Kommentar: Elon Musk besinnt sich, wird aber weiter Kapriolen schlagen
Der Tesla-Chef hat sich von seinen Twitter-Übernahmeplänen verabschiedet.
Foto: dpaKennen sie die kleine Geschichte von Christian Morgenstern „Glück und Unglück“? Als einem Bauer ein Pferd wegläuft, bedauern ihn die Nachbarn: Was für ein Unglück. Aber das Pferd kommt mit einem Wildpferd zurück. Da heißt es: Was für ein Glück.
Der Text von dem deutschen Dichter kommt einem bei Elon Musk in den Sinn. Lange galt das von ihm geführte Tesla als fast immun gegen Chipkrise und Lieferkettenprobleme. Doch den Elektroautohersteller erwischte es im zweiten Quartal voll: Die Produktion brach ein.
Wettbewerber wie VW-Chef Herbert Diess rieben sich schon die Hände, sie wollen die Schwäche von Tesla ausnutzen. Doch die Krise scheint sich segensreich auf Musk auszuwirken. Im Mai bezeichnete er neue Fabriken als „Geldverbrennungsöfen“, die Sorge hat ihn wohl aus seinen Tagträumen geholt.
Jetzt ist Realpolitik angesagt. In der Analystenkonferenz zum jüngsten Quartal verkündete der 51-Jährige den Verkauf von Teslas Bitcoin-Beständen im Wert von knapp einer Milliarde Dollar. Der Grund ist die Sorge um die Shutdowns der Fabrik in China. Musk sagte: Es soll genügend „Liquidität“ bereitstehen.
Der Einstieg in Bitcoin vor einem Jahr war der Anfang einer Seifenoper mit Musk als Hauptdarsteller. Auf einmal ging es statt um Modelle oder Produktion um Kryptowährungen. Nebenschauplätze rückten in den Mittelpunkt, gipfelten in dem Versuch von Musk, Twitter zu kaufen und Ex-Präsident Donald Trump zurück auf den Kurznachrichtendienst zu holen.
Probleme gibt es bei Tesla genug
Jetzt zieht sich Musk aus dem Deal zurück, konzentriert sich auf Tesla, wie er in der Analystenkonferenz durchblicken ließ. Das bringt Ruhe in das Unternehmen und Zuversicht bei den Anlegern. Die Aktie reagierte positiv.
Endlich wird sich Musk um drängende Probleme wie dem Hochfahren der neuen Fabriken, der Serienfertigung innovativer Batteriezellen und der Markteinführung neuer Modelle kümmern. Erste Erfolge zeigten sich bereits im Juni, als die Produktion sich laut Tesla deutlich steigerte.
Aber Vorsicht: Die Geschichte von Morgenstern geht weiter. Der Sohn des Bauern reitet das neue Pferd ein und bricht sich ein Bein. Was sich aber als günstig erweist, als Soldaten vom König ins Dorf kommen und junge Männer zum Wehrdienst einziehen. Der Sohn bleibt daheim. Mit anderen Worten: Musk wird weiter Kapriolen schlagen, wie auch immer sie ausgehen.