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GeldpolitikBank of England erhöht den Leitzins – bleibt damit aber hinter den Erwartungen zurück

Die Finanzmärkte hatten eigentlich mit einer Anhebung um 0,75 Prozentpunkte gerechnet. Nun wird der Zinsunterschied zu den USA größer und setzt das Pfund weiter unter Druck.Torsten Riecke 22.09.2022 - 14:16 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Zentralbank hat am Donnerstag einen neuen Zinsschritt in Höhe von 0,5 Prozent angekündigt.

Foto: Bloomberg

London. Die Bank of England (BoE) hat die Leitzinsen in Großbritannien um 50 Basispunkte auf nunmehr 2,25 Prozent angehoben. Das ist der höchste Stand seit 2008. Bereits Anfang August hatten die Notenbanker die Kreditkosten um einen halben Prozentpunkt verteuert. Die Finanzmärkte hatten jedoch mehr erwartet und eine Steigerung von 75 Basispunkten eingepreist. Zugleich kündigten die Notenbanker an, ihren Anleihebestand von 857 Milliarden Pfund ab Oktober sukzessive zu reduzieren.

Mit ihrem Zinsschritt blieben die britischen Währungshüter somit auch hinter dem Beispiel ihrer US-Kollegen zurück, die am Mittwoch eine Zinserhöhung von 75 Basispunkten beschlossen hatten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuletzt das Zinsniveau in der Euro-Zone ebenfalls um den gleichen Wert angehoben.

Die Entscheidung des geldpolitischen Ausschusses der BoE fiel nicht einstimmig: Drei Mitglieder stimmten für eine stärkere Zinserhöhung, eine Notenbankerin befürwortete eine Anhebung um nur 25 Basispunkte. BoE-Chef Andrew Bailey und vier seiner Kollegen setzten sich jedoch mit ihrem Vorschlag für einen halben Prozentpunkt durch.

Die Notenbanker erklärten, sie würden „energisch reagieren“, falls sich der Inflationsdruck als hartnäckiger erweisen sollte. Zudem wiesen sie darauf hin, dass ein erneuter Inflationsdruck von einer stärkeren Nachfrage ausgehen könnte. Ein Fingerzeig auf die Energiehilfen der Regierung, durch die 150 Milliarden Pfund (172,5 Milliarden Euro) zusätzlich in den Wirtschaftskreislauf gepumpt werden. Dennoch erwartet die BoE nach wie vor eine Rezession und rechnet damit, dass das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal des laufenden Jahres leicht sinken wird.

Die Zinsunterschiede zwischen den großen Wirtschaftsregionen haben großen Einfluss auf die Wechselkurse. Da das britische Pfund gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit fast 40 Jahren gefallen ist und nach dem Zinsentscheid weiter an Boden verlor, stehen die britischen Währungshüter unter Handlungsdruck, den Außenwert der Währung zu stabilisieren. Führt eine Währungsschwäche doch dazu, dass die Importe teurer werden und so die Inflation im Inland weiter anheizt.

Zwar war das Tempo der Preissteigerungen für britische Verbraucher im August leicht gesunken, die Inflationsrate lag mit 9,9 Prozent jedoch noch immer fünf Mal so hoch wie der Zielwert der BoE. Die Notenbanker gehen davon aus, dass die Inflation in den kommenden Monaten wieder zulegen wird und bei etwa elf Prozent ihren Höhepunkt erreichen könnte.

Nothaushalt der Regierung könnte Inflation wieder anheizen

Dämpfend auf die enormen Preissteigerungen bei Strom und Gas dürfte sich der staatliche Preisdeckel auswirken, den die neue Regierung in London zum 1. Oktober installiert hat. Danach gilt für Strom und Gas eine Preisobergrenze, damit die Energierechnung für einen Durchschnittshaushalt in den kommenden 24 Monaten nicht über 2.500 Pfund (2.875 Euro) pro Jahr steigen kann.

Die Differenz zwischen den staatlich kontrollierten Preisen und den tatsächlichen Marktpreisen will die Regierung durch neue Kredite decken. Die Details dazu wird der neue Finanzminister Kwasi Kwarteng am Freitag in einem Nothaushalt bekannt geben. Die britischen Währungshüter befürchten, dass die zusätzlichen Staatsausgaben den Inflationsdruck auf mittlere Sicht wieder erhöhen könnten.

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„Auch wenn die unmittelbare Gefahr einer Rezession im kommenden Winter geringer wird, erhöht ein erheblicher fiskalischer Stimulus das Risiko, dass die hohe Inflation länger anhält – und damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of England letztlich eine deutlich restriktivere Politik verfolgen muss“, sagte Sandra Horsfield, Ökonomin beim Finanzdienstleister Investec.

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