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Österreichischer ÖlkonzernVorstandschef Sterns Erfolg beim Umbau von OMV – Russland-Geschäft abgeschrieben

Der weitgehende Rückzug aus Russland müsste für Unruhe sorgen, ebenso die Transformation zur Petrochemie. Doch der Chef hat den Ölkonzern im Griff.Daniel Imwinkelried 08.03.2022 - 11:33 Uhr Artikel anhören

Der Konzern betreibt drei Raffinerien in Österreich, Deutschland und Rumänien.

Foto: imago/ITAR-TASS

Wien. Im Jahr 1968 war das österreichische Erdölunternehmen OMV die erste westliche Firma, die mit der damaligen UdSSR einen Gasliefervertrag abschloss. Dieses Kapitel geht nun weitgehend zu Ende: Für OMV sei Russland keine Kernregion mehr, wie Firmenchef Alfred Stern vor wenigen Tagen bekannt gab.

Der Konzern versucht nun, seine Verbindungen nach Russland möglichst zu kappen, die Beteiligung am Gasfeld Juschno Russkoje von 24,99 Prozent soll verkauft werden. OMV wird aber zunächst eine Wertanpassung von bis 800 Millionen Euro vornehmen müssen. Noch umfangreicher ist die komplette Abschreibung auf den Kredit, den OMV Nord Stream 2 gewährt hatte. Er liegt bei 987 Millionen Euro.

Doch OMV wird den Rückzug aus Russland einigermaßen glimpflich überstehen. „Die finanziellen Folgen erachten wir als verkraftbar“, schreiben die Analysten von der Bank Erste Group.

Wirtschaftlich ging es OMV jüngst blendend, und Firmenchef Stern war sichtlich stolz, als er Anfang Februar das Geschäftsergebnis für das Jahr 2021 präsentierte. Der operative Gewinn erreichte einen Rekordwert. Und beim Cashflow habe man ein „vollkommen neues Niveau“ erreicht, sagte Stern.

Selbstverständlich profitierte OMV wie andere Unternehmen des Sektors auch vom gestiegenen Erdölpreis und der Förderdisziplin der Mitgliedsländer des Kartells Opec+.

Erdöl zu hochwertigem Kunststoff verarbeiten

Daneben befindet sich OMV aber in einer Transformation, die sich bereits auszahlt. Das Unternehmen verfolgt die Strategie, sich zur Petrochemiegesellschaft zu wandeln. So will man etwa das geförderte Erdöl nicht mehr nur als Kraftstoff verbrennen, sondern teilweise zu hochwertigem Kunststoff verarbeiten.

Mehr als ein Drittel des operativen Gewinns von OMV stammte bereits 2021 aus dem Bereich Chemicals & Materials. Auch hier profitieren die Österreicher von höheren Preisen, und zwar für Kunststoffe.

Diese Transformation hat bereits Sterns Vorgänger, der Deutsche Rainer Seele, eingeleitet. Allerdings war er mit seinen Plänen auf großen Widerstand gestoßen. Die Manager der Erdölsparte intrigierten gegen ihn und versuchten, den Wandel von OMV zu hintertreiben. Zeitweise bestimmten bei OMV Querelen den Alltag.

Stern, der OMV seit September 2021 führt, ist es gelungen, wieder Ruhe ins Unternehmen zu bringen. Beobachter attestieren ihm Bodenhaftung, eine ruhige Hand und Stressresistenz. Er wirke integrativ und gehe auf die Sorgen der Mitarbeiter ein, heißt es. Die teilweise heftige Kritik an der Transformation ist weitgehend verstummt, was auch mit den guten Geschäftszahlen zusammenhängen dürfte.

Der neue Chef ist gelernter Kunststofftechniker

Stern hat aber auch den passenden beruflichen Werdegang, um OMV in die Zukunft zu führen. Der Manager, gebürtig aus der Steiermark, stammt nicht aus dem traditionellen Erdölgeschäft, sondern ist Kunststofftechniker. Von 2018 bis 2021 führte er das Chemieunternehmen Borealis. Mittlerweile besitzt OMV 75 Prozent an dieser Gesellschaft. Sie bildet den Motor der Transformation.

Stern, 57 Jahre alt, kommt auch zugute, dass er anders als sein Vorgänger Seele die Rückendeckung von Aufsichtsratschef Mark Garrett hat. Dieser war einst selbst Chef von Borealis und hat den Strategiewandel von OMV gegen alle Widerstände durchgeboxt.

Im Unterschied zu OMV ist die Lage in Österreich derzeit eher ungemütlich. Das Land bezieht rund 80 Prozent seines Gases aus Russland. Groß hinterfragt hat man diese Abhängigkeit nie. Vielmehr haben sich die Regierungen jeweils mit dem Argument Mut gemacht, Russland habe jahrzehntelang zuverlässig geliefert und werde davon nicht abrücken.

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Mittels Reisediplomatie versucht Österreichs Regierung nun, neue Quellen zu erschließen. Am Wochenende hat Bundeskanzler Karl Nehammer deshalb Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar besucht.

Zum Reisetross gehörte auch OMV-Chef Stern. Wunder sind trotzdem keine zu erwarten, auch wenn Abu Dhabi einen Anteil von 24,99 Prozent an OMV besitzt. Österreichs Absicht, aus Abu Dhabi grünen Wasserstoff zu beziehen, ist bestenfalls ein sehr langfristiges Projekt. Und um das Erdgas von Katar wetteifern derzeit viele Länder.

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