Erdgasmangel: „Es herrscht Panik“: Türkische Regierung schaltet der Industrie im Land den Strom ab
Der Industrie in der Türkei wird drei Tage der Strom abgestellt.
Foto: Getty ImagesIstanbul. Die türkische Regierung kappt für mindestens drei Tage die Versorgung der Industrie des Landes mit Gas und Strom. Hintergrund sind Versorgungsengpässe im Iran, aus dem die Türkei zuletzt 16 Prozent ihres Bedarfs an Erdgas deckte. Wer trotzdem Strom oder Gas beziehe, dem drohten „strafrechtliche Sanktionen“, erklärte der türkische Netzversorger Teias.
Damit wird das von Staatschef Erdogan erwünschte türkische Wirtschaftswachstum gebremst. Dabei lief es – auch wegen der türkischen Regierung – schon vorher nicht gut für die heimische Wirtschaft: Der Wertverfall der türkischen Lira hatte die Bilanzen Tausender Firmen im Land durcheinandergebracht. Zusätzlich verteuert die Inflation nahezu alles, und die Anhebung des Mindestlohns um 50 Prozent treibt die Lohnkosten in die Höhe.
Dass der Staat dann noch überraschend einen teilweisen Zwangsumtausch von Devisen aus Exporterlösen in türkische Lira anordnete, ließ viele Firmenvertreter ratlos zurück. Viele fragen sich, ob die Regierung jemals Wirtschaftswachstum und eine kluge Industriepolitik miteinander in Einklang bringen kann.
„Die deutschen Unternehmen blicken mit großer Sorge auf die angekündigten Stromabschaltungen“, erklärte Thilo Pahl, Geschäftsführer der Außenhandelskammer Istanbul, gegenüber dem Handelsblatt. Die Auswirkungen auf die produzierenden Unternehmen wären erheblich. „Die angespannte Situation in den Lieferketten würde sich weiter verschärfen“, meinte Pahl mit Blick auf Versorgungsprobleme im Zuge der Coronapandemie sowie Engpässe bei Computerchips. „Zudem können industrielle Anlagen nicht einfach an- und ausgeschaltet werden, ohne dass technisch sensible Systeme wie zum Beispiel Hochöfen Schäden nehmen.“