Frankreich vor der Wahl: Macron unter Druck: Darum ist ein Sieg der Rechtspopulistin Le Pen denkbar
Wie gefährdet ist die Wiederwahl des französischen Präsidenten? Ein Sieg der Rechtspopulistin Le Pen scheint plötzlich nicht mehr ausgeschlossen.
Foto: AP, Imago, actionpressParis. Emmanuel Macron blickt erwartungsvoll in den Königshof von Versailles. Hinter ihm erhebt sich die Prunkfassade des Barockpalastes, in dem einst die französischen Könige residierten. Im Abstand von wenigen Minuten rollen Limousinen durch das goldene Portal auf den Platz, aus denen die Spitzenpolitiker der Europäischen Union steigen. Bei jedem Gast spielt das Musikcorps der Republikanischen Garde eine Bläserfanfare.
Macron schüttelt Hände, umarmt, gibt Küsschen. Der Präsident der Republik hält Hof. Bevor Macron hinter den Schlossmauern verschwindet, bleibt er vor den Kameras stehen und mahnt: „Europa muss sich verändern.“ Es sei die Zeit für „historische Entscheidungen“ und eine „größere Unabhängigkeit unseres Europas“.
Beim Gipfeltreffen in Versailles Anfang März zelebriert Macron den Höhepunkt seines politischen Einflusses. Seine Vision einer „souveränen EU“, die auch militärisch auf eigenen Beinen steht, hat durch den Angriffskrieg von Wladimir Putin gegen die Ukraine eine erdrückende Aktualität bekommen. Selbstbewusst formuliert Macron den französischen Führungs- und Reformanspruch in Europas Staatengemeinschaft.
In der Heimat konnte sich Macron zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich entspannt auf eine zweite Amtszeit einstellen, auch wenn er zwischen den europäischen Gesprächen über Sanktionen und den Telefonaten mit Putin kaum zum Wahlkampf kommt. In den Umfragen profitiert er von seiner Rolle als Krisenmanager, seinem Auftritt als Beschützer der Nation.