COP26: Drama in letzter Minute – so kam es zur Einigung von Glasgow
John Kerry (M.), Sondergesandter des US-Präsidenten für Klimafragen, Xie Zhenhua (l.), Chefunterhändler von China, und Frans Timmermans (r.), Vizepräsident der Europäischen Kommission, sprechen auf dem UN-Klimagipfel COP26 miteinander.
Foto: dpaBerlin, Glasgow. Irgendwann am Samstagnachmittag platzte Frans Timmermans der Kragen. „Um Himmels willen, killen Sie nicht diesen Augenblick, indem Sie nach mehr Texten fragen, anderen Texten, dieses löschen, jenes löschen“, sagte der EU-Klimabeauftragte mit erhobener Stimme ins Plenum von Glasgow. Jedes Land sei in den vergangenen Monaten ausreichend angehört worden. „Bitte stellen Sie sich hinter diesen Text“.
Zu dem Zeitpunkt lief die Weltklimakonferenz schon 22 Stunden länger als geplant. Die Delegierten wollten endlich nach Hause, und Timmermans bekam Applaus für seinen kleinen Ausbruch. Doch hatte der Europäer leicht reden: Die EU hatte ihre Forderungen weitgehend durchgesetzt, während viele ärmere Länder sich ignoriert fühlten.
Die diesjährige Weltklimakonferenz, die COP26, sollte ein Signal senden, dass die Welt den Klimaschutz endlich ernst nimmt. Zu Beginn der zweiwöchigen Massenveranstaltung hatten sich die Regierungschefs in flammenden Appellen gegenseitig aufgefordert, die Versprechen des Pariser Klimaabkommens von 2015 mit konkreten Taten zu untermauern. Die Welt sollte dem Ziel näherrücken, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.