Kommentar: Das Kernproblem bei VW ist die Familie Porsche/Piëch
Die Verantwortung für die Führungskrise bei Volkswagen trägt vor allem die Familie Porsche/Piëch.
Foto: HandelsblattBerlin. Das Führungsproblem bei Volkswagen trägt einen Namen: Herbert Diess. Mit ebenso unnötigen wie regelmäßigen Provokationen sorgt der VW-Chef im Unternehmen für Wirbel, den niemand braucht, bringt Land und Mitarbeiter gegen sich auf. Das ist die eine, gängige Sicht auf das Chaos, in das VW alle paar Monate stürzt. Eine andere Lesart ist, dass der Betriebsrat für den Trubel verantwortlich ist.
Doch beide Erklärungen greifen zu kurz. Die Verantwortung für die Führungskrise bei Volkswagen tragen die Großaktionäre, und da vor allem die Familie Porsche/Piëch.
Herbert Diess hat mit seinen Vorbereitungen für den Abbau von bis zu 35.000 Arbeitsplätzen zwar das Unternehmen in Aufruhr versetzt und damit seinen eigenen Job riskiert. Der Vorstandsvorsitzende hat aber nichts anderes getan als das, was die Familie von ihm erwartet. Er reformiert VW, und zwar radikal. Ein positiver Nebeneffekt davon ist, dass der Spielraum des Betriebsrats eingeengt wird.
In den vergangenen Jahren war dieses Vorgehen erfolgreich, jetzt aber hatte es Diess übertrieben. Nach seinem Plan, die Belegschaft im Stammwerk Wolfsburg zu halbieren, forderte der Betriebsrat seinen Rauswurf; das Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär stellt sich hinter die Forderung. Es geht um so viele Menschen − und damit Wähler −, dass Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) keine Alternative blieb.