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  5. Credit Suisse: Wie Chef Thomas Gottstein schlechte Zahlen rechtfertigt

Thomas GottsteinChef der Credit Suisse kämpft um Vertrauen und bügelt Frage um Übernahmegerüchte ab

Thomas Gottstein muss sich wieder einmal für schlechte Zahlen der Schweizer Großbank rechtfertigen. Dabei wirkt er zunehmend dünnhäutig.Jakob Blume 09.06.2022 - 20:09 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Gottstein räumt ein, dass der Fokus der Vermögensverwaltung auf Schwellenländer im aktuellen Marktumfeld ein Belastungsfaktor ist.

Foto: Bloomberg

Zürich. Schrumpfende Erlöse, dazu Gerüchte über seine Ablöse oder feindliche Übernahmen: All das geht auch an Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein nicht spurlos vorüber. Bei einem Auftritt auf einer Konferenz der Investmentbank Goldman Sachs am Donnerstag fuhr er einem Investor über den Mund – er halte sich an den Rat seines Vaters, sagte Gottstein: Auf sehr dumme Fragen sei es besser, gar nicht zu antworten.

Jener Investor hatte gefragt, ob an den Gerüchten etwas dran sei, dass State Street die Credit Suisse übernehmen wolle. Das Portal „Inside Paradeplatz“ hatte am Mittwoch über einen entsprechenden Plan inklusive konkretem Aktienkaufpreis berichtet. Am Donnerstagabend (MESZ) äußerte sich auch State Street zu diesem Gerücht: Man strebe keine Übernahme oder Fusion mit der Credit Suisse an, teilte das Unternehmen aus Boston in einer E-mail mit.

Der gescholtene Investor nahm die Antwort Gottsteins mit Humor: „Ich musste das fragen. Ich hoffe, meine Anschlussfrage ist intelligenter.“ Doch die Episode zeigt: Gottstein fällt es in diesen Tagen schwer, angesichts zahlreicher Negativschlagzeilen Aufbruchsstimmung zu verbreiten.

Die Investorenkonferenz stand bereits unter unguten Vorzeichen: Am Mittwoch hatte die Schweizer Großbank bekannt gegeben, dass sie auch im zweiten Quartal einen Verlust erwartet. Es war die sechste Gewinnwarnung in den vergangenen sieben Quartalen. Grund dafür dürfte ein Verlust in der Investmentbank sein.

Gottstein beschwichtigte am Donnerstag: Die Gewinnwarnung sei eher eine Vorsichtsmaßnahme im Vorfeld der Konferenz gewesen. „Ich habe die Hoffnung auf positive Zahlen noch nicht aufgegeben.“ Die Credit-Suisse-Aktie notierte am Donnerstag dennoch deutlich im Minus, bei unter sieben Franken pro Anteilsschein.

Die Schweizer Bank will in Deutschland wachsen.

Foto: Reuters

Das Dilemma der CS: Die Investmentbank wirft im aktuellen Marktumfeld nicht genug ab, um den Umbau im wichtigsten Geschäftsbereich, der Vermögensverwaltung zu finanzieren. Investitionen etwa, um neue Kundenberater für sehr reiche Kunden einzustellen, müssen durch Einsparungen an anderer Stelle gestemmt werden.

Analyst erwartet auch für 2022 Jahresverlust

So kündigte der Credit-Suisse-Chef an, im Vermögensverwaltungsgeschäft in China weniger Kundenberater einstellen zu wollen. Er sei daher zuversichtlich, die Gesamtkosten der Bank unter das Ziel von 17 Milliarden Franken jährlich drücken zu können, so Gottstein.

Doch Vontobel-Analyst Andreas Venditti warnt: „Zusätzliche Einsparungen dürften auf die Kosten von Investitionen in Wachstum und damit die Erlöse gehen.“ Daher erwartet Venditti für die Credit Suisse 2022 einen Jahresverlust.

Der saisonale Trend im zweiten Halbjahr werde es der Bank erschweren, noch schwarze Zahlen zu schreiben. Was den Wettbewerb weiter erschwert: Die Finanzierungskosten der Credit Suisse liegen deutlich über denen der Konkurrenz.

So sind beispielsweise die Renditen für Kreditausfallversicherungen mit fünfjähriger Laufzeit doppelt so hoch wie jene des Konkurrenten UBS. Das hemmte bereits im April und Mai die Profitabilität der Investmentbank. Und eine Trendumkehr ist vorerst nicht in Sicht.

Zudem räumte Gottstein ein, dass der Fokus der Vermögensverwaltung auf Schwellenländer im aktuellen Marktumfeld ebenfalls ein Belastungsfaktor ist. Zwei Drittel der Erlöse würden in Schwellenländern erwirtschaftet. Osteuropa und Russland litten jedoch unter dem Krieg in der Ukraine, in Asien sorgten zuletzt die Lockdowns in China für sinkende Erträge.

Stattdessen will die Schweizer Großbank in Europa wachsen, vor allem in Deutschland. Doch auch in Europa sieht Gottstein Einsparpotenzial: So leiste sich die Bank noch Buchungsplattformen in Spanien oder Italien. „Da gibt es Möglichkeiten für Vereinfachungen“, so Gottstein – und deutete damit Sparrunden in Südeuropa an.

Anke Reingen, Analystin bei RBC Capital Markets schränkt ein: „Noch stärker an den Kosten zu arbeiten ist positiv, aber das benötigt Zeit.“ Davon hat Thomas Gottstein jedoch nur wenig. Das „Übergangsjahr“, das Gottstein zu Beginn von 2022 ausgerufen hat, ist bereits fast zur Hälfte herum.

Der Plan, den CEO durch einen umfangreichen Vorstandsumbau aus der Schusslinie zu nehmen, schlug fehl. Die persönlichen Angriffe auf Gottstein hatten zuletzt sogar noch zugenommen. Bloomberg hatte kürzlich gemeldet, dass der CS-Chef bereits 2022 abgelöst werden könnte.

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Gegenüber Reuters forderte ein größerer Aktionär Gottsteins Rücktritt. Verwaltungsratschef Axel Lehmann sah sich gezwungen, seinem CEO den Rücken zu stärken. Mit jeder Gewinnwarnung wird es aber schwerer, diese Position durchzuhalten.

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