Medizintechnik: Siemens Healthineers bestätigt trotz Gewinnrückgang die Jahresziele
Auch Lockdowns in Chinas Wirtschaftsmetropole haben das Quartalsergebnis beeinträchtigt.
Foto: ReutersFrankfurt. Der Lockdown in China und eine geringere Nachfrage nach Covd-19-Schnelltest haben den Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers im dritten Geschäftsquartal deutlich gebremst. Von April bis Juni ging der Umsatz des Erlanger Unternehmens auf vergleichbarer Basis um 5,7 Prozent auf knapp 5,2 Milliarden Euro zurück. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) fiel um 19 Prozent auf 765 Millionen Euro. Analysten hatten hier im Schnitt 805 Millionen Euro erwartet.
An den Märkten kamen die Zahlen nicht gut an: Die Aktie brach nach Börsenstart um fast sieben Prozent ein, erholte sich dann aber und lag am Mittag noch knapp zwei Prozent im Minus.
Währungseffekte mit eingerechnet, konnte der Dax-Konzern seinen Umsatz um 3,7 Prozent steigern. Healthineers-Chef Bernd Montag bestätigte die Jahresziele für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet. Das Unternehmen peilt eine Umsatzsteigerung zwischen 5,5 und 7,5 Prozent sowie ein bereinigtes unverwässertes Ergebnis je Aktie zwischen 2,25 Euro und 2,35 Euro an.
Im Vorjahreszeitraum hatte die Siemens-Tochter mit einer Umsatzsteigerung von fast 39 Prozent ein besonders starkes Quartal verzeichnet. Damals trieb die Nachfrage nach Coronatests die Zahlen: Von April bis Juni 2021 wurden rund 600 Millionen Euro mit Antigen-Schnelltest umgesetzt. Im diesjährigen Quartal war es rund die Hälfte, wie Healthineers-Chef Montag in der Telefonkonferenz erläuterte.
Montag wertet das dritte Quartal trotz des Gewinnrückgangs als stark. Störungen in den Lieferketten sowie pandemiebedingte Lockdowns hätten zu Umsatzverschiebungen in die Folgequartale geführt, Kostensteigerungen belasteten den Gewinn, so Montag.
Ohne den Beitrag der Antigen-Schnelltests gerechnet konnte Siemens Healthineers den Umsatz auf vergleichbarer Basis um 0,9 steigern, getragen von den Geschäftsbereichen jenseits der Diagnostik. Allerdings wurde das Umsatzwachstum in allen Segmenten durch die Lockdowns in China beeinträchtigt. Unterm Strich sank der Gewinn nach Steuern im dritten Quartal um acht Prozent auf 364 Millionen Euro. Für das bereinigte unverwässerte Ergebnis je Aktie ergab sich ein Rückgang um 24 Prozent auf 0,43 Euro.
Auch Konkurrenz Philips hatte Ende Juli von deutlich negativen Auswirkungen der China-Lockdowns und Störungen in der Lieferkette berichtet. Der niederländische Konzern hatte sogar seine Jahresprognose zurückgenommen. Von April bis Juni war der Umsatz von Philips um sieben Prozent auf 4,17 Milliarden Euro gesunken, das operative Ergebnis (Ebita) brach auf 216 Millionen Euro ein, nach 532 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Bestes Geschäftsquartal des Jahres steht noch bevor
Der Gewinnrückgang bei Healthineers lag auch an höheren Kosten für Beschaffung und Logistik, die nicht komplett durch Effizienzmaßnahmen aufgefangen werden konnten. Die Erlanger wollen nun die gestiegenen Kosten an die Kunden weitergeben. Bis sich die höheren Preise durchgesetzt haben, rechnet der Dax-Konzern mit einer gedämpften Margenentwicklung.
Für das laufende vierte Geschäftsquartal ist Firmenchef Montag insgesamt aber optimistisch: Er erwartet den höchsten Quartalsumsatz des Jahres und ein starkes Ergebnis. Der Auftragseingang sei weiterhin sehr gut. Zudem erwartet das Unternehmen eine wieder steigende Nachfrage nach Covid-19-Antigen-Schnelltests und rechnet für das Geschäftsjahr nun insgesamt mit Testumsätzen von 1,5 Milliarden statt bisher 1,3 Milliarden Euro.
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Im größten Geschäftsfeld Imaging, in dem bildgebende Diagnostikverfahren wie Computertomografie und Magnetresonanztomografie zusammengefasst sind, erhöhte sich der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 2,5 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Die bereinigte Ebit-Marge des Segments lag mit 18,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals.
Die Magnetresonanztomografie wuchs laut Unternehmen sehr stark, während die Umsätze bei Molekularer Bildgebung und Ultraschall insbesondere wegen lockdownbedingter Störungen in den Lieferketten rückläufig waren. Auch die beiden Geschäftsfelder Varian (Krebstherapien) und Advanced Therapies, in denen unter anderem bildgebende Verfahren und Softwareprogramme für operative Eingriffe angeboten werden, legten beim Umsatz zu. Wegen der höheren Kosten in der Beschaffung wurden allerdings nicht die Margen des Vorjahresquartals erreicht.
Im zweitgrößten Geschäftsfeld Diagnostik sank der Umsatz wegen der geringeren Schnelltestnachfrage um 23,9 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Die bereinigte Ebit-Marge des Segments erreichte 12,6 Prozent und lag damit deutlich unter dem Wert des starken Vorjahresquartals von 21 Prozent.
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