Kommentar: Sammeltaxi-Firmen setzen auf neue Strategie – doch die Risiken bleiben hoch
Das Jungunternehmen stellt seinen eigenen Fahrdienst endgültig ein.
Foto: Bloomberg/Getty ImagesDer Anbieter Clevershuttle stellt den eigenen Fahrdienst ein und fährt künftig nur noch im Auftrag der kommunalen Verkehrsbetriebe. Andere sogenannte Ridepooling-Unternehmen machen das bereits. Das klingt auf den ersten Blick nach einer guten Idee.
Bisher fuhren die „Sammeltaxen auf Abruf“ in den Metropolen, parallel zum in der Regel gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr. Getrieben war das nicht zuletzt durch die Hoffnung, bei Risikokapitalgebern zu punkten. In der Stadt ist die potenziell ansprechbare Kundschaft deutlich größer als auf dem Land. Das erleichtert das Werben um Investorengelder.
Doch verkehrspolitisch ist das ein ziemlicher Unsinn. In der bisherigen Ausrichtung ersetzte Ridepooling kein Auto. Vielmehr trug das Geschäftsmodell dazu bei, dass sich noch mehr Fahrzeuge durch die eh schon verstopften Straßen quälten. Zumal in vielen Städten nicht nur ein Anbieter um die Kundschaft warb, sondern gleich mehrere.
Das konnte nicht gut gehen. Hinzu kommen teils irrwitzige Vorgaben des Bundes und auch der Kommunen, um Taxiunternehmen und auch die eigenen Verkehrsbetriebe zu schützen. Preise konnten festgelegt werden, sogar die umstrittene Pflicht, nach der Fahrt zum Ausgangspunkt zurückzukehren, wurde nicht wirklich abgeschafft. Angesichts dieser Rahmenbedingungen war es kaum möglich, Ridepooling wirtschaftlich zu betreiben.
Was jetzt geschieht, war absehbar. Ob sich indes die Hoffnung der Ridepooling-Anbieter erfüllen wird, künftig zusammen mit dem ÖPNV besser zu fahren, ist die große Frage. Das Risiko ist groß, dass für die jungen Unternehmen kaum mehr als die Brosamen übrig bleiben – Fahrten in Randzeiten und in Randzonen. Es ist schwer vorstellbar, wie das wirtschaftlich darzustellen ist.
Ein durchdachtes Konzept für die Verkehrswende ist nötig
Besser wäre es, endlich alle Beteiligten im mobilen Ökosystem einer Stadt und ihrer angrenzenden Regionen an einen Tisch zu bringen und dort ein durchdachtes Verkehrskonzept zu entwickeln. Die einzelnen Verkehrsmittel dürfen nicht mehr gegeneinander, sie müssen miteinander antreten, um ein möglichst durchgängiges und damit attraktives Angebot unterbreiten zu können.
Ohne das wird das nichts mit der so dringend benötigten Verkehrswende in den Städten. Dann werden in einigen Jahren autonome Sammeltaxen, Flugtaxis und – wie gerade in Berlin untersucht wird – vielleicht sogar Seilbahnen gegen etablierte Verkehrsunternehmen und private Autos um den Fahrgast kämpfen. Das entlastet aber weder die Straßen noch das Klima.