Ukraine-Konflikt: Erdogan hält Bosporus-Meerenge für Russland offen
Russland hat bereits Mitte Februar zahlreiche Kriegsschiffe über die Meerengen am Bosporus ins Schwarze Meer verlegt. (Foto: Can Merey/dpa)
Foto: HandelsblattDer türkische Präsident habe Selenski nicht gesagt, dass die Türkei die Meerengen zum Schwarzen Meer für russische Kriegsschiffe geschlossen habe oder schließen werde, sagte ein türkischer Beamter mit direkter Kenntnis der Situation. Die Türkei bewerte das Thema rund um die Meerenge am Bosporus und den Dardanellen noch. Die Äußerungen Selenskis „spiegeln nur seine Erwartungen wider“, erklärte der Beamte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.
Türkei dementiert im Ukraine-Krieg Sperrung der Bosporus-Durchfahrt
Selenski hatte nach einem Gespräch mit Erdogan am Samstag auf Twitter geschrieben, er danke ihm für die Unterstützung. „Das Verbot der Durchfahrt von russischen Kriegsschiffen ins Schwarze Meer und die erhebliche militärische und humanitäre Unterstützung für die Ukraine sind heute von größter Bedeutung. Das werden die Ukrainer nie vergessen!“, tweetete der ukrainische Präsident.
Die Türkei hat die Hoheit über die Meerengen, die Mittelmeer und Schwarzes Meer verbinden. Durchfahrtsrechte sind im Vertrag von Montreux von 1936 geregelt. In Kriegszeiten kann Ankara alleinig über die Schließung entscheiden. „Der Vertrag verpflichtet die Türkei, die Meerengen zu schließen, wenn Krieg im Schwarzen Meer herrscht und die Türkei nicht beteiligt ist“, sagte Sinan Ülgen, Vorsitzender des türkischen Zentrums für Wirtschaft und Außenpolitik Edam.
Russische Schiffe könnten trotz Verbot am Bosporus durch Meerenge
Ein weiterer Passus bestimmt allerdings, dass Schiffe von Schwarzmeer-Flotten auch im Kriegsfall noch in ihre Heimathäfen zurückkehren dürfen. Davon würde Russland dann vermutlich Gebrauch machen, so Ülgen.
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Hintergrund der ukrainischen Bitte zur Blockade der Meerengen dürfte der Versuch sein, Russland daran zu hindern, weitere Kriegsschiffe in das Schwarze Meer zu bringen. Moskau hat in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Kriegsschiffe über die Meerengen in das Schwarze Meer geschafft – im Voraus eines Militärmanövers Mitte Februar.