Daraus entstehen heute die großen Lösungen.
Wir können uns ein Steckenbleiben im ‚Streben nach Perfektion‘ nicht leisten und müssen jetzt klare Signale an Wirtschaft und Bevölkerung setzen: Wir schützen die Zukunft unserer Kinder und fangen jetzt damit an – alle!“
Clemens Kühlem
Sofort und mit Wumms
„Wir alle sollten sofort damit beginnen, Energie einzusparen. Ganz praktisch, sofort, mit Wumms:
Konsum herunterfahren, regional einkaufen, alles im Supermarkt liegen lassen, was man nicht braucht und ungesund ist.
Papierverbrauch reduzieren. Gesetzliche Regelung, dass keine Werbung in kostenlosen Zeitungen in die Briefkästen eingeschleust werden darf, die einen Hinweis ‚keine Werbung‘ tragen. CO2-Fußabdruck veröffentlichen!
Wir brauchen dringend Umweltgesetze, die es ermöglichen, dass Privatleute rechtlich gegen Umweltbelastungen vorgehen können.
Studie und Veröffentlichung darüber, was eigentlich in den ganzen Lastkraftwagen herumgekarrt wird, die unsere Straßen immer mehr belasten. Der Mangel an Fahrern ist eine Chance zur allgemeinen Besinnung unseres Tuns – und Lücken in den Einkaufsregalen auch.“
Liselotte Beha
Entwicklungshilfe neu denken
„Deutschland muss Innovationsführer für die Entwicklung klimaschützender Technologien sein und bleiben. Nur so lässt sich der erarbeitete Wohlstand dauerhaft verteidigen.
Der Einsatz dieser Technologien muss allerdings dort erfolgen, wo der größte Nutzen liegt. Das ist nicht in Deutschland oder Europa. Den Gesamtnutzen zu optimieren muss das Ziel sein und damit auch der Wille im Ausland zulasten des deutschen Steuerzahlers zu investieren. Entwicklungshilfe ist in diesem Kontext neu zu denken und zu finanzieren.“
Johannes Drews
Musks Milliarden
„Für die Rettung des Klimas möchte ich die Aufforderung des WFP an Elon Musk aufgreifen: Spende sechs Milliarden Dollar – und zwar zum Kauf eines Stücks Regenwald und sorge dafür, dass er unangetastet bleibt.
Denn letztlich ist ein funktionsfähiger Regenwald der Schlüssel zu unserem Klima und es wäre daher wichtig, dass der Fokus mehr auf dieses große Thema gelenkt wird, als in Deutschland oder Europa in Klein-Klein zu denken.“
Anke Behrens
Weniger ist mehr und nichts ist alles
„Null Emissionen und Null-Verbrauch. So unrealistisch das auch klingen mag. Es beginnt bei der Plastiktüte und endet beim Flugverkehr. Dazwischen liegen der Fleischkonsum und das Autofahren. Weniger ist mehr und nichts ist alles.
Die Pandemie hat uns den Weg gewiesen: Zurückhaltung, slow motion ...“
Maria Pauthner
Es gibt kein deutsches Klima
„Der Wahlkampf in unserem Land hat leider wieder das fehlende Interesse an der Außenpolitik gezeigt. Da können Politiker behaupten, wenn wir Kohlekraftwerke bis 2030 abschalten, dann schaffen wir die Klimawende, so als gäbe es ein deutsches Klima.
In Glasgow sollten wir gemeinsames Handeln mit den reichen Industrieländern und den armen Entwicklungsländern vereinbaren.
Erstere machen die Innovationen einsatzbereit und koordinieren deren weltweiten Transfer und die Finanzierung. Der große Teil der armen Weltbevölkerung soll nicht weiter durch Verzicht Emissionen verhindern, sondern durch Entwicklung und Teilhabe.“
Lothar Meurer
Sich selbst als James Bond begreifen
„Wäre es nicht an der Zeit, dass die Verantwortlichen in der Politik den Menschen anstelle von Appellen und Absichtserklärungen reinen Wein einschenken? Dass gesagt wird, dass in dieser Sache jeder und jede betroffen und jeder und jede gefordert sein wird? Die übliche Klientelpolitik, bei der es in erster Linie darum geht, Geld zu verteilen und dass auf Kosten von anderen und der Natur möglichst wenig passiert, geht nach hinten los und führt dazu, dass dringende Veränderungen nicht stattfinden. Politik verliert dadurch außerdem immer mehr an Glaubwürdigkeit.
Ja, in dieser Krise brauchen wir viele Menschen, die verstehen, worum es geht, sich ein Stück weit selbst als James Bond begreifen (um Boris Johnsons Rede zu paraphrasieren), um bei dem riesigen Projekt mitzumachen. Und dazu müssen Politiker und Politikerinnen sie ansprechen und mitnehmen, anstatt Sonntagsreden zu halten.“
Philipp Jusim
Nur Mut und Avantgarde bleiben!
„Wir Industrienationen haben Mitte des 19. Jahrhunderts diese Dose mit Würmern geöffnet. Deshalb ist Vorangehen bei der Schadensbegrenzung unsere verdammte moralische Pflicht. Und zugleich Chance, denn der Weg geht über exportierbare neue Techniken.
Außerdem schonen wir die über Jahrmillionen entstandenen Kohlenwasserstoffe für bessere Verwendung als gedankenloses Verheizen. Und so schlecht sind wir auch gar nicht unterwegs, wenn man mal den Energiemix mit dem vor 30 Jahren vergleicht.
Deshalb: Nur Mut und Avantgarde bleiben!“
Anton Wanninger
Die Jugend hat recht
„Ein Hinweis zu Anfang – es geht nicht um den Planeten Erde, der wird auch weiter, wenn auch heißer, um die Sonne kreisen. Die Frage sollte heißen: ‚Wie soll sich das Zusammenleben auf der Erde zukünftig entwickeln, wie muss sich der kapitalistische Mensch ändern?‘
Schellnhuber hat in seiner Verzweiflung bereits 2015 von der Selbstverbrennung der Menschheit geschrieben. Das haben die Jungen um Greta erkannt, dass das Profitsystem es nicht mehr von innen schafft, ein lebenswertes Zusammenleben auf der Erde zu realisieren. Es ist schizophren zu feiern, weitere zehn Jahre unsere grüne Lunge zu schwächen, um dann, wenn es heißer geworden ist, mit weniger Wald besser leben zu können.
Die Jugend hat recht, wir müssen von außen reformieren!
Das beste Beispiel ist Deutschland und sein Beweihräucherungssystem, wo die unfähige Politik es zugelassen hat, die Entwicklung von regenerierbaren Energien abzuwürgen! In Bayern und Sachsen kann fast keine Windkraftanlage mehr gebaut werden. Wir Alten sollten uns endlich aufraffen und freitags die Jugend in ihrem beharrlichen Wirken unterstützen!“
Michael Ruscher
Neue Atommeiler-Technologien
„Die Vorreiterrolle Deutschlands würde nur mit der neusten Technologie der Atommeiler Sinn machen.
Der Kontrollwahn der Wirtschaft (siehe China) oder die Abhängigkeit von totalitären Staaten (Gas aus Russland) kann und wird niemals Vorbild für die Weltgemeinschaft sein.“
Heinz Flischikowski
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