Interview: Axa-Chef Thomas Buberl: „Mit Le Pen würde eine Phase der Unsicherheit beginnen“
„Wir müssen alles Mögliche bei den Sanktionen tun, um den Krieg zu beenden. Das gilt gerade auch für das Thema Energie und Gas.“
Foto: ddpParis. Thomas Buberl sticht aus gleich zwei Gründen aus dem Kreis der Chefs der im französischen Leitindex notierten Konzerne hervor: Mit 49 Jahren ist der Vorstandsvorsitzende des Versicherungsriesen Axa noch relativ jung – und er kommt aus Deutschland.
Der Kenner der beiden größten Wirtschaftsnationen der EU blickt im Handelsblatt-Interview auf die Lage im Nachbarland vor der Präsidentschaftswahl, die mit der ersten Runde am Sonntag beginnt. Zwei Wochen später findet dann eine Stichwahl statt, in der sich die beiden bestplatzierten Kandidaten des ersten Wahlgangs gegenüberstehen. Den Umfragen zufolge dürften das wie schon 2017 der nun amtierende Staatschef Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen sein.
Lesen Sie hier das Interview:
Herr Buberl, Umfragen deuten auf ein knappes Rennen zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen bei der französischen Präsidentschaftswahl hin. Hätten Sie mit dieser Zitterpartie gerechnet?
Mit dieser Lage hätten vor einigen Monaten sicher nur wenige gerechnet. Doch es war auch sehr schwer vorherzusagen, was genau passiert, weil der Wahlkampf viele Besonderheiten hatte. Le Pen tritt ganz anders auf und konzentriert sich auf das Thema Kaufkraft. Macron kann wegen des Krisenmanagements im Ukrainekrieg kaum Wahlkampf machen. Es gibt neue Kandidaten wie Éric Zemmour, der erst viel Erfolg hatte und dann wieder in Umfragen abgefallen ist. Es gibt die Kandidatinnen der Sozialisten und der konservativ-bürgerlichen Republikaner, die nicht oder kaum durchdringen. Die Dynamik des Wahlkampfs war nicht immer klar.