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1MDB-SkandalDeutscher Ex-Goldman-Banker belastet Top-Manager schwer

Tim Leissner sagt im milliardenschweren Bestechungsskandal gegen Ex-Goldman-Kollegen aus. Diese sollen von dubiosen Vorgängen gewusst und ihn als „Helden“ gefeiert haben.Felix Holtermann 18.02.2022 - 00:27 Uhr Artikel anhören

Bei dem Ex-Südostasienchef wurden 44 Millionen Dollar (39 Millionen Euro) beschlagnahmt.

Foto: Bloomberg

New York. Es war eine Aussage mit Sprengstoff: Leitende Angestellte der US-Großbank Goldman Sachs sollen gewusst haben, dass der dubiose Finanzier Jho Low in Transaktionen mit dem ausgeplünderten malaysischen Staatsfonds 1MDB verwickelt war. Das jedenfalls erklärte der deutschstämmige Ex-Südostasienchef der Bank, Tim Leissner, am Mittwoch im Zeugenstand.

Leissner ist Hauptzeuge im Bestechungsprozess gegen seinen ehemaligen Untergebenen Roger Ng. Er beschrieb den Geschworenen im Gerichtssaal in Brooklyn, New York, Goldmans Rolle in dem Milliardenskandal. Er, Ng „und unsere Kollegen wussten, dass Jho Low der Hauptentscheidungsträger war, daher mussten wir auch Jho Low in alle wichtigen Aspekte der lukrativen 1MDB-Transaktionen einbeziehen“, erklärte Leissner.

Er und Ng hätten Lows Beteiligung und das Zahlen von Bestechungsgeldern vor Goldmans Compliance-Experten verheimlicht. Andere Top-Banker der Bank jedoch hätten sehr wohl von Lows Beteiligung gewusst. Konkret beschuldigte Leissner seinen Ex-Chef, Michael Evans, damals Asien-Chef von Goldman, und mehrere andere ehemalige Führungskräfte, von den dubiosen Vorgängen gewusst zu haben.

Lows enge Beziehung zum damaligen malaysischen Premierminister Najib Razak und seiner Familie habe es erst ermöglicht, dass Goldman eine zentrale Rolle bei 1MDB spielte, so Leissner. Er selbst und Ng seien nach Abschluss der Deals von den Goldman-Vorgesetzten als „Helden“ gefeiert worden.

Lange Haftstrafe droht

Bevor er in Ungnade fiel, hatte Tim Leissner den Traum vieler Banker gelebt: Als Goldman-Manager verkehrte er mit Staatsoberhäuptern, verdiente Millionen und heiratete das berühmte Ex-Model Kimora Lee Simmons. Der Sohn eines Volkswagen-Angestellten hatte an der Universität Siegen studiert und 1992 einen MBA in Connecticut gemacht. 1998 kam er zu Goldman, wurde acht Jahre später Partner und 2014 Chef der Südostasienabteilung.

Seine Geschäfte in der Region boomten. Leissner war einer der ersten Berater von „1 Malaysia Development Bhd“ (1MDB), einem staatlichen Investitionsfonds. Im Laufe von zwei Jahren verdiente Goldman etwa 600 Millionen Dollar Gebühren für die Begleitung dreier Anleihen, die 1MDB 6,5 Milliarden Dollar in die Kassen spülten – ein ungewöhnlich hohes Honorar für staatsnahe Transaktionen. Diese und andere Deals verhalfen Leissner zu „hohen Jahresendboni“, behauptet die Anklage.

Das Problem: Laut den Ermittlern ging es bei den Geschäften nicht mit rechten Dingen zu. Demnach zahlte Leissner Schmiergelder, um die Aufträge von 1MDB zu ergattern, außerdem veruntreute er Gelder aus dem Fonds. Laut Gerichtsakten wurden mehr als 2,7 Milliarden der eingenommenen 6,5 Milliarden Dollar abgezweigt. Der Skandal kam ans Licht, als 681 Millionen Dollar auf privaten Bankkonten des malaysischen Premierministers auftauchten und Ermittlungen auslösten. Goldman beurlaubte Leissner im Januar 2016.

Leissner hat sich im Zusammenhang mit dem weltweiten Betrug in Sachen Bestechung und Geldwäsche schuldig bekannt. Bei ihm wurden 44 Millionen Dollar (39 Millionen Euro) beschlagnahmt.

Ng, der als Leiter des Investmentbankings in Malaysia federführend an den 1MDB-Geschäften beteiligt war, steht als einziger weiterer Ex-Goldman-Banker vor Gericht. Beiden drohen jahrzehntelange Haftstrafen. Ng will das Verfahren durchkämpfen. Seine Anwälte stellen ihn als Leissners Gehilfen dar, als einen gewissenhaften Banker, der als Erster die Goldman-Compliance vor dem Treiben des malaysischen Finanziers Jho Low gewarnt habe.

Hat die Bank die dubiosen Geschäfte dennoch zugelassen? Fakt ist: Goldman hat 2020 fünf Milliarden Dollar Buße bezahlt und entschuldigte sich dafür, das Gesetz gebrochen zu haben. Die Bank lehnte auf Anfrage einen Kommentar ab. Nun beobachtet die Wall Street das Verfahren mit Argusaugen.

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Mit Material von Bloomberg.

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