Interview: Konfliktforscher Herfried Münkler zum Ukraine-Konflikt: „Berlin betreibt Symbolpolitik“
„Die Hoffnung der Europäer, ihre Interessen mit wirtschaftlicher Macht durchzusetzen, scheint sich nicht zu erfüllen.“
Foto: imago images/Reiner ZensenDer Machtpoker von Wladimir Putin in der Ukraine kommt für Herfried Münkler nicht überraschend. Der 70-jährige Politologe konstatiert einen schleichenden Verfall der regelbasierten Weltordnung. Dass Russland das geopolitische Vakuum nutzt, um seine Einflusszonen auszuweiten, ist für Münkler die logische Folge.
Herr Münkler, US-Präsident Joe Biden rechnet mit einer Invasion Russlands in die Ukraine. Deutschland hofft auf eine diplomatische Lösung. Wie hat sich Außenministerin Annalena Baerbock bei ihrem Besuch in Moskau geschlagen?
Sie ist in kein Fettnäpfchen getreten und hat die Position der Bundesregierung geschickt vertreten. Der russische Außenminister Lawrow hat nicht versucht, sie aufs Glatteis zu führen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Russen auf die Bundesrepublik als europäischen Ansprechpartner setzen.
Bundeskanzler Olaf Scholz tut sich immer noch schwer, eine klare Position im Ukraine-Konflikt zu formulieren.
Scholz hat seine Position nach dem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Stoltenberg deutlich gemacht. Ihm ist auch klar geworden, dass die Gaspipeline Nord Stream 2 bei einem umfassenden Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine nicht ans Netz gehen kann.