Uniper, Wintershall & Co.: Warum 60 deutsche Firmen immer noch in Russland aktiv sind
Seit März ruht im VW-Werk Kaluga die Produktion (Archivbild).
Foto: Bloomberg/Getty ImagesFrankfurt, Riga. Nach dem Überfall auf die Ukraine kündigte eine Vielzahl deutscher Firmen den schnellen Rückzug aus Russland an. Einige Unternehmen wie Mercedes, Lanxess, Dr. Oetker oder Remondis haben auch bereits Vollzug gemeldet, bei vielen anderen zieht sich das Projekt „Do Swidanja“ („Auf Wiedersehen“) aber in die Länge, etwa bei Henkel und Uniper. Manche Unternehmen wie Metro, Stada und Wintershall wollen sogar nach wie vor in Russland bleiben.
Björn Paulsen, Russlandexperte der Kanzlei Noerr, vermutet, dass zwar fast 90 Prozent der in Russland tätigen deutschen Großunternehmen ihr dortiges Geschäft „de facto aufgegeben“ haben und vor allem nichts mehr nach Russland liefern. „Bei der Veräußerung der gesellschaftsrechtlichen Beteiligungen liegt die Erfolgsquote angesichts der regulatorischen Schwierigkeiten deutlich niedriger, wahrscheinlich erst bei 25 bis 30 Prozent.“
Die Verzögerungen hängen aus Sicht der deutschen Unternehmen maßgeblich mit den russischen Vorschriften zusammen. Die wurden zuletzt mehrmals verschärft. Aus Sicht von Jeffrey Sonnenfeld, Professor an der Yale School of Management, ist das aber nur ein Teil der Wahrheit. Die Unternehmen seien am Bummeltempo selbst schuld, sagt er. Sonnenfeld leitet ein Forschungsteam, das eine Liste zum Status des Russlandrückzugs Hunderter Unternehmen zusammengetragen hat.