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GeldpolitikEZB-Rat sieht wohl keine Dynamik für erneuten Jumbo-Zinsschritt

Die Notenbanker könnten den Leitzins im nächsten Monat nur um 50 Basispunkte straffen. Die Dynamik für einen weiteren Schritt um 75 Punkte sei nicht gegeben, heißt es. 17.11.2022 - 14:52 Uhr Artikel anhören

Die nächste Zinsentscheidung der Währungshüter steht am 15. Dezember an.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Europäische Zentralbank könnte informierten Kreisen zufolge ihr Zinserhöhungstempo im nächsten Monat verlangsamen und nach zwei Schritten von je 75 Basispunkten nun um nur 50 Basispunkte straffen.

Erste Diskussionen im Rat der Notenbank deuten den Angaben zufolge darauf hin, dass die Dynamik für eine weitere Zinsanhebung um 75 Basispunkte derzeit nicht gegeben ist. Sollte es nicht zu einem weiteren überraschenden Anstieg der Inflation kommen, könnte der Konsens durchaus für einen weniger aggressiven Schritt sprechen, hieß es.

Als Gründe werden unter anderem die zunehmenden Rezessionsrisiken genannt, die Möglichkeit, dass der Druck nach oben bei den Verbraucherpreisen nachlässt, und die Aussicht, dass auch eine Erhöhung des Einlagensatzes um nur einen halben Prozentpunkt auf zwei Prozent bereits in die Nähe eines sogenannten neutralen Niveaus führt.

Von diesem Niveau wird angenommen, dass es die Wirtschaft nicht stimuliert. Auch die Notwendigkeit, über den Beginn des Bilanzabbaus zu diskutieren, wurde angeführt. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. 

Die Währungshüter haben noch eine Weile, um sich einig zu werden. Die nächste Zinsentscheidung der Währungshüter steht erst am 15. Dezember an. Die Markterwartungen liegen bereits bei einer Erhöhung um einen halben Prozentpunkt, und die Falken im EZB-Rat haben nicht viel dafür getan, diese Sicht des Marktes zu verändern.

Der österreichische Gouverneur Robert Holzmann, der als Falke gilt, hat in Bezug auf künftige Zinserhöhungen zu Umsicht gemahnt. Der Rat müsse zu starke Bewegungen vermeiden, die zu einer Rezession führen könnten. Zum Ausmaß der nächsten Erhöhung hat er sich nicht im Einzelnen geäußert, ebenso wenig wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel.

Die EZB-Ratsmitglieder aus Estland und Lettland, den Ländern mit der höchsten Inflation in der Eurozone, nannten 50 und 75 Basispunkte als mögliche Optionen für Zinsschritte, ohne jedoch eine Präferenz zu äußern.

Der Chef der französischen Zentralbank, Francois Villeroy de Galhau, sagte am Mittwoch, die EZB werde die Zinsen im nächsten Monat wahrscheinlich auf eine „Normalisierungsspanne“ von etwa zwei Prozent anheben, was ebenfalls auf einen 50-Basispunkte-Schritt hindeuten könnte.

Vizepräsident Luis de Guindos meinte gestern zu Bloomberg TV, dass der nächste Inflationsbericht am 30. November für die Entscheidung im Dezember „relevant“ sein werde – und zwar sowohl als Indikator für den Preisdruck als für die vierteljährliche Stabs-Prognose. Guindos lehnte es ab, sich über den Umfang des nächsten Zinsschritts zu äußern.

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Die letzten Beratungen des EZB-Rates fanden am 9. November statt. Schwächer als erwartet ausgefallene US-Inflationsdaten, die am Tag darauf veröffentlicht wurden, könnten die Notenbanker zwischenzeitlich ermutigt haben, ihren Zinserhöhungskurs zu mäßigen. 

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