Kommentar: Berkshire Hathaway: Warren Buffett übersieht diese zwei großen Risiken
Der Berkshire-Hathaway-CEO ist gleichzeitig Verwaltungsratschef.
Foto: dpaDas Timing hätte nicht besser sein können: Warren Buffett begrüßte seine Aktionäre am Wochenende zum legendären Aktionärstreffen in Omaha, Nebraska. Und das zu einer Zeit, in der die Aktie – endlich – wieder zu den Gewinnern gehört, und beweist, dass Buffetts Strategie, auf Industrie- und Energiekonzerne zu setzen, aufgeht. Sein Konglomerat Berkshire Hathaway ist für Zeiten steigender Zinsen ideal positioniert. Die erste persönliche Begegnung mit seinen Anteilseignern seit Beginn der Pandemie nutzte der Star-Investor und CEO daher auch, um die eigenen Erfolge zu feiern.
Doch die Hauptversammlung, die Buffett „das Woodstock für Kapitalisten“ getauft hat, deckte zwei große Schwachstellen auf, über die sich Aktionäre trotz der jüngsten Erfolge im Klaren sein müssen. Erstens: Indexfonds gewinnen immer mehr Einfluss. Das ist für ein ungewöhnliches Unternehmen wie Berkshire Hathaway besonders riskant.
Buffetts langjähriger Weggefährte und stellvertretender Verwaltungsratschef Charlie Munger bezeichnet die drei großen Index-Anbieter Blackrock, Vanguard und State Street als die neuen „Kaiser“, die überproportional viel Macht am Aktienmarkt haben und diese bei Hauptversammlungen auch immer stärker ausspielen. Lawrence Cunningham, Jura-Professor an der George Washington University schätzt, dass Indexfonds mittlerweile gut 25 Prozent der Berkshire-Stimmen kontrollieren.
Damit kommen sie Buffett immer näher, der 31 Prozent der Stimmrechte hält und diese weiter abbauen wird. Denn Buffett spendet jährlich Aktien und hat festgelegt, dass nach seinem Tod sein Vermögen an Stiftungen geht, die die Papiere schrittweise verkaufen werden. Ein Antrag, Buffett duale Rolle als CEO und Verwaltungsratschef zu trennen – eine gängige Forderung in Deutschland genauso wie in den USA – bekam in diesem Jahr nicht die nötigen Mehrheiten.
Doch das muss nicht immer so bleiben. Für viele Unternehmen mag diese Rollenteilung gut sein. Für Berkshire hätte sie Nachteile. Buffett, der den Konzern seit 57 Jahren führt, hat erst in den vergangenen Wochen gezeigt, dass seine Aktionäre davon profitieren, wenn er unbürokratisch und schnell handeln kann. Den Versicherer Alleghany übernahm er in wenigen Tagen für knapp 12 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal kaufte er mal eben Aktien im Wert von 50 Milliarden Dollar und musste sich dabei nicht durch diverse Abstimmungsprozesse gehen.
Warren Buffetts Nachfolger steht im Hintergrund
Da hilft es nicht, dass Berkshire, zweitens, vor großen Umbrüchen steht. CEO Buffett ist 91, Munger ist sieben Jahre älter. Schon vor Jahren hat Buffett – auf dem Papier – seine Nachfolge geregelt: Der Chef der Energiesparte, Greg Abel soll eines Tages den Posten des Vorstandschefs übernehmen. Abel wurde 2018 bereits zum stellvertretenden Verwaltungsratschef befördert, gemeinsam mit Ajit Jian, dem Chef der wichtigen Versicherungssparte.
In den vergangenen Jahren hat Buffett seinem designierten Nachfolger etwas mehr in den Vordergrund treten lassen. Doch das reicht nicht aus. Abel und Jain saßen am Samstag auf der Hauptversammlung mit Buffett und Munger auf der Bühne, jedoch abseits des Rampenlichtes. Buffett hat offenbar zu viel Spaß daran, selbst die Strippen zu ziehen.
So hat der Berkshire-Chef zwar vollstes Vertrauen hat in Abel, doch versäumt er es, seinen Nachfolger jetzt schon in der Öffentlichkeit aufzubauen. Wenn jemand so lange an der Spitze steht wie Buffett, wird der Übergabeprozess besonders riskant. Vertraute sagen, dass Abel souverän auftritt, und genauso hart verhandeln kann wie sein Chef, wenn dieser nicht dabei ist. Auf der Hauptversammlung indes wirkte der 59-Jährige jedoch schüchtern und unsicher.
Dabei wird es Abels wichtigste Aufgabe, das Vertrauen der Aktionäre zu gewinnen. Buffett hat sich über die Jahrzehnte überaus loyale Aktionäre aufgebaut. Doch er kann nicht für selbstverständlich nehmen, dass sie auch loyal zu seinem Nachfolger stehen werden. Hinzu kommt: Die Aktionäre kommen genauso in die Jahre wie Buffett.
Daher ist es umso wichtiger, die nachfolgende Generation davon zu überzeugen, weiter investiert zu bleiben. Buffett täte gut daran, dies zu seinen Lebzeiten noch zu erklären auch wenn das bedeutet, sich selbst etwas zurückzunehmen. Denn scheitert Abel mit seiner Mission, haben die Index-Fonds gewonnen.
Dieser Artikel erschien zuerst am 02.05.2022 um 04:07 Uhr.