Personalkosten: Höhere Gehälter werden zum Risikofaktor für Unternehmen
Die Lohnkurve geht schon seit Monaten nach oben.
Foto: imago/ManngoldDüsseldorf, Berlin. Löhne und Gehälter in Deutschland lagen im Oktober um 7,1 Prozent über denen des Vorjahresmonats. Dieser rasante Anstieg geht aus einer Auswertung der Jobplattform Indeed und der irischen Zentralbank hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.
Deutschland verzeichnet damit den höchsten Anstieg unter den verglichenen sechs großen Euro-Staaten sowie dem Vereinigten Königreich. In Frankreich etwa zogen Löhne und Gehälter um fünf Prozent an, in Spanien nur um 3,5 Prozent.
Unternehmen trifft diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Energie- und Rohstoffpreise steigen ohnehin schon, jetzt werden auch die Personalkosten noch zu einer Belastung. So sind im Bereich Reinigung, Gastronomie, sozialer Dienst, Logistik und Kundenservice die Löhne zuletzt stärker als die Inflation gewachsen.
Das schürt Sorgen vor einer Lohn-Preis-Spirale, also dem sich gegenseitigen Hochschaukeln von Löhnen und Inflation. In einer Umfrage des Familienunternehmer-Verbands befürchteten bereits im Frühsommer 89 Prozent der Firmen eine solche Spirale.
Noch sehen Ökonomen das allerdings nicht als ausgemacht. Das Münchener Ifo-Institut geht derzeit von einem Reallohnverlust aus. Und Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW Köln), sagt mit Blick auf eine Lohn-Preis-Spirale: „Das gibt die Datenlage nicht her.“