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Langfristige VertragsverlängerungHeimlicher Spielmacher: Porsche-Finanzchef Lutz Meschke genießt das Vertrauen der Familie

Der stellvertretende Vorstandschef bekommt eine eher unübliche Vertragsverlängerung für fünf Jahre. Meschke wird nun mehr denn je für höhere Aufgaben gehandelt.Martin-W. Buchenau 31.01.2022 - 16:34 Uhr Artikel anhören

Seit fast 20 Jahren ist der Betriebswirt für Porsche tätig, seit zehn Jahren als Finanzchef.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Stuttgart. Lutz Meschke bekommt eine Vertragsverlängerung als Finanzchef und stellvertretender Vorstandschef der Porsche AG. Die lange Laufzeit von fünf Jahren ist heutzutage eher unüblich. Sie gilt deshalb als besonderer Vertrauensbeweis der Familien Porsche und Piëch.

„Lutz Meschke treibt die Digitalisierung und die M&A-Aktivitäten entschlossen voran, gleichzeitig stellt er Porsche im Finanzbereich zukunftsorientiert auf“, sagt Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche. „Damit leistet er einen zentralen Beitrag dafür, dass Porsche zu den profitabelsten Automobilherstellern der Welt gehört.“

Dass der 55-jährige Betriebswirt das besondere Vertrauen der Familie genießt, war spätestens seit Sommer 2020 mit seiner Berufung zum Beteiligungsvorstand der übergeordneten Familienholding Porsche SE klar. Die Holding hält für die Familie die maßgeblichen Anteile am Volkswagen-Konzern, zu dessen Marken der Sportwagenbauer Porsche AG zählt.

Hinter der Vertragsverlängerung gleich um fünf Jahre dürfte aber auch noch mehr stecken. Porsche-Chef Oliver Blume gilt als möglicher Nachfolger des immer wieder in die Kritik geratenen VW-Konzernchefs Herbert Diess. Sollte Blume eines Tages doch noch an die Konzernspitze berufen werden, könnte Meschke den Part bei Porsche im fliegenden Wechsel übernehmen.

Sicherlich steht der CFO weniger im Fokus der Öffentlichkeit als Porsche-Chef Oliver Blume. Tatsächlich lässt ihm Blume aber Raum, um eigene Akzente zu setzen. Und den nutzt Meschke. Seit fast 20 Jahren ist der verheiratete Vater von sechs Kindern aus zwei Ehen im Unternehmen, seit zehn Jahren Finanzchef. Meschke ist inzwischen so etwas wie die Konstante des Hauses.

Mit der Zuständigkeit für IT, Beteiligungen und Venture-Capital sitzt er an der Schlüsselstelle im Konzern, wenn es um Zukunftsfragen jenseits des reinen Sportwagenbaus geht. Mit solchen Themen beschäftigt sich der gebürtige Hildener leidenschaftlich gern. Zuletzt beteiligte er sich am Start-up 1Komma5, das aus einer Hand Photovoltaikanlagen, Stromspeicher, Ladeinfrastruktur für Elektroautos und auch Wärmepumpen, vom Produkt über die Installation bis hin zum grünen Stromvertrag, anbietet.

Meschke ist mehr als ein nüchterner Controller

Meschke ist vom Typ her weit mehr als ein nüchterner Zahlenmensch und Controller. „Die Zahlen sind Handwerk und Grundvoraussetzung“, sagt Meschke, „Heute geht es mehr noch darum, als Finanzer aktiv Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu fördern.“ Er geht gern kontrollierte Risiken ein, wie etwa bei der Beteiligung am kroatischen Elektropionier Rimac.

Und Meschke prescht auch mal voran, indem er immer wieder die Vorteile eines möglichen Börsengangs von Porsche erwähnt. Er gab vor inzwischen schon vier Jahren den ursprünglichen Denkanstoß, dass nach dem Vorbild von Ferrari ein Teilbörsengang von Porsche sinnvoll sein könnte, um den Konzern finanziell noch wetterfester für die Transformation zu machen.

Das ist eigentlich eine Sache der Eigentümer. Dass Meschke deswegen mit Wolfgang Porsche Schwierigkeiten bekommen hätte, ist nicht bekannt. Analysten halten einen Börsengang, der Ende 2021 wieder heiß diskutiert wurde, weiterhin für sinnvoll. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Meschkes Pflichtprogramm ist es aber auch, streng auf Porsches Profitabilität zu achten. Der Luxushersteller zählt mit über 15 Prozent Rendite zu den profitabelsten Autobauern der Welt. Diese Marke hat Porsche in den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 trotz Coronapandemie und Halbleitermangels übersprungen, wie das Unternehmen jetzt mitteilte.

Kein Sparprogramm bei Porsche, sondern ein Ergebnisprogramm

Dass dies gelang, liegt auch an Meschkes Sparprogramm 2025. Den Ausdruck mag er aber nicht: „Bei uns ist das kein Sparprogramm, sondern ein Ergebnisprogramm“, sagt Meschke. Dieses ambitionierte Projekt soll das operative Ergebnis bis zum Jahr 2025 kumulativ um zehn Milliarden Euro unterstützen – und danach pro Jahr um drei Milliarden Euro. „Wir sind trotz unserer hohen Profitabilität nicht auf einer Insel der Glückseligen“, warnt der ehemalige Wirtschaftsprüfer von KPMG. In seiner Amtszeit hat sich der Unternehmenswert von knapp acht Milliarden Euro im Jahr 2009 bis heute mehr als verzehnfacht.

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Als passionierter Fußballer mit Lieblingsposition Spielmacher zieht Meschke gern die Fäden. Angriff hält er für die beste Verteidigung auch bei strategischen Entscheidungen – wie beim Elektroauto 2014. „Ich gehörte zu denen, die das Thema früh getrieben haben“, sagt er selbstbewusst. Und das in einer Firma, bei der bislang Benzin im Blut Einstellungsvoraussetzung war.

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