Auktion in New York: Ein Andachtsbild von Botticelli wechselt für 45 Millionen Dollar den Besitzer
Zwei Bewerber kämpften sieben Minuten lang um das Andachtsbild. Der Hammer fiel bei 39,3 Millionen Dollar. Das macht mit Aufgeld 45,4 Millionen Dollar.
Foto: Sotheby'sNew York. Nur zwei Bewerber gab es für Sandro Botticellis (um 1445-1510) „Schmerzensmann“, ein Spätwerk von um 1500 von großer psychologischer Einfühlung, das den Einfluss des religiösen Fanatikers Girolamo Savonarola belegt. Über lange sieben Minuten zog sich am Donnerstag in New York das Bietgefecht hin, der Hammer fiel schließlich bei 39,3 Millionen Dollar an den Kunden von Sotheby’s Altmeisterspezialistin Elisabeth Lobkowicz.
Inklusive Aufgeld schuldet der anonyme Käufer 45,4 Millionen Dollar, den zweithöchsten Preis für ein Gemälde des Florentiners. Vor einem Jahr war sein früher zu datierender „Junger Mann mit Medaillon“ aus dem Nachlass des prominenten New Yorker Immobilienentwicklers Sheldon Solow zum Rekordpreis von 92.2 Millionen Dollar brutto zugeschlagen worden.
Vor dem kleinen, prächtig gerahmten Andachtsbild hatten die einstigen Besitzer sich intensiv die Schmerzen Christi auf dem Weg zur Kreuzigung vergegenwärtigt. Sie meditierten die Wunden und beteten. Das ist heute den meisten Menschen fremd. Deshalb haben es religiöse Bildthemen schwerer auf dem Markt.
Die unveröffentlichte Erwartung für das tief religiöse Andachtsbild hatte bei 30 bis 50 Millionen Dollar gelegen. Es befand sich seit 1963 im Besitz einer nicht genannten Familie, die es für 10.000 Pfund als ein Werk Botticellis in London ersteigert hatte.
Aber erst die großartige Botticelli-Ausstellung im Frankfurter Städel Museum im Jahr 2009/10 machte die Forschung wieder auf die Tafel aufmerksam. Sotheby’s jüngste Infrarot-Untersuchung offenbarte unter dem „Schmerzensmann“ eine aufgegebene Komposition der sogenannten „Glykophilusa“ (Gottesmutter, die das Christuskind liebkost), ein von Botticelli häufiger gemaltes Thema.
Den ganzen Auktionsbericht lesen Sie am Freitag, den 4.2. auf den Kunstmarktseiten im Handelsblatt.
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