Telemedizin: Schwedisches Start-up Kry stellt Dienste in Deutschland ein
In Schweden können Kry-Patienten sich vor Ort behandeln lassen. Im Bild: Eine Kry-Praxis in einer Stockholmer Einkaufspassage.
Foto: Lukas Hoffmann
Die Kassen sind voll, der deutsche Gesundheitsmarkt ist groß – das schwedische Telemedizinunternehmen Kry verabschiedet sich dennoch aus Deutschland. Erst im Sommer schloss das Start-up eine weitere Finanzierungsrunde über 160 Millionen US-Dollar (162 Millionen Euro) ab. Insgesamt haben Investoren seit der Gründung des Start-ups im Jahr 2016 rund 728 Millionen US-Dollar (737 Millionen Euro) investiert. Damit ist Kry eines der wertvollsten Digital-Health-Unternehmen in Europa.
Aber das Geschäftsmodell – die Teleberatung aus der Ferne – läuft in Deutschland schleppend. Bei Kry können Patienten per App einen Termin bei einem Partnerarzt buchen, in der Regel ist das ein Praxisarzt mit einer Niederlassung irgendwo in Deutschland. Noch ist das möglich, im Dezember wird der Service eingestellt. Die rund 30 Mitarbeiter müssen sich – sofern sie nicht an europäischen Projekten beteiligt sind – einen anderen Arbeitgeber suchen. Der enge Fokus auf die Patientenberatung hat dem Unternehmen hierzulande das Genick gebrochen.
Man hätte schauen müssen, in welchen Märkten eine greifbare Profitabilität möglich ist, erklärt Kry gegenüber Handelsblatt Inside. Der Markt sei unter Druck. Laut der schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri wird das Start-up rund zehn Prozent seiner 3000 Mitarbeiter entlassen. Kry will diese Zahl nicht kommentieren.