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Klarna85 Prozent Wertverlust – Das einst wertvollste Start-up Europas stürzt ab

Der Zahlungsdienstleister Klarna bekommt das heikle Marktumfeld zu spüren. Nachdem bereits Mitarbeiter gehen mussten, bricht nun auch die Bewertung ein.Dennis Schwarz 12.07.2022 - 16:22 Uhr Artikel anhören

Im Mai hatte Klarna angekündigt, zehn Prozent seiner Stellen zu streichen.

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Frankfurt. Klarna ist nicht mehr Europas wertvollstes nicht börsennotiertes Start-up. Zwar sammelte der schwedische Zahlungsdienstleister in einer Finanzierungsrunde 800 Millionen Dollar ein, wie das Unternehmen am Montag bekannt gab.

Allerdings sank die Bewertung um 85 Prozent auf nun 6,7 Milliarden Dollar (etwa 6,6 Milliarden Euro). Bei der letzten Finanzierungsrunde im Juni des vergangenen Jahres kam Klarna noch auf eine Bewertung von 45,6 Milliarden Dollar.

Damit bekommt auch der Zahlungsdienstleister das aktuelle Marktumfeld aus Inflation, höheren Zinsen und Ukrainekrieg zu spüren, das Tech-Unternehmen weltweit seit Monaten stark unter Druck setzt. Während der Coronapandemie profitierte die gesamte Paymentbranche noch davon, dass der Onlinehandel boomte und das Wachstum anzog.

„Es gab bei einigen Paymentfirmen hohe Überbewertungen, was sich auch in hohen Übernahmepreisen widerspiegelte. Das Wachstum, das es in der Coronakrise gab, lässt sich so nicht fortschreiben“, sagte Sebastian Maus, Paymentexperte und Partner bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger bereits Ende Mai.

Klarna: Verlust von etwa 245 Millionen Dollar

In der Tat musste Klarna im ersten Quartal dieses Jahres einen Verlust von etwa 245 Millionen Dollar hinnehmen, auch wenn immer mehr Transaktionen über den Zahlungsdienstleister laufen. Im gesamten vergangenen Jahr betrug der Verlust etwa 688 Millionen Dollar.

Klarna-Chef und Co-Gründer Sebastian Siemiatkowski wertete die Finanzierungsrunde am Montag dennoch als Erfolg. Es sei ein Beweis für die Stärke von Klarnas Geschäft, dass die Investoren während des stärksten Einbruchs der globalen Aktienmärkte seit über 50 Jahren die starke Position des Zahlungsdienstleisters anerkannt hätten, sagte er.

Sowohl neue Investoren wie etwa der Staatsfonds Mubadala Investment Company aus Abu Dhabi als auch Bestandsinvestoren wie der US-Wagniskapitalgeber Sequoia beteiligen sich an der Finanzierungsrunde.

„Die Bewertung von Klarna ist ausschließlich darauf zurückzuführen, dass Investoren plötzlich anders votieren als in den letzten Jahren“, sagte Michael Moritz, Partner bei Sequoia.

Klarna gehört zu den bekanntesten sogenannten BNPL-Firmen. Im Fachjargon steht „Buy now, pay later“ (BNPL) für das Bezahlen auf Raten und auf Rechnung beim Onlineshopping. Zudem will Klarna Verbrauchern das Einkaufen im Internet so bequem wie möglich machen, beispielsweise mit einer extra Shopping-App.

Parallel dazu baut Klarna Stellen ab

Ende Mai kündigte der schwedische Zahlungsdienstleister bereits an, jede zehnte Stelle zu streichen. Konkret fallen 700 von insgesamt 7000 Jobs bei Klarna weg. Als Begründung dafür führte Klarna das schwierigere wirtschaftliche Umfeld an. „Als wir im vergangenen Herbst unsere Geschäftspläne für 2022 gemacht haben, sah die Welt noch sehr anders aus als heute“, erklärte Siemiatkowski damals.

Damit dürfte Klarna auch den Begriff der sogenannten „Downrounds“ völlig neu definiert haben. „Downrounds“ bezeichnen Finanzierungsrunden, bei denen die Bewertung von Start-ups sinkt. In diesem Jahr wächst die Sorge vor solchen Finanzierungsrunden aufgrund des Marktumfelds besonders. Nun ist die Bewertung von Klarna allerdings in einer ganz neuen Größenordnung eingebrochen.

Neues wertvollstes nicht börsennotiertes Start-up in Europa ist damit das Zahlungsunternehmen Checkout.com. Die Briten haben im Januar dieses Jahres eine Milliarde US-Dollar eingesammelt und ihre Bewertung von 15 auf 40 Milliarden Dollar gesteigert.

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Erstpublikation: 11.07.22, 16:34 Uhr.

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