Luftfahrt: Trotz Rekord-Ausfällen: Fluglotsen sehen mehr Verkehr am Himmel als erwartet
Fluglotsen überwachen den Luftverkehr.
Foto: dpaLangen. Eine gute Nachricht im Reisechaos an Deutschlands Flughäfen: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sieht sich für die gestiegene Nachfrage gut vorbereitet. „Die DFS baut Kapazität auf und steht dafür, dass die weitere Entwicklung des Luftverkehrs gewährleistet ist“, sagte Arndt Schoenemann, der CEO der DFS, am Mittwochvormittag in Langen bei Frankfurt.
Zwar steige der Verkehr deutlich stärker an als erwartet. Aber „wir haben in der Krise kein Personal abgebaut, wir haben Personal aufgebaut“, erklärte Schoenemann. 2020 und 2021 seien 100 Auszubildende eingestellt worden, in diesem Jahr 140 Auszubildende.
Der Nachwuchs wird dringend benötigt. Die große Reiselust nach über zwei Jahren Pandemie ist nicht die einzige Herausforderung der rund 2200 Fluglotsen der DFS. Auch der Ukrainekrieg hat Folgen für die Flugsicherung. Schoenemann sagte: „Wir haben Sperrungen im Luftraum um die Ukraine herum. Wir sehen eine Verkehrsverlagerung zu unseren Lufträumen hin.“
Während im sogenannten unteren Luftraum weniger Flüge stattfinden, sind es im oberen mehr. Im oberen Luftraum, der bei einer Höhe von 7,5 Kilometern beginnt, finden Überflüge statt.
Wegen der Sperrungen fliegen die Airlines andere Routen als früher. Das gilt etwa für Flüge in Richtung Asien. „In einzelnen Sektoren gibt es zu Spitzenzeiten sogar doppelt so viel Verkehr wie 2019“, sagte Schoenemann.
Flugsicherung sieht sich nicht als Verspätungstreiber
Zusätzlicher Verkehr kommt nach Deutschland, weil die Flugsicherung in Frankreich ein neues System einführt und deshalb nicht voll ausgelastet ist. Hinzu kommt ein Anstieg des militärischen Luftverkehrs wegen des Krieges. Laut Schoenemann hat dieser seit Kriegsausbruch um bis zu 60 Prozent zugenommen. „Diese Korridore können, wenn sie für das Militär aktiviert werden, nicht für den zivilen Luftverkehr genutzt werden.“
Trotz dieser Zusatzbelastung sei die DFS nicht der Treiber der Verspätungen, sagte der DFS-Chef. Die durch die Flugsicherung verursachten Verspätungen lägen im Schnitt unter zwei Minuten pro Flug. Auch die Zahl der Coronafälle sei aktuell nicht im kritischen Bereich. „Wir beobachten die Pandemie sehr genau und können relativ kurzfristig reagieren.“
Schichtdienst, ständige Aufmerksamkeit, gute Englischkenntnisse – die Deutsche Flugsicherung sucht Nachwuchs, doch die Anforderungen sind hoch.
Foto: dpaDie Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hatte kürzlich zwar von einer nicht gerade „rosigen Personalsituation“ bei der DFS gesprochen. Dort seien vom Management aber weder Kurzarbeit noch Entlassungen initiiert worden, lobte die Gewerkschaft das Vorgehen.
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Der Einbruch des Luftverkehrs wegen der Pandemie führte dazu, dass der staatlichen DFS in den beiden Pandemiejahren 2020 und 2021 jeweils über 500 Millionen Euro an Einnahmen fehlten. Um das teilweise auszugleichen, hat die DFS die Gebühren für An- und Abflüge erhöht, in anderen Bereichen wurden die Gebühren dagegen gesenkt.
Gleichzeitig erhielt das Unternehmen vom Bund einen Eigenkapitalzuschuss von 300 Millionen Euro. Die Gesamtleistung – der Umsatz zu Bruttowerten – der DFS lag 2021 bei 866 Millionen Euro. Für das laufende Jahr erwartet das Management 1,13 Milliarden Euro.