Gastkommentar – Global Challenges: Weltkrieg mit Waffen und Weizen
Der Autor ist Präsident von United Europa e.V. Er war Ministerpräsident von Baden-Württemberg und EU-Kommissar für Energie, digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Haushalt und Personal.
Foto: Bloomberg [M]Hungersnot als Waffe: Die aktuellen Zahlen werfen ein Schlaglicht auf die beängstigende Lage. Nach Angaben der Welthungerhilfe sind trotz der Beschlüsse des G7-Gipfels zur Ernährungssicherheit weltweit 811 Millionen Menschen akut vom Hunger bedroht, rund zwei Milliarden leiden unter Mangelernährung. Zeitgleich befinden sich gut 100 Millionen Menschen auf der Flucht. Am schlimmsten ist die Lage wieder einmal auf unserem Nachbarkontinent Afrika.
„Afrika ist der Situation hilflos ausgeliefert“, sagte der Präsident der Afrikanischen Union (AU), Macky Sall, Anfang Juni nach einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Sotschi.
Sall rief die Regierung in Kiew auf, die Minen zu entfernen, die das ukrainische Militär zum Schutz vor russischen Angriffen im Schwarzen Meer verlegt hatte. Sanktionen und Minen, so der AU-Chef, verhinderten den Export von Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine – obwohl diese Tonnen zur Vermeidung von Hungersnöten und astronomisch steigenden Getreidepreisen dringend in Afrika gebraucht würden.
Das war ganz im Sinne Russlands, das wohl schon die ersten Schiffe mit Weizen nach Afrika geschickt hat, der aus ukrainischen Silos geraubt wurde. Natürlich folgt Sall, der auch Staatschef im Senegal ist, damit dem Narrativ des Kremlchefs – und verdeutlicht gleichzeitig, wie wenig erfolgreich der Besuch von Kanzler Olaf Scholz jüngst in Dakar war. Nach Ansicht von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron droht Afrika in eine „Falle“ jenes Mannes zu geraten, der die Ukraine überfallen hat und den Weizenengpass als Waffe nutzt, um Stimmung gegen die vom Westen verhängten Sanktionen zu machen.