Kommentar: In puncto Klimaschutz befinden sich Banken in der Glaubwürdigkeitskrise
Nach dem umstrittenen Auftritt eines Nachhaltigkeitsbankers muss das Top-Management des Geldhauses Schadensbegrenzung betreiben.
Foto: ReutersIst das eine Fälschung oder echt? Auf den ersten Blick wirkt das Video des Auftritts von Stuart Kirk auf einer Konferenz der britischen Zeitung „Financial Times“ wie eine dreiste Satire, die die Scheinheiligkeit der Banker in Sachen Klimaschutz an den Pranger stellen soll.
Der Mann ist für das Thema verantwortungsvolles Investieren bei der Vermögensverwaltungssparte der britischen Großbank HSBC zuständig, und doch lästert Kirk in seiner Präsentation über Klima-„Spinner“, die über das Ende der Welt fantasieren würden. Stattdessen gibt der Nachhaltigkeitsbanker die Devise aus: „Der Klimawandel ist kein finanzielles Risiko, über das wir uns Sorgen machen müssen.“
Das ist gleich auf mehreren Ebenen absurd und peinlich. Der HSBC-Banker unterstellt Politikern, Klimaforschern und Finanzaufsehern, dass sie mit ihrer Einschätzung der Risiken komplett danebenliegen. Er fällt aber auch seinen eigenen Chefs in den Rücken. Quasi alle großen Geldhäuser haben das Thema Nachhaltigkeit als Chance für sich entdeckt.
Zum einen lässt sich mit dem Umbau zu einer grüneren Wirtschaft gutes Geld verdienen, zum anderen können die Banken ihr Engagement in Sachen Klimaschutz nutzen, um das nach der Finanzkrise noch immer ramponierte Image zu reparieren.
Beides funktioniert allerdings nur, wenn das Umweltengagement glaubwürdig ist. Nach Kirks Auftritt werden sich nun viele die Frage stellen: Spricht hier jemand nur das aus, was viele andere Banker denken? Diese Diskussion können sich die Banken schlicht nicht leisten.
„Kulturwandel“ ist ein Begriff, der durch inflationäre und missbräuchliche Benutzung inzwischen desavouiert ist. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Branche einen echten Wandel nicht noch immer bitter nötig hat.