Ukraine-Krieg: Kein Netz, kein Strom, kein Wasser: Cherson sucht den Weg aus der Isolation
Bei ihrem Rückzug zerstörten die russischen Truppen zahlreiche Infrastruktur-Einrichtungen.
Foto: APCherson. Weil der Ast in seiner Hand zu kurz ist, um das Propagandaplakat zu erreichen, klettert Mischa über den Zaun und holt einen längeren. Seine Freunde feuern ihn an und machen Handy-Videos, während er mit seinem improvisierten Werkzeug versucht, das Papier zu zerfetzen. „Russen und Ukrainer – ein Volk, ein Ziel“, steht auf dem riesigen Poster hoch über einer Straße im Zentrum von Cherson.
Allzu lange kratzt er aber nicht am Papier, bevor er ermüdet: Die Botschaft bleibt gut lesbar, für eine Entfernung ist größeres Gerät nötig. „Wir haben einen Anfang gemacht. Andere werden unsere Arbeit vollenden“, erklärt der Teenager und entfernt sich lachend mit seiner Gruppe.
Das Plakat war eines von Dutzenden im Zentrum, mit denen die russischen Invasoren ihre Botschaften unters Volk bringen wollten. Nun sind die Besatzer plötzlich weg, wobei sie vorher noch mit großer zerstörerischer Energie Brücken, Kraftwerke und Sendemasten sprengten. Cherson ist seither von der Außenwelt abgeschnitten, und dies nicht nur, weil die Ein- und Ausreise nur mit Spezialbewilligung möglich ist. Der Weg der Stadt aus der Isolation beginnt gerade erst.