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KommentarSelenski und Putin: Der ungleiche Zweikampf der Kriegsgegner

Wladimir Putin erliegt zunehmend seiner eigenen Bunkermentalität, während Wolodimir Selenski sein Volk und seine Bündnispartner mobilisiert. Das könnte am Ende kriegsentscheidend sein.Mathias Brüggmann 21.12.2022 - 18:44 Uhr Artikel anhören

Putin verfolgt weiterhin seinem Ziel: Der Vernichtung der Ukraine.

Foto: IMAGO/photo2000

Bilder offenbaren oft schonungslos die Wahrheit: Das gilt in besonderem Maße für Wladimir Putin und Wolodimir Selenski: Beide zeichneten am Dienstag in ihren Augen verdiente Kämpfer aus.

Der ukrainische Staatschef übergab Orden an Soldaten, und dies in den Schützengräben der heftig umkämpften Donbass-Stadt Bachmut. Er nahm dafür ein hohes Risiko in Kauf, indem er sich unmittelbar an die Front begab. Russlands Präsident indes steckte im sicheren Kreml russischen Vertretern der von Moskau annektierten ukrainischen Gebiete Orden an. An der Front war der russische Autokrat bisher nie.

Die Bilder der Ordensverleihungen unterstreichen den - womöglich entscheidenden - Unterschied in diesem Krieg: Selenski ist es gelungen, sein angeblich doch so gespaltenes Volk im Widerstand gegen den russischen Aggressor zu einen. Putin indes hat sein Land zwar weiter im Griff. Haarrisse sind aber inzwischen deutlich erkennbar: Wehrpflichtige fliehen zu Hunderttausenden, aus der Wirtschaft kommen erste Stimmen der Kritik, und auch die eigenen Reihen stehen nicht mehr eng geschlossen.

Sinnbildlich dafür waren die versteinerten Mienen von Verteidigungsminister Sergej Schojgu und seinen Generälen. Auch als Putin seinen Militärs die beste Ausrüstung versprach und die üblichen Durchhalteparolen sprach, saß bei der Versammlung der Armeeführung apathisch da.

Ganz anders Selenski: Er wird bei seinem US-Besuch Hilfsmilliarden aus Übersee bekommen und neue Waffen. Vor allem die Patriot-Abwehrsysteme können dem russischen Raketenterror ein Ende bereiten und verhindern, dass weitere Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer fliehen - nicht zuletzt wegen zerstörter Heizkraftwerke, Stromnotabschaltungen und Wassermangel.

Wie einst Winston Churchill im Zweiten Weltkrieg hat sich Selenski bei seinem Treffen mit US-Präsident Joe Biden und seiner Rede vor beiden Kammern des US-Parlaments die Unterstützung des wichtigsten Verbündeten gesichert. Russland weiß das, und die entgeisterten Mienen der Moskauer Militärs ließen erahnen, dass die russische Armee schon jetzt weiß, wie die von Putin derzeit vorbereitete neuerliche Frühjahrsoffensive ausgehen wird.

Der ukrainische Präsident hat sich am Mittwoch auf seine erste Auslandsreise seit Beginn des russischen Angriffskriegs begeben. US-Präsident Biden hatte Selenski nach Washington eingeladen, um unter anderem über weitere Hilfen zu sprechen.
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Jetzt sollen also noch mehr junge Russen an die Waffen. Das wollte Putin immer vermeiden. Denn der Krieg ist auch in Russland unpopulär, und die russische Wirtschaft geht auch wegen der Flucht der Wehrpflichtigen und des Einsatzes der Einberufenen an der Front schweren Zeiten entgegen.

Nur einer hat das nicht begriffen: Putin. Er folgt unbeirrt seinem Ziel: der Vernichtung der Ukraine. Dieser verfluchte Krieg wird deshalb noch lange dauern – denn auch die Patriot-Systeme, die immerhin Raketenangriffe abwehren können, werden keine grundlegende Wende bringen. Dazu sind weitere und andere Waffen nötig.

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