Online-Gebrauchtwagenhändler: Auto1 rechnet mit geringerem Wachstum – Aktie bricht um bis zu 16 Prozent ein
An der Börse scheint der Abwärtstrend von Auto1 vorerst gestoppt zu sein.
Foto: Reuters„Wir sehen uns mit stark steigenden Gebrauchtwagenpreisen konfrontiert, und der Krieg in der Ukraine sorgt dafür, dass sich die Menschen verstärkt Sorgen machen, was sich eben in Teilen auch auf die Nachfrage zumindest in Osteuropa auswirkt“, sagte Firmenchef Christian Bertermann der Nachrichtenagentur Reuters.
Im vergangenen Jahr waren die Erlöse noch um 69 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro geklettert und lagen damit über der im November angehobenen Prognose. Im vierten Quartal reichte es sogar zu einem Plus von 99 Prozent.
Am Aktienmarkt kam der Ausblick nicht gut an. Nach anfänglichen Gewinnen drehte das Papier deutlich ins Minus und verlor bis zum Nachmittag fast 16 Prozent. „Der Rückgang unseres Aktienkurses spiegelt nicht die Entwicklung des Unternehmens wider“, sagte Bertermann, dessen Firma erst kürzlich in den Kleinwerteindex SDax abgestiegen war. Das Unternehmen – in Deutschland für die Plattform „wirkaufendeinauto.de“ bekannt – ist erst seit Februar 2021 an der Börse, der Ausgabepreis hatte 38 Euro betragen.
Ein Händler sagte angesichts der hohen Spritpreise: „Mit der Gesamtsituation wackelt auch ein bisschen das Geschäftsmodell.“
Übergang zur Elektromobilität ist eine Herausforderung
Auto1 kämpft mit zwei Entwicklungen. Zum einen treibt die aktuelle geopolitische Krise die Inflation nach oben. Damit schrumpfen die Budgets der privaten Haushalte, die sich in den kommenden Monaten wahrscheinlich mit großen Anschaffungen stärker zurückhalten werden. Dass die Preise für gebrauchte Autos stark gestiegen sind, dürfte die Nachfrage zusätzlich bremsen.
Hinzu kommt der Trend zur Elektromobilität. Die Spritpreise sind so hoch wie nie zuvor und werden wohl auch so schnell nicht wieder deutlich sinken. „Mit dem Anstieg der Benzinpreise ist die Suche nach Elektroautos sprunghaft in die Höhe geschnellt“, sagte der Auto1-Chef. „Das E-Auto-Segment wächst aber schon seit einiger Zeit sehr stark.“ Sprich: Das Angebot an Gebrauchten ist hier überschaubar.
Grundsätzlich geht das Auto1-Management davon aus, von der Elektromobilität profitieren zu können. Das Unternehmen übernimmt die Gebrauchten und checkt diese vor einem Weiterverkauf. Dieser Aufwand sinkt beim Elektroauto. „Eine Batterie und ein E-Motor sind deutlich einfacher zu prüfen als ein Verbrenner“, hatte Bertermann beim Börsengang Anfang vergangenen Jahres dem Handelsblatt gesagt.
Problematisch ist allerdings der Übergang zwischen beiden Welten. Auto1 nimmt die Wagen zunächst auf die eigene Bilanz. Findet ein Fahrzeug länger keinen Abnehmer, drohen Wertverluste und Abschreibungen. Bei Verbrennern kann genau das nun passieren.
Hinzu kommt: Die Anleger machen derzeit um Unternehmen, die Verluste schreiben, einen Bogen. Das zeigt sich etwa bei Delivery Hero. Der Dax-Wert hat seit Ende vergangenen Jahres rund 70 Prozent eingebüßt.
Verkäufe an Privatkunden legen deutlich zu
Auto1 hat seinen bereinigte Betriebsverlust (Ebitda) im vergangenen Jahr auf 107,1 Millionen Euro sogar ausgeweitet. 2020 betrug das Minus noch 15,2 Millionen. Das liegt vor allem an den Investitionen in das noch recht junge Geschäft mit Endkunden. Es soll das bisherige Kerngeschäft mit Händlern ergänzen. Die unter der Marke Autohero laufende neue Sparte wuchs im vergangenen Jahr stark. „Die Mehrzahl der Kunden, die ein Auto online gekauft haben, will auch ihren nächsten Wagen wieder im Netz kaufen. Die Zukunft in unserem Markt ist das Onlinegeschäft“, sagte Bertermann.
In Summe will das Unternehmen in diesem Jahr zwischen 650.000 und 770.000 Fahrzeuge verkaufen. Im vergangenen Jahr waren es 596.731, 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Rohergebnis stieg 2021 um 51 Prozent auf 431 Millionen Euro und soll dieses Jahr 470 bis 580 Millionen Euro erreichen.
Unter dem Strich wird das Unternehmen wegen hoher Investitionen, unter anderem in gläserne Auslieferungstrucks, das Personal und Marketingausgaben, weiter Verluste schreiben. Die bereinigte Ebitda-Marge soll 2022 zwischen minus 2,0 und minus 3,0 Prozent liegen. Wie niedrig die Marge 2021 war, dürfte erst zur Veröffentlichung des Geschäftsberichts am 8. April klar sein.
Mit Agenturmaterial