Kommentar: Schluss mit der Hängepartie um den künftigen DGB-Chef
Im Mai steht der Bundeskongress mit den Wahlen für den Vorsitzenden an.
Foto: dpaDiese Woche hatte der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) bei seiner traditionellen Klausur illustre Gäste. Kanzler Olaf Scholz gab sich ebenso die Ehre wie Vizekanzler Robert Habeck. Doch auch die Politprominenz ist keine Hilfe bei einem Problem, das die Gewerkschaften nur selbst lösen können: einen Nachfolger für den scheidenden DGB-Chef Reiner Hoffmann zu finden.
Schon quälend lange zieht sich der Prozess, und bereits im Mai steht der Bundeskongress mit den Wahlen an. Die IG Metall wäre am Zug, einen Vorschlag zu machen, so will es die gewerkschaftsinterne Machtarithmetik.
Doch weil die größte Einzelgewerkschaft selbst mit einer ungelösten Führungsfrage kämpft, schafft sie es nicht, eine respektable Kandidatin oder einen Kandidaten zu präsentieren, die oder der den Posten auch will.
Der DGB-Vorsitz ist zwar nicht das schönste Amt neben dem Papst – das hat, wie wir seit Franz Müntefering wissen, der SPD-Chef. Aber es ist ein Amt, das es nicht verdient, nur wie ein Trostpreis herumgereicht zu werden.
Schließlich soll der oder die DGB-Vorsitzende die kraftvolle Stimme der Arbeitnehmer gegenüber den Arbeitgebern und der (neuen) Bundesregierung sein. Das kann niemand schaffen, der den Job nicht aus voller Überzeugung und ganzem Herzen will.
Die Gewerkschaften täten gut daran, die Hängepartie nicht weiter ausufern zu lassen, sondern schnell einen respektablen Kandidaten zu präsentieren. Oder besser noch eine Kandidatin. Denn viele Kernthemen der Gewerkschaften – von der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf über die Abschaffung der Minijobs bis hin zur Altersarmut – betreffen vor allem Frauen. Deshalb wäre es Zeit für die erste DGB-Chefin in der deutschen Geschichte.
Von Arbeitgeberseite hört man gerne, dass sich ja leider keine geeigneten Kandidatinnen für Top-Führungspositionen finden ließen. Das sollte doch bitte schön den Gewerkschaften nicht passieren.