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  4. Inflation in Großbritannien: Totalversagen auf höchster Ebene

KommentarDie Briten zeigen gerade, was ein Land bei hoher Inflation alles falsch machen kann

Der Inflationsschock in Großbritannien offenbart ein Totalversagen auf höchster Ebene. Selbst die Favoritin auf die Regierungsspitze verkennt die Lage.Torsten Riecke 17.08.2022 - 18:15 Uhr Artikel anhören

Die Idee von Liz Truss zur Inflations-Bekämpfung ist schon einmal gescheitert.

Foto: Reuters

Der Schock kommt mit Ansage: Erstmals seit 40 Jahren ist die Inflation in Großbritannien im Juli wieder zweistellig gestiegen. Schockierend ist jedoch weniger die hohe Preissteigerungsrate an sich. Die Bank of England (BoE) hatte Anfang August bereits einen Anstieg auf mehr als 13 Prozent in den kommenden Monaten vorausgesagt.

Nein, was die meisten Briten zu Recht wirklich schockiert, ist die Rat- und Hilflosigkeit von Politik und Notenbank. BoE-Chef Bailey hatte schon im Frühjahr vor den globalen Inflationstreibern kapituliert. „Niemand konnte einen Krieg in der Ukraine voraussehen“, argumentiert der Notenbanker. Das stimmt, erklärt aber nicht vollends, warum die Inflationsrate jetzt fünfmal so hoch ist wie das Inflationsziel der Zentralbank.

Neben den stark steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen gibt es auch hausgemachte Probleme. So haben die Notenbanker die Angebotslücke auf dem britischen Arbeitsmarkt lange Zeit unterschätzt. Ähnlich wie in den USA sind auch in Großbritannien nach der Pandemie viel weniger Menschen auf den Arbeitsmarkt zurückgekehrt als gedacht. Eine historisch niedrige Arbeitslosenquote und eine Rekordzahl von offenen Stellen sind die Folgen.

Trotz der für sie günstigen Lage auf dem Jobmarkt leiden die Arbeitnehmer jetzt am stärksten unter der Inflation. Ihre Reallöhne sind wegen der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten um drei Prozent gesunken. Kein Wunder, dass viele Briten darauf mit Wut und Streiks reagieren.

Nur eine Rezession kann die Fehler von Notenbank und Regierung korrigieren

Wütend sind sie auch deshalb, weil es in London seit Juni ein politisches Führungsvakuum gibt. Boris Johnson ist ein Premier auf Abruf und mehr mit seinen Umzugs- und Urlaubsplänen beschäftigt als mit Soforthilfen für notleidende Haushalte. Und seine Konservative Partei leistet sich mitten in der größten Wirtschaftskrise seit 50 Jahren einen über sechs Wochen dauernden internen Wettkampf um den Spitzenjob.

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Fatal ist dabei, dass die Favoritin Liz Truss offenbar den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt hat. Sie will mit Steuersenkungen die Inflation bekämpfen. Das hat schon bei Ronald Reagan nicht funktioniert. Der frühere US-Präsident überließ den Kampf an der Preisfront bekanntlich seinem damaligen Notenbankchef Paul Volcker, der auf zweistellige Inflationsraten mit zweistelligen Leitzinsen reagierte.

Davon sind die Briten zwar noch weit entfernt. So gut wie sicher ist jedoch, dass es auch diesmal eine Rezession braucht, um die Inflation zu bändigen. Schuld daran tragen Notenbanker und Politiker gemeinsam.

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