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Ukraine-KriegSpenden für den Krieg: Die Ukraine macht jetzt Crowdfunding für Drohnen

Spendensammeln über das Internet ist längst etabliert. Ein ukrainischer Entertainer will über diesen Weg jetzt an Geld für Drohnen kommen.Maria Kotsev 13.04.2022 - 10:29 Uhr Quelle: TagesspiegelArtikel anhören

Die Ukraine finanziert ihre Armee nun zusätzlich durch Crowdfunding.

Foto: Handelsblatt

Eigentlich kennen viele Ukrainer:innen Serhiy Prytula mit seinem Drei-Tage-Bart und verschmitzten Lächeln als das Gesicht einer Talent-Show oder als Moderator des Gesangswettbewerbs „Vidbir“, bei dem die ukrainischen Kandidat:innen für den Eurovision Song Contest ausgewählt werden.

Zwischendurch versuchte er sich auch als Politiker und kandidierte für das ukrainische Parlament sowie für den Bürgermeisterposten in Kiew. Seit der Krieg in der Ukraine ausgebrochen ist, kämpft Prytula als Freiwilliger in der ukrainischen Armee. Seine Berühmtheit nutzt er weiterhin – etwa um unbemannte Kampfdrohnen und Militärausrüstung für die Armee zu finanzieren.

Damit ist er nicht der einzige, der zu Crowdfundings für Drohnen, Waffen und Schutzausrüstung zugunsten der Ukraine aufruft. Die ukrainische Nationalbank hat ein Spendenkonto eingerichtet, auf das man über den Zahlungsdienst Paypal Geld für das ukrainische Militär spenden kann.

Angeblich sollen auf diesem Wege bereits 421 Millionen Euro an das Militär überwiesen worden sein. Die ukrainische Botschaft in Prag rief kürzlich auch zu Spenden auf, ebenso wie die ukrainische Stiftung „Come Back Alive“.

Aber auch deutsche Vereine sammeln etwa Geld für Schutzausrüstung. Diese teils staatlichen, teils privaten Spendenkampagnen finden vor dem Hintergrund der Diskussion über Waffenlieferungen an die Ukraine statt.

Besonders Deutschland hat sich lange zurückgehalten –die 5000 Helme, die die Bundesregierung lieferte, wurden zum Sinnbild für die fehlende Solidarität, die die Ukraine Deutschland vorwarf.

Drohnensystem in drei Stunden finanziert

Das Militär in der Ukraine wünscht sich neben Helmen jedenfalls auch Waffen: Drohnen spielen im Krieg eine bedeutende Rolle, dem Modell Bayraktar TB2 widmet sich in der Ukraine sogar ein Pop-Song und die US-Armee bildet derzeit eine kleine Zahl ukrainischer Soldaten an der Kamikaze-Drohne „Switchblade“ aus.

Ich habe den Satz ‚Das ist unmöglich‘ in meinem Leben schon zu oft gehört, um auf ihn zu hören.
Serhiy Prytula auf Facebook

„Ich habe den Satz ‚Das ist unmöglich‘ in meinem Leben schon zu oft gehört, um auf ihn zu hören“, schrieb Serhiy Prytula auf Facebook. Darunter sieht man ein Foto von einer Kampfdrohne auf einem Feld, die aussieht wie ein weißes Miniaturflugzeug, mit Tragflächen und Propellern links und rechts.

Dieses „coole, unbemannte System“ habe Prytula für die ukrainischen Streitkräfte mithilfe eines Spendenaufrufs gekauft, bei dem 300.000 Euro herumgekommen sein sollen. In nur drei Stunden. So schreibt er es zumindest.

Das System umfasse zwei Drohnen, ein Hybridmodell mit Benzinmotor. Die Flugzeit betrage bis zu acht Stunden, die Flugreichweite bis zu 850 Kilometer. Jedes Fluggerät könne bis zu 25 Kilogramm transportieren.

Seit 2014 werden Waffen gecrowdfundet

Crowdfundings gelten in Deutschland zumindest eher als Weg, um schnell an Geld für soziale Projekte zu gelangen, für die keine staatliche Förderung beantragt werden dann, oder in Fällen, in denen ein solcher Antrag zu langwierig und bürokratisch scheint. Doch in der Ukraine ist die Praxis, Waffen zu crowdzufunden bereits seit dem Kriegsbeginn 2014 im Osten des Landes gängig – und gilt als wohltätiger Zweck.

So nannte die ukrainische Regierung damals den Verein „Come Back Alive“, der unter anderem kugelsichere Westen für die ukrainischen Kämpfer im Donbass crowdfundete, den „wichtigsten Wohltätigkeitsfonds der Ukraine“.

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Doch wo verläuft die Grenze zwischen Wohltätigkeit und Kriegsfinanzierung? Für ein Land, das sich im Krieg befindet, ist diese Grenze wohl schwer zu definieren. Und wo verläuft sie für außenstehende Akteure?

12.300 Euro nach Spendenaufruf

Diese Frage hat sich auch der Berliner Verein „Crisp“ gestellt. Er engagiert sich im sozialen Bereich und war zum Beispiel seit Beginn des Ukraine-Krieges auch in der Flüchtlingshilfe aktiv. „Wir als Verein haben uns bewusst dazu entschieden, auch Geld für Schutzwesten für die Ukraine zu sammeln“, sagt Kateryna Pavlova dem Tagesspiegel Background.

Zuerst lieferte Crisp nur humanitäre Güter wie Kleidung oder Essen an die ukrainische Grenze. Doch dort, so erzählt es Pavlova, hätten die Ukrainer:innen gesagt: „Danke dafür, aber nächstes Mal brauchen wir bitte Schutzwesten.“ Daraufhin habe Crisp entschieden, der Bitte nachzukommen.

Bei einem Spendenaufruf kamen 12.300 Euro zusammen. Eine Schutzweste koste Pavlova zufolge bei dem britischen Hersteller, von dem sie die Ausrüstung beziehen, 800 Euro.

Friedens- und Konfliktforscher Ulrich Kühn von der Universität Hamburg sagt dem Tagesspiegel Background, dass Spendenwillige sich zunächst „sehr genau nach der Legitimität der Spendensuchenden und der Transparenz der Verwendung“ erkundigen sollen.

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Letztlich solle man sich darüber im Klaren sein, dass man mit einer Spende indirekt das Kriegsgeschehen in der Ukraine beeinflusse und somit indirekt auch Teil des Konflikts werde. „Attraktiv könnte diese Möglichkeit für Spender sein, welche die nationalen Anstrengungen ihrer jeweiligen Regierung in der Unterstützung der Ukraine als nicht ausreichend ansehen“, sagt Kühn.

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