Ukraine-Krieg: Russland liefert seit Kriegsausbruch mehr Gas nach Europa
Trotz der massiven Preisspitzen liefert Moskau seit gut einem Jahr nicht mehr Gas als es vertraglich muss.
Foto: dpaDüsseldorf. Die Angst vor einem Stop russischer Erdgaslieferungen ist groß. Tatsächlich geschieht seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine genau das Gegenteil. Seit Donnerstag nehmen die russischen Gaslieferungen nach Deutschland deutlich zu. „Wir sehen einen starken Anstieg. Mittlerweile kommt über den Abnahmepunkt über die Ukraine in die Slowakei fast doppelt so viel Erdgas aus Russland wie noch vor zwei Tagen“, erklärt Energie-Analyst Andreas Schroeder vom Marktforschungsinstitut Icis. Der Grund: „Russisches Gas ist gerade günstiger als das Gas, das an der Börse gehandelt wird“, so Schroeder.
Die auf den ersten Blick paradoxe Situation erklärt sich aus der Struktur des europäischen Gasmarktes. Dieser steht auf zwei Säulen. Große Versorger wie Uniper haben Rahmenverträge mit Gazprom, dem großen russischen Gasproduzenten. Diese Verträge sichern den Unternehmen das Recht ein, über einen gewissen Zeitraum bestimmte Mengen zu einem festgelegten Preismechanismus zu beziehen.
Die zweite Säule ist der Spotmarkt, auf dem Gas zu tagesaktuellen Preisen gehandelt wird. Am Spotmarkt hat der Ausbruch des Krieges zu einem erheblichen Preisanstieg geführt. Am Donnerstag stieg der Preis für eine Megawattstunde (MWh) Erdgas an der niederländischen Börse TTF zeitweise um bis zu 60 Prozent. Am Freitag ist er wieder gefallen und liegt aktuell bei 91 Euro. Zu Beginn der Woche betrug er allerdings noch 72 Euro je MWh.