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KrebsforschungMilliardendeal gegen Krebs: Tübinger Biotechfirma schließt Kooperation mit US-Konzern

Der US-Konzern Bristol-Myers Squibb erweitert seine Allianz mit Immatics – und will in die Entwicklung neuer Zelltherapien zur Bekämpfung von Tumoren und Blutkrebs investieren.Siegfried Hofmann 02.06.2022 - 13:52 Uhr Artikel anhören

Mit zielgerichteten Wirkstoffen, Antikörpern, Zelltherapien und mRNA-Technologie kämpft die Pharmabranche gegen Krebs.

Foto: imago images/Panthermedia

Frankfurt. Das Tübinger Biotech-Unternehmen Immatics vertieft seine Partnerschaft mit dem US-Pharmariesen Bristol-Myers Squibb (BMS) durch einen weiteren, potenziell milliardenschweren Vertrag für die Entwicklung neuartiger Zelltherapien gegen Krebs.

Die beiden Unternehmen wollen zusammen bis zu sechs Zelltherapien auf Basis standardisierter genmodifizierter Immunzellen entwickeln. Im Rahmen des Deals leistet BMS eine Vorauszahlung von 60 Millionen Dollar an Immatics. Darüber hinaus hat BMS weitere, erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 700 Millionen Dollar je Entwicklungsprogramm zugesagt, sodass das Gesamtvolumen der Allianz im Extremfall ein Volumen von mehr als 4,2 Milliarden Dollar erreichen könnte.

Für den US-Konzern ist es der zweite große Deal mit einem deutschen Biotechunternehmen innerhalb weniger Wochen. Mitte Mai hatte BMS bereits eine Forschungsallianz mit der Hamburger Evotec für die Entwicklung von Wirkstoffen besiegelt, die schädliche Proteine im Körper abbauen können. Diese Kooperation hat ein Volumen von bis zu fünf Milliarden Dollar.

Im Falle der neuen Allianz mit Immatics geht es um die Entwicklung von sogenannten allogenen T-Zell-Therapien. Dabei werden Immunzellen von gesunden Spendern genutzt, die genetisch umprogrammiert und auf Krebszellen ausgerichtet werden.

Immatics hat dazu ein Verfahren auf Basis von sogenannten Gamma-Delta-T-Zellen entwickelt, die nach Einschätzung des Unternehmens bereits eine natürliche Wirkung gegen Tumorzellen besitzen, die durch genetische Veränderung zusätzlich verstärkt wird. Diese Zellen lösen nach Einschätzung von Immatics zudem keine Abstoßungsreaktionen bei den Empfängern aus.

Behandlungsfortschritte bei Leukämien

Das Tübinger Unternehmen, an dem SAP-Gründer Dietmar Hopp rund 26 Prozent des Kapitals hält, ist auf die Identifikation von T-Zell-Rezeptoren spezialisiert, mit denen die Immunzellen auf Tumore ausgerichtet werden können. Es testet mehrere solcher Therapien bereits mit dem amerikanischen Krebsforschungszentrum MD Anderson.

Zelltherapien mit derart veränderten T-Zellen haben in den vergangenen Jahren einige deutliche Behandlungsfortschritte bei speziellen Blutkrebsarten, etwa Leukämien, gebracht und werden inzwischen auf relativ breiter Front erforscht. Die bisherigen Erfolge beruhten dabei allerdings darauf, dass dabei Immunzellen des jeweiligen Patienten im Labor mit künstlichen Rezeptoren ausgestattet wurden, anschließend vermehrt und dann dem Patienten wieder injiziert wurden.

Diese individuellen (autologen) Zelltherapien erzielten zum Teil sehr hohe Ansprechraten, sind gleichzeitig aber auch kompliziert, zeitaufwendig und sehr teuer. Auch auf diesem Gebiet arbeiten BMS und Immatics bereits seit Längerem zusammen. Diese bereits bestehende Allianz haben die beiden Unternehmen jetzt ebenfalls erweitert, wofür BMS zusätzliche 20 Millionen Dollar an Immatics zahlt.

Allogene Zelltherapien bieten gegenüber den bisher etablierten, Patienten-individuellen Zelltherapien bei Krebs den Vorteil, dass mit einer einzelnen modifizierten Zelllinie eine Vielzahl von Patienten behandelt werden könnten. Sie ermöglichen dadurch theoretisch eine deutlich größere Standardisierung und Kostenvorteile in der Produktion. Sie könnten zudem auf Vorrat produziert werden und wären schneller für eine Behandlung von Krebspatienten verfügbar.

Eine ganze Reihe von Unternehmen arbeiten daher an allogenen Zelltherapien. Bisher sind aber noch keine allogenen Zelltherapien gegen Krebs zugelassen.

Bestätigung der Forschungsstrategie

Für Immatics bedeutet der neue Deal mit BMS eine weitere Bestätigung für die eigene Forschungsstrategie und eine Stärkung der Finanzreserven. Laut aktuellem Quartalsbericht verfügt das Tübinger Unternehmen über Cashreserven von 247 Millionen Euro. An der Nasdaq, wo Immatics seit 2019 gelistet ist, wurde die Firma zuletzt mit 475 Millionen Dollar (etwa 440 Millionen Euro) bewertet.

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BMS ist aktuell Marktführer im Onkologiegeschäft, muss aber in den nächsten Jahren große Patentabläufe bewältigen. Der US-Konzern ist daher intensiv dabei, seine Forschung und Produktentwicklung auszubauen, um die Marktführerschaft in der Krebstherapie zu verteidigen.

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