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EnergiepreiseBrief an Habeck: Spediteure warnen vor Insolvenzwelle – und fordern Rettungsschirm

Die steigenden Preise auf dem Gasmarkt belasten Logistikfirmen, den Handel und Lkw-Hersteller. Sie schlagen nun Alarm und fordern Staatshilfen – aber auch Klarheit bei Förderprogrammen.Daniel Delhaes 09.02.2022 - 15:03 Uhr Artikel anhören

Handelsketten investieren viel Geld in ihre Logistik und verlangen Planungssicherheit.

Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Berlin. Zahlreiche Spediteure, Handelsgesellschaften und Lkw-Hersteller warnen angesichts der steigenden Preise auf dem Gasmarkt vor einer Insolvenzwelle. In einem Brief macht der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf die Probleme hoher Gaspreise aufmerksam.

Darin heißt es: „Speditions-, Transport und Logistikunternehmen, die zu einem hohen Anteil oder sogar vollständig auf gasbetriebene Lkw umgestellt haben, geraten dadurch unmittelbar in existenzielle Schwierigkeiten, bis hin zur Insolvenz.“ Der Verband fordert den Grünen-Politiker auf, „einen Rettungsschirm für die existenzgefährdeten Unternehmer einzurichten“.

Zudem schlägt er vor, die „pandemiebedingten Sofortmaßnahmen des Bundes“ für Unternehmen zu öffnen, die ihren Fuhrpark zu mehr als die Hälfte mit dem Flüssiggas LNG betreiben und nun vor dem Aus stehen. Alternativ plädieren die Unternehmen dafür, die Differenz aus Diesel- und LNG-Preis als „Innovationszuschlag“ auszugleichen. Dies ist derzeit rund ein Euro je Liter.

Transporteure haben auf LNG-Lkw umgestellt

Laut BGL investieren die Unternehmen seit 2020 vermehrt in LNG-Fahrzeuge. Sie sind derzeit die einzige Alternative zu Dieselfahrzeugen. „Treiber des Markthochlaufes“ seien die „bis Ende 2023 bestehende Mautbefreiung und der bis Sommer 2021 wettbewerbsfähige Preis von LNG“ gewesen.

Der nächste Schritt sollte eigentlich der Umstieg auf Bio-LNG sein. Dies wird laut Verband bei weiter hohen Preisen aber nicht passieren. Denn angesichts der unsicheren Marktsituation scheuten Transport- und Logistikunternehmen sowie Biomethanproduzenten künftige Investitionen.

Wegen gestiegener Preise auf dem Gasmarkt fordern Unternehmen Hilfe vom Bundeswirtschaftsministerium.

Foto: Reuters

Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören neben den Fahrzeugherstellern Iveco und Scania auch Handelskonzerne wie Edeka und Netto sowie Spediteure wie Reinert Logistic. Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan: „We go green.“

Mehrkosten angesichts stark gestiegener Gaspreise monatlich im siebenstelligen Bereich

In dem Brief an Habeck erklärt Reinert Logistic, mehr als 370 LNG-Fahrzeuge und damit mehr als die Hälfte seines Fuhrparks auf den klimafreundlicheren Kraftstoff umgestellt zu haben. Weitere Fahrzeuge seien bestellt. Die Mehrkosten angesichts der stark gestiegenen Gaspreise lägen monatlich im siebenstelligen Bereich.

In dem Schreiben weist der Verband darauf hin, dass ein Mittelständler die Mehrkosten nicht über längere Zeit bewältigen kann. Und: „Neben der Liquidität ist auch die Ergebnisbelastung enorm, was für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens sehr schwierig ist.“

Ein Lkw kostet circa 35.000 Euro und damit rund ein Viertel mehr als ein konventionelles Dieselfahrzeug. Die Fahrzeuge sind von der Maut befreit, was bei 100.000 Kilometern 18.700 Euro entspricht.

Oliver Luksic (FDP), der als parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium für den Güterverkehr zuständig ist, machte wenig Hoffnung auf Hilfen. Auf Nachfrage erklärte er, „in Abstimmung“ mit dem für Wirtschaftshilfen zuständigen Wirtschaftsministerium zu sein. Zugleich verwies Luksic darauf, dass der Bund LNG „durch einen ermäßigten Energiesteuersatz und die laufende Mautbefreiung sowie indirekt durch seine relative Wettbewerbsfähigkeit im Brennstoffemissionshandel“ fördere.

Automobilverband mahnt geringere Energiepreise an

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), betonte, dass „bereits viel investiert worden“ sei. Vor allem mit Blick auf die Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine forderte sie: „Die Energiepreise und die -verfügbarkeit müssen von der Politik im Auge behalten werden.“
Grundsätzlich sprach sie sich dafür aus, dass der Markt entscheiden solle, welche Technologie sich durchsetze – und nicht politische Vorgaben. Beim Aufbau eines Ladeinfrastrukturnetzes entlang der Autobahnen sei es wichtig, den Schwerlastverkehr „gleich mitzudenken“.

Die VDA-Präsidentin fordert die Politik auf, die Energiepreise im Blick zu behalten.

Foto: dpa

Mittelständler fordern neben ausreichender Ladeinfrastruktur vor allem Klarheit bei Förderprogrammen. Entsprechende Sorgen adressierte der Mittelstandsverbund ZGV an Wirtschaftsminister Habeck sowie Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). So sei zwar angekündigt, dass die bestehenden Subventionen für E-Autos Ende des Jahres auslaufen werden. Die künftige Kaufprämie sei aber noch unbekannt.

Einige Mitgliedsunternehmen haben laut Hauptgeschäftsführer Ludwig Veltmann bereits alle Ambitionen in Richtung E-Mobilität vorerst auf Eis gelegt. „Verschärft durch die eingeschränkte Lieferfähigkeit der Industrie denken einige Unternehmen bereits darüber nach, ihre dringend erneuerungsbedürftigen Flotten doch noch einmal auf fossile Kraftstoffe wie Diesel auszurichten.“

Mittelständler warnen vor Förderchaos

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben 45 Branchen und mehr als 230.000 mittelständische Unternehmen aus Handel, Handwerk und Dienstleistungsgewerbe, die sich etwa wie Edeka, Rewe, Expert oder Euronic in Verbundgruppen organisieren. Die Unternehmen setzen laut Verband zusammen eine halbe Milliarde Euro um und investieren fünf bis zehn Prozent in ihre Logistik.

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Es gehe also um 25 bis 50 Milliarden Euro. „Wir wünschen uns eine zielorientierte Politik“, sagte Veltmann dem Handelsblatt. Es gebe zu viele unterschiedliche Förderprogramme, die zusammen ein regelrechter „Dschungel“ seien. Die Unternehmen wollten wissen, ob sie nun in E-Mobilität, Hybride oder Wasserstoff investieren sollen. „Die Förderprogramme müssen langfristig und verlässlich sein.“

Veltmann warnte vor Chaos wie bei dem KfW-Programm für den Bau energetischer Gebäude. Das KfW-55-Programm hatte Habeck im Januar gestoppt und damit Investoren stark verunsichert. „Wir dürfen keinen zweiten Fall KfW erleben.“

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