Pro und Contra: Ist die hohe Inflation wirklich nur ein vorübergehendes Phänomen?
Die Inflation in Deutschland ist im November auf den höchsten Wert seit 1992 gestiegen.
Foto: dpaPro: Die Inflationssorgen sind übertrieben
Für eine dauerhaft hohe Inflation müssten auch die Löhne stärker steigen. Dafür gibt es keine Anzeichen. Zudem gibt es viele strukturelle Trends, die weiter für eine niedrigere Inflation sprechen.
Von Jan Mallien
Auch im November ist die Inflation in Deutschland weiter gestiegen. Das macht vielen Menschen Angst. Nach wie vor spricht aber eine Menge dafür, dass der Preisschub vorübergehend ist. Ein Effekt ist mit Sicherheit Ende 2021 vorbei: Die Bundesregierung hatte in der zweiten Jahreshälfte 2020 befristet die Mehrwertsteuer gesenkt, was heutige Preise im Vorjahresvergleich höher aussehen lässt.
Schwerer vorherzusagen ist, wie lange Störungen der Lieferketten und der Schifffahrt anhalten. Das ändert aber nichts daran, dass auch diese Probleme irgendwann behoben sein werden. Ähnlich ist es beim Ölpreis: Er ist zu Beginn der Pandemie eingebrochen und dann wieder stark gestiegen. Der Anstieg wird sich aber kaum im bisherigen Tempo fortsetzen.
Entscheidend ist jetzt, ob die Löhne den Preisen folgen, was zu einer gefährlichen Spirale führen könnte. Hier hilft ein Blick auf den Gehaltszettel. Laut dem gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) sind die Tariflöhne in der ersten Jahreshälfte um 1,6 Prozent gestiegen – deutlich weniger als in den Vorjahren. Selbst die Lokführergewerkschaft GDL, die im Sommer das Land mit Streiks lahmlegte, erzielte nur eine Lohnerhöhung um 3,3 Prozent für den sehr langen Zeitraum von 32 Monaten. Das zeigt: Die Macht der Gewerkschaften ist geschwunden.